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Multipersonelles Kabarett mit Constanze Lindner in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS

Energiebündel auf Schmusekurs

Folgende, leicht an den Haaren herbeigezogene Situation: Sie stehen in einer Metzgerei und warten darauf, bedient zu werden. Da gesellt sich plötzlich eine Fee zu Ihnen, und Sie haben drei Wünsche frei. In der ersten Aufregung wünschen Sie sich natürlich etwas ganz Blödes, sagen wir: einen Schabracken-Tapir, den Sie logischerweise umgehend wieder zurück in den Urwald wünschen. Bleibt noch ein Wunsch übrig, und der will jetzt gut überlegt sein. Also nehmen Sie die Fee mit nach Hause und denken kräftig nach. Und weil das dauert und Sie die Fee nebenbei noch durchfüttern müssen, nutzen Sie die Zeit, um Geld respektive Kabarett zu machen.

Constanze Lindner in einer ihrer zahlreichen Rollen als schrullige Cordula Brödke hält Ausschau nach dem Mann ihres Lebens. (Foto: Heel)

Klingt verrückt, aber genauso ist es der Münchner Schauspielerin und Kabarettistin Constanze Lindner ergangen. Jedenfalls im Rahmen ihres zweiten Solo-Programms »Jetzt erst mal für immer«, das die viel beschäftigte Künstlerin (»Vereinsheim Schwabing«) jetzt in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS vorstellte. Ein Programm, das ein buntes Potpourri grotesker, aber liebenswerter Figuren war und das dank ihrer rasend komischen Einfälle, ihrer ansteckenden Spielfreude und ihrer unglaublichen Wandlungsfähigkeit derart lustig geriet, dass man aus dem Lachen (und Staunen) gar nicht mehr herauskam. Zumal Constanze Lindner, die 2016 mit dem Bayerischen Kabarettpreis (Senkrechtstarter) ausgezeichnet worden ist, zu den Kabarettisten zählt, die stets nach Nähe suchen bzw. auf Schmusekurs im Publikum gehen. Horst und Gerhard, zwei Herren in der ersten Reihe, konnten ein Lied davon singen.

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Doch zurück zur guten Fee. Während die sich in der Wohnung der Kabarettistin den Bauch voll schlug, turnte diese durchs Treppenhaus und schlüpfte dabei in die unterschiedlichsten Rollen. Etwa in die von Victoria Witchpopp, einer so tanzfreudigen wie sangeslustigen Dame vom östlichsten Rand der ehemaligen Sowjetunion, wo es die strengsten Winter, den stärksten Wodka und die dümmsten Männer gibt. Und wo die Menschen immer sagen, was sie denken. Also oft jahrelang nichts! Nicht zu bremsen war ihre überschäumende Energie auch als gebrechliche Großmutter mit Anfällen von Spontandemenz oder als schrullige Cordula Brödke – eine kleine Person mit Wollmütze, Riesenbrille und Mordsgebiss, die um ihre Defizite weiß, aber weil die Hoffnung zuletzt stirbt, munter weiter nach dem Mann ihres Lebens Ausschau hält.

Kurzum, ein pralles Vergnügen, auch wenn die Frage nach dem dritten Wunsch lange ungeklärt blieb, trotz vieler Vorschläge seitens der Zuschauer. Doch in letzter Sekunde fiel der Kabarettistin etwas ein: Sie wünschte sich, dass das werte Publikum gut nach Hause kommen möge. Auch dafür ein Kompliment. Wolfgang Schweiger