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Energischer Aufruf zum Frieden

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Applaus für den Pianisten Fazil Say (Mitte) und die Camerata Salzburg mit Konzert- meister Gregory Ahss (links). (Foto: Aumiller)

»Für Frieden und Freiheit« war das zweite Saisonkonzert der Camerata Salzburg im Großen Saal des Mozarteums in Salzburg übertitelt. Das Thema ist auch dem international renommierten Pianisten Fazil Say ein großes Anliegen, dem er hier mit Ludwig van Beethovens letztem Klavierkonzert profilierten Ausdruck verlieh.


Das Klavierkonzert Nr. 5 op. 73 steht in Es-Dur, in einer Tonart, die Beethoven gerne für heldenhafte Themen verwendete, wie etwa die »Eroica«, die er zuerst Napoleon zudachte, später aber umwidmete. Das Klavierwerk entstand 1809 als Napoleons Truppen Wien besetzten. Deshalb wurde ihm nachträglich fälschlicherweise der Name »Emperorkonzert« verliehen. Es ist aber vielmehr der Aufruf für den Frieden im kriegerischen Kampf. Seinem Freund und Schüler, dem friedliebenden Erzherzog Rudolf hat Beethoven das Werk gewidmet.

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Fazil Say veranschaulichte im ersten Satz die in der Musik gespiegelten Kriegsereignisse mit vorwärtsdrängender martialischer Wucht. Sehr bestimmend gaben schon die Einleitungstakte des Klaviers die Stimmung vor, die das Orchester weiterführte. Der pianistischen Herausforderung begegnete Say mit brillanter Bravour in kraftvollem Einsatz. Strenge Rhythmik und forsches Tempo prägten bei signifikanter Detailgenauigkeit den groß angelegten Allegro-Satz. Pianist und Orchester bildeten eine Einheit, als eine Art sinfonisches Format mit Klavier, in gegenseitiger Intensität gestaltet. Gregory Ahss lenkte vom ersten Pult aus die orchestralen Impulse, die auch stark vom Pianisten ausgingen und das Orchester zu großer Geste und imposantem Klingen stimulierten. Prägnant eilende Läufe und donnernde Akkorde ließ der Pianist dann in den sanft fließenden Adagio-Satz übergehen, der auf der gleichen Note beginnt, aber enharmonisch verwechselt in Folge eine andere Klangsituation ergibt. Zarte Empfindung in feinem Anschlag fand Say für diese innige Friedenslyrik in Vorbereitung für das im unmittelbaren Übergang sieghaft auftrumpfende Rondo-Finale. Als Zugabe spielte Say Nocturnes von Chopin, lyrisch beruhigend, voller Zauber in pianistischem Feinschliff und musikalischem Atem.

Mit der anschließenden »Posthornserenade« von Mozart befand sich die Camerata in angestammten Salzburger Gefilden. Exquisite Vielfarbigkeit hat Mozart in diese sogenannte Finalmusik gelegt, wie sie für studentische Abschiedsfeiern der Brauch war. Als Mozarts letzte Salzburger Finalmusik markierte sie einst auch seinen eigenen Abschied von Salzburg. Die Cameratamusiker glänzten mit feiner Wiedergabe, ganz zu Hause in ihrem Repertoire, und profilierten sich einmal mehr als gut aufeinander eingespieltes Kammerorchester mit Transparenz und schönem Aufblitzen der Oboen, Flöten, Fagotte und Hörner. Im letzten Satz der siebenteiligen Serenade blies der Trompeter Kurt Körner, in Kapperl und Post-Uniformjackerl, volltönend und virtuos das Posthorn als Aufbruchssignal des Postillons, das der Serenade auch den Namen gab. Ein von Mozart erdachter und vom Publikum bejubelter reizvoller musikalischer Gag. Elisabeth Aumiller

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