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Engelsbegegnungen zwischen Hirt und Wirt

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Der Wirt (Gerald Salchegger) im Gespräch mit den armen Anglöckler-Kindern. (Foto: Carina Ott)

Wer kennt dieses Gefühl nicht: Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen, gerade im Advent. Und in unserer so rationalen Zeit, in der Maschinen und Computer den Takt vorgeben, scheinen alle Naturphänomene erklärbar, alle Distanzen überwindbar und jedes Gut käuflich zu sein. So etwa drückt es Josef Radauer, Leiter des »Salzburger Hirtenadvents«, in seinem Vorwort zum Programmheft aus. Mit dem Stück »Hast an Engel g'hört« setzt er mit seinem Team ein tief gehendes Statement dafür, dass Weihnachten trotz allem eine Zeit der Wunder und der Engel bleibt.


Für die letzten Aufführungen am heutigen Freitag um 19 Uhr, am Samstag um 15 und 18 Uhr sowie am Sonntag um 11 und 15 Uhr gibt es noch Restkarten online unter www.hirtenadvent.at. Das Stück knüpft an ein szenisches Oratorium des vor 20 Jahren verstorbenen Tobias Reiser an. Die Premiere begeisterte die zahlreichen Zuschauer in der Salzburger Universitätsaula. Die wichtigste Rolle bei der alle Sinne ansprechenden Inszenierung fiel den Kindern zu, die stets präsent waren, nicht nur im zentralen Hirtenspiel.

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Der Erzähler (Alfred Kröll), der später als mahnender Gast beim Wirt einkehrt, spricht am Anfang über seinen Traum, wieder Kind zu sein, einfach aufstehen und gehen zu können, wenn einen ein Engel ruft. Viel Poesie hatten die von ihm vorgetragenen Texte von Walter Müller.

Hans Stadler, der damals bei Tobias Reiser beim Salzburger Adventssingen die verschiedensten Rollen übernahm, bewunderte stets das authentische Spiel der Hirtenkinder: »Die Kinder spielten diese Szenen, nein, sie lebten sie so, als hätten sie wirklich den Engel gesehen. Mit den passenden Liedern und Weisen dazu entstand auf der Bühne eine fast 'himmlische Sphäre', die ich bis in die Zuschauer hinein spüren konnte«, zitiert ihn Radauer in einem Grußwort.

Genau diese Atmosphäre verbreitete auch die bestens vorbereitete diesjährige Hirtenschar, aufgeteilt auf zwei Gruppen. Die eine, die »Wirtshausmusikanten«, bitten vor dem langen Heimweg, begleitet von »Tante Walburg« (Walburg Roth), den Wirt (Gerald Salchegger) um ein Nachtquartier und werden gern aufgenommen. Etwas später trifft auch eine arme Anglöcklergruppe ein und wird harsch abgewiesen. Zwei Mädchen dieser Gruppe sprechen den anderen immer wieder Mut zu, eine ist sich auch sicher, einen Engel wahrgenommen zu haben. Alle wärmen sich gegenseitig in dieser kalten Nacht, werden füreinander zu Engeln.

Den Wirtshausmusikanten lässt das keine Ruhe, dass die armen Musikantenkinder draußen frieren. Sie bringen ihnen Decken, Brotzeit und Tee. Auf einmal fangen alle miteinander zu musizieren an. Diese Herzenswärme erweicht auch den vom Gast innerlich wach gerüttelten Wirt, und er bittet alle in die Stube. Die Freude der Kinder beim Theaterspielen, Singen und Musizieren, ihre frisch angestimmten Lieder und Weisen, bis hin zum übermütigen Schleuniger und ihr instrumentales Können rissen einfach mit, nicht erst, als sie ihre Hüte ins Publikum warfen.

Eingeflochten in diese Geschichte waren Erinnerungen an das Weihnachtsgeschehen vor 2000 Jahren. Die Zeichnungen von Martin Gredler, mit Licht an die Wand projiziert, schufen eine mystische, zeitlose Kulisse. Zum Gesamtkunstwerk trugen darüber hinaus wunderbare uralte Lieder bei, wie ein Ave Maria aus einem Gesangbuch aus Paderborn von 1617 in Radauers Bearbeitung, mit glockenklaren Sopranen interpretiert von Madeleine Schwaighofer als Maria und Heidi Baumgartner, einer jungen Walser Gesangsstudentin, von Radauer neu für den Hirtenadvent entdeckt, als Engel. Erstmals war auch Magdalena Reindl mit ihrer schönen Naturstimme zu hören, nicht nur im hervorragend intonierenden Projektchor, sondern auch als Elisabeth.

Wie Rosenkranzperlen durch die Finger laufen, reihte sich eine Perle dieses reichen musikalischen Schatzes an die nächste, einfühlsam und mit fließenden Übergängen dargeboten vom Salzburger Dreigesang, dem Radauer Ensemble, den Pongauer Bläsern und den Ruperti-Sängern.

Man konnte in diese Musik tief eintauchen, es tat wohl, in dieser Auszeit im Advents-Getriebe zu verweilen. Darunter waren Lieder von Tobi und Tobias Reiser, ein Magnificat von Wilhelm Keller, Kompositionen des Organisten Andreas Gassner und der klassische, polyphone Chorsatz »Lauft ihr Hirten allzugleich« von Johann Michael Haydn. Veronika Mergenthal