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Andrea Wittmann und Cecilia Berglund verzaubern bei Soiree in der Seeoner Abtskapelle

Engelhafte Arien

Die von Andrea Wittmann organisierten und gestalteten Konzerte in der St. Nikolaus Kapelle im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon sind längst kein Geheimtipp mehr: Klein, aber fein.

Cecilia Berglund (Sopran) und Andrea Wittmann (Cembalo) versüßten den Gästen in der Abtskapelle des Klosters Seeon mit engelhaften Arien einen frühlingshaften Sonntagabend. (Foto: Benekam)

Immer neue Besetzungen mit hochkarätigen Musikern in wechselnder Instrumentierung machen jedes Konzert des sonst nur bei Führungen zugänglichen Rokoko-Juwels zum exklusiven Musikerlebnis bei allerbester Akustik an einem historienträchtigen Ort. Als zierendes I-Tüpferl gelten Wittmanns mit großem Charme gehaltene kleine Vorträge, in denen sie ihre interessierten Gäste mit fundiertem kunsthistorischen Wissen zu Gemälden, kunstvollem Stuck und vergoldeten Fresken in der einzigartigen Rokoko-Kapelle versorgt.

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Die Plätze in der wunderschönen Kapelle waren zur sonntäglichen Soiree unter dem Motto »Die schönsten Arien« voll besetzt, sodass einige »zu spät Entschlossene« gar nicht in den Genuss der traumhaft schön gesungenen Arien der schwedischen Sopranistin Cecilia Berglund kamen. Die vielen Engelchen auf den Gemälden der Kirchenmalerei aber schienen ihr Lächeln beim Erklingen der zauberhaften Stimme Berglunds zu verbreitern. Denn sie sind Dauergäste und wissen auch Wittmanns virtuoses Cembalospiel zu schätzen. »Mein gläubiges Herze« von Johann Sebastian Bach war eine würdige Eröffnung des Konzerts und ließ die Zuschauer »ankommen« und innere Einkehr finden.

Mit einer Meditation über »Le premier prelude de Bach« kam im Anschluss ein Ave Maria von Charles Gounod zu Gehör, in passender Folge »Haec est regina virginum« von Georg Friedrich Händel. Nicht jeder Musikliebhaber wird gewusst haben, dass auch der italienische Komponist Luigi Cherubini ein wunderschönes Ave Maria geschrieben hat, welches nicht besser hätte interpretiert werden können, mit fast engelgleichem Ausdruck. Kräftigen Applaus spendeten die Konzertbesucher auch für den Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel und ein weiteres Ave Maria von Franz Schubert, Ellens Gesang III »Hymne an die Jungfrau«.

Stimmlichen Klangzauber produzierten die beiden Musikerinnen mit dem Abendsegen aus der Oper »Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck, den sie a capella in der Abtskapelle erklingen ließen. Für die von der beseelenden Musik erquickten Zuhörer hätte es keine Pause gebraucht, wohl aber für die beiden Musikerinnen, welche, wie sich herausstellen sollte, für den anspruchsvollen zweiten Konzertteil ihre Kräfte bündelten. Drei Werke von Wolfgang Amadeus Mozart komplettierten den Hörgenuss für die restlos begeisterten Zuhörer: »Ora pro nobis« (Regina coeli), KV 108, Laudate dominum aus »Vesperare solennes de confessore« KV 339 und die Motette Exsultate, jubilate KV 165.

Am Konzertende hatten die vom Frühling berauschten Vögel, die in dem alten Baumbestand rund um das malerisch gelegene Kloster Seeon leben, ihr Konzert eingestellt. Nach lang anhaltendem Applaus schienen in der Abenddämmerung die verzaubernden Arien nachzuhallen. Kirsten Benekam