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»Münchner Advent« mit außergewöhnlichem Schauspiel und hochkarätiger Volksmusik

Engel sind unter uns

Mit tief greifenden, sinnigen Botschaften zur Weihnachtsgeschichte und brillanter Volksmusik begeisterte das Ensemble des »Münchner Advent« unter der Gesamtleitung von Moritz Demer jun. die Besucher im Theatersaal des Bad Reichenhaller Kurgastzentrums. Gut zwei Stunden lang erklangen dort gut ausgewählte, aussagekräftige Lieder und stimmungsvolle Instrumentalstücke aus der alpenländischen Volkskultur, aufgebaut auf dem Schauspiel »So sprach der Engel« von Josef Kriechhammer.

Im Schlussprolog spielten und sangen die Gruppen gemeinsam und begeisterten das Publikum in Bad Reichenhall. (Foto: Bauregger)

Gerade der außergewöhnliche Blick auf die Weihnachtsgeschichte und die realitätsnahen, alltagsbezogenen Fragen und Botschaften aus dem Schauspiel ließen das Adventsingen für die Zuhörer zu einem Erlebnis mit besonderem Tiefgang werden. Über das gemeinsam gesungene Eingangslied »Ach mein Seel fang an zu singen« wurde das Publikum zudem Teil des Ganzen.

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In der Handlung wird Anna, ein kleines Mädchen aus Nazareth, Zeugin der Verkündigung des Engels an Maria. Da sie mit den Worten der Verkündigung nicht viel anfangen kann, zieht sie schließlich den etwas älteren Jakob und schließlich die Mutter Sara zu Rate. Gerade an diesem Tag machen sich Josef und Maria auf den Weg nach Bethlehem. Voller Sorge reisen die drei mit Lea, einer Freundin der Mutter hinterher. Als sie in Bethlehem Quartier suchen, treffen sie auf die Wirtsleute, die das heilige Paar kurz zuvor abgewiesen haben, dies aber jetzt zutiefst bereuen. Sie weisen dem Quartett den Weg zu den Hirten, die ihnen schließlich die Frohbotschaft von der Geburt des Gottessohnes verkünden.

Durch das ganze Spiel zog sich tiefgründig die Frage, ob nicht alle Menschen auch einen Engel in sich tragen, verlernt haben auf ihn zu hören und deshalb auch den Engel in ihrem Nächsten nicht mehr wahrnehmen. Es war ergreifend und berührend zugleich, wie es die Theaterspieler zwischen 10 und 31 Jahren verstanden, gefühlvoll und ohne übertriebene Überzeichnung und Theatralik das Publikum anzuregen, sich den alltäglichen Fragen aus dem Spiel zu stellen.

Dass sich auf dem Fundament dieses beeindruckenden Schauspiels ein stimmiges Gesamtwerk entwickelte, dafür sorgte federführend Moritz Demer jun. mit einer stimmigen und ansprechenden Programmzusammenstellung. Wo passende Überleitungen zu den verschiedenen Programmpunkten fehlten, füllte er diese Räume gleich selbst virtuos und ideenreich an der Harfe oder intonierte dort Eigenkompositionen mit dem »Ensemble des Münchner Advents«.

Gerade dieses Instrumentalensemble in der Besetzung mit Harfe, zwei Geigen, Cello, Oboe, Klarinette und Kontrabass verstand es solistisch und als Gesamtgruppe brillant, die Stimmungen und Intuitionen aus dem Schauspiel zu verstärken. Der gemischte »Chor des Münchner Advents« unter der Leitung von Herta Albert erzählte die Weihnachtsgeschichte mit passenden Liedern und einem fülligen Vokalklangbild.

Mit einer ganz feinen Note brachte sich die Gruppe »Holzklang« aus Südtirol in der Besetzung mit Hackbrett, Zither, einer oder zwei Gitarren und einer Bassklarinette in das Adventsingen ein. Garant für starke, bläserische Aspekte waren die »Laubensteiner Bläser«. In der Besetzung mit zwei Flügelhornisten, einem Bass-Flügelhornisten und einem Tubisten füllten sie den Klangraum des Konzertsaals mit warm und weich angelegten, alpenländischen Bläserweisen. Eine wunderbare Erweiterung des musikalischen Gesamteindrucks kam schließlich aus den Kehlen des Frauendreigesangs »Wiesberger Dreigsang« aus Salzburg.

Seinen beeindruckenden, stimmungsvollen Abschluss fand das Adventsingen schließlich mit den Theaterspielern, die im Halbdunkel mit Kerzen in den Händen, noch einmal verschiedene Überzeugungen kundtaten, warum »nua da Mensch, Gottes Liab a Antlitz geb‘n kann«. Als Symbol für diese Überzeugung, diesen Wunsch und diese Hoffnung wanderten einige Kerzen durch die Reihen des Publikums, welches sich abschließend mit lang anhaltendem Applaus, für dieses besondere Adventerlebnis bedankte. Werner Bauregger