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Engerlingsbefall: Maschinelle Aussaat der Pilzgerste ist eine Herausforderung

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Schneizlreuth: Maschinelle Aussaat der Pilzgerste gegen Engerlingsbefall ist eine Herausforderung
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Besichtigung der Hangflächen am Eckarthof am Jochberg (von links): Martin Kecht, Georg Auer und Hans Haider, hinten Ortsbauer Martin Holzner sen. (Fotos: Bauregger)

SchneizlreuthWie bereits berichtet, hat die zuständige Zulassungsbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der Notfallzulassung für den Einsatz der Melocont-Pilzgerste zur Bekämpfung der Engerlingsplage in den Ortsteilen Jochberg und Ristfeucht der Gemeinde Schneizlreuth zugestimmt. Die Pilzgerste soll nun in den ersten Septemberwochen angeliefert werden.


Offen blieb bisher die Frage, auf welchen Flächen diese nun überhaupt noch maschinell ausgebracht werden kann. Der Landwirt Hans Haider, der im benachbarten Unken seit zehn Jahren ebenfalls gegen die Engerlinge kämpft, hat sich eine Saatmaschine umgebaut, mit der er auch steile Flächen befahren kann. Er war nun vor kurzem am Jochberg und hat die Möglichkeiten erklärt. »Solche Schäden wir hier habe ich noch nie gesehen«, war sein Fazit.

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Hans Haider bewirtschaftet in Unken am Sonnberg den Lutzbauernhof. Er berichtet, dass dort die Engerlinge schon vor zehn Jahren massiv auftraten. Auch er habe alles Mögliche versucht, unter anderem die intensive Beweidung mit Jungtieren. Dies war aber eine erfolglose Liebesmühe denn: »Danoch hod de Wies'n ausgschaut wia a Acker und de Viacha waren imma no im Bod'n.«

Seit einigen Jahren sät er nun auf seinen Feldern und bei anderen betroffenen Bauern mit seiner speziell für steile Wiesen umgebauten Aussaatmaschine im Frühjahr und im Herbst die besagte Pilzgerste.

Situation in Unken durch Pilzgerste verbessert

Damit konnte die Situation in kleinen Schritten immer weiter verbessert werden. Als er die Schädigungen an den meisten Wiesen am Jochberg sah, konnte er nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Trotzdem zeigte er sich zuversichtlich, dass er einen großen Teil der Befallsflächen mit seinem Gespann erreichen könnte. Für einige Teile werde man aber nicht umhin kommen, die Zugmaschine und das Aussaatgerät mit Seilwinden sichern zu müssen.

Eine große Rolle spiele auch das Wetter. Auf den flacheren Wiesenteilen wäre es aus seiner Sicht sogar gut, wenn leichter Nieselregen fallen würde, da die Pilzgerste Feuchtigkeit braucht, um gut wirken zu können. Bei der Ausbringung in die Steilflächen müsste es trocken sein. Allerdings wäre es auch hier gut, wenn danach Regen fallen würde. Zusammen mit einigen Betroffenen, dem Ortsbauern Martin Holzner sen., dem Experten Georg Auer und Hans Zens vom AELF Traunstein inspizierte Hans Haider die Flächen am Jochberg und schätzte ab, welche der Wiesen für eine maschinelle Bearbeitung in Frage kommen würden.

Wie Hans Zens informierte, hat das LfL mitgeteilt, dass eine Ausbringung der Pilzgerste per Hand verboten werde. Der Pressesprecher des Landwirtschaftsministeriums Peter Issig informiert auf Anfrage hierzu wiederum, dass kein Verbot verordnet wurde.

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Zwei Generationen Engerlinge hat Hans Haider (rechts) auf der Hand. Hans Zens vom AELF Traunstein betrachtet die Schädlinge.

Ausbringung per Hand nur mit Schutzkleidung

Wie es in der E-Mail weiter heißt, sollen im Rahmen der Bekämpfung von Amts wegen möglichst alle befahrbaren Flächen mit entsprechender Ausbringtechnik behandelt werden. Entscheidend sei, dass der Schutz der Anwender bestmöglich sichergestellt werde. Bei einer Handausbringung müsste aber jeder einzelne Anwender aufgrund der Auflagen in der Notfallzulassung mit umfangreicher Schutzkleidung ausgestattet werden.

Warum dieses Verbot trotzdem ausgesprochen wurde, ist nicht nachzuvollziehen, da es die Bauern benachteiligt, die den Befall auf überwiegend extremen Steilwiesen haben, auf denen es Anfang August auch bereits Erosionsschäden gegeben hat. Issig schreibt dazu, dass es richtig sei, dass es Flächen gebe, die nicht mit Melocont-Pilzgerste behandelt werden können.

Zum Teil sehr sind die Flächen sehr steil

Ein Teil seien sehr steile Flächen, ein Teil seien Flächen, auf denen die Landwirte keine solche Behandlung wollen. (Anm. d. Redaktion: Dass die Betroffenen auf bestimmten Flächen keine Behandlung wollen, dahingehend hat sich keiner der Bauern geäußert. Vermutlich sind hier die Flächen gemeint, die eventuell zum Schutz der in den Gebieten liegenden Trinkwasserquellen ausgespart werden müssen. Dies legt allerdings das Gesundheitsamt fest). Ziel der Maßnahmen sei es aber, die Gesamtpopulation an Maikäfern vor dem nächsten Flugjahr deutlich zu reduzieren. Dazu sei es nicht zwingend erforderlich, dass alle Flächen behandelt werden.

Da das Hauptfraßjahr der Engerlinge zu Ende gehe, sollten die gefährdeten Flächen daher so schnell wie möglich eingesät werden, um die Erosionsgefahr zu reduzieren. Dies haben die Bauern zwischenzeitlich auch bereits mit Grünroggen getan und selber finanziert.

Mindestens zwei Jahrgänge im Boden

Die letzte Einschätzung von Peter Issig könnte nach Meinung von Hans Haider ein Trugschluss sein. Wie er bei der Besichtigung festgestellt hat, sind bereits mindestens zwei Jahrgänge von Engerlingen im Boden. Dr. Ullrich Benker vom LfL hatte bei einer früheren Besprechung sogar die Befürchtung geäußert, dass sich am Jochberg schon bis zu drei Generationen Engerlinge eingenistet haben.

Hier muss man sicher abwarten, wie sich die Situation nächstes Jahr zeigt. Sicher scheint aber schon jetzt zu sein, dass die betroffenen Bauern in Schneizlreuth, wie in Unken, ein mehrjähriges Problem mit noch unabsehbaren Folgen zu bewältigen haben werden.

Die ehrenamtlich agierende Arbeitsgruppe um Georg Auer, der Kreistagsabgeordneten Gitti Leitenbacher mit ihrem Mann Stefan und dem Ortsbauern Martin Holzner sen. bemüht sich indes jeden Tag intensiv, alle notwendigen Klärungen mit dem Ministerium und den befassen Ämter, Verbänden und Behörden herbeizuführen, damit die Pilzgerste sofort nach der Lieferung Anfang September auch ausgebracht werden und die Flächen gleichzeitig mit zugelassenem Grassamen eingesät werden können.

Nach besten Kräften werden sie dabei auch von Bürgermeister Wolfgang Simon unterstützt. Ohne diese wertvolle Unterstützung wäre es für die Nebenerwerbsbauern vermutlich unmöglich, alle notwendigen Formalitäten zeitnah zu erledigen. wb