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Entdeckungsreise durch ein »anderes« Salzburg

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Besucher erhalten im Rupertinum nicht nur einen anderen Blick auf Salzburg, sondern können sich auch selbst in die Ausstellung einbringen. (Foto: Museum der Moderne)

Bereits der rote Kaugummi-Automat rechts am Salzburger Museum Rupertinum weist auf die beiden neuen Ausstellungen hin: »Aktionsraum Museum« und »Roland Goeschl. Farbraum total«. Wirft man nämlich 50 Cent in diesen Automaten, kommen Kapseln mit klein gefalteten Zetteln heraus, auf denen sich Gedanken zur Ausstellung und zur Stadt Salzburg befinden und keine Kaugummis. Betritt dann der Besucher das Museum Rupertinum, folgt die Überraschung: Der Eintritt ist frei, und dies während der gesamten Dauer der Ausstellung bis zum 16. Juli.


Ebenso ungewöhnlich wie interessant ist auch die Herangehensweise an das Thema »Aktionsraum Museum« auf Ebene 1: Statt Kunst dem Publikum nur in einer üblichen Präsentation nahe zu bringen, wollte – und will – das Museum durch die künstlerisch aktive Beteiligung Salzburger Bürger aus verschiedenen sozialen Bereichen und Altersgruppen mehr über sein Publikum erfahren. Darum ist auch jetzt noch jeder Besucher eingeladen, sich mit seinen Gedanken über die Stadt einzubringen. Bei vielen der ausgestellten Arbeiten ist die Beteiligung der Besucher gefragt.

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Workshops und ein offenes Atelier

Bereits am Eingang können die eigenen Gedanken formuliert und mit Post-its auf die Wände geklebt werden. Bis zum Ende der Ausstellung werden zudem zahlreiche Workshops angeboten und jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr gibt es ein offenes Atelier, an dem sich Besucher beteiligen können.

Die Stadt Salzburg stand auch im Mittelpunkt der Betrachtung und künstlerischen Umsetzung von 50 Salzburgern. Sie haben in verschiedenen Gruppen unter jeweils anderen Themen unter Anleitung ausgesuchter Kunstexperten ihre eigenen künstlerischen Aussagen über ihre Stadt – durchaus gekonnt – erarbeitet und zeigen nun in der Ausstellung ihre Ergebnisse.

Ganz unterschiedliche Materialien und Sichtweisen offenbaren dem Besucher, wie verschieden diese Stadt von jedem Einzelnen erlebt wird: in Fotografien, in Filmen, Collagen, Bildhauerei und Installationen. Jede Gruppe erarbeitete verschiedene vorgegebene Themen wie »Stille Zeugen des Alltags«, »Sichten und Gesichter einer Stadt«, »Wo gehöre ich hin?« oder »Stadt der Erinnerung«.

Zum Thema »Erinnerung« haben beispielsweise Mitglieder einer Gruppe von Seniorinnen herausgearbeitet, welche Plätze oder Wege in Salzburg für jedes einzelne Gruppenmitglied im Laufe ihres Lebens eine besondere Bedeutung hatten. Eine fiktive U-Bahn, die Salzburgs drängendes Verkehrsproblem lösen soll, zeigt an verschiedenen Stationen diese Erinnerungspunkte der Teilnehmerinnen, so auch beim Schloss Mirabell. Dort fällt besonders eine aus Ytong geformte Zwergenfigur in modern-minimalistischem Design auf.

Zu erfahren, dass die erstmals mit diesem Werkstoff Ytong in Berührung gekommene Seniorin einst ihren Ehemann im Zwergerlgarten des Schlosses Mirabell kennengelernt hat, erklärt die Besonderheit ihrer berührenden Erinnerung an diesen Platz.

Zum Thema »Stille Zeugen des Alltags« haben Schüler und Lehrer der Paracelsusschule Salzburg allerlei Fundstücke zusammengetragen, die von der Salzach angeschwemmt worden sind. Natürlich gehört Schwemmholz dazu, aber auch verschiedene Metallteile, Kunststoffobjekte, Glasscherben, sogar Autoreifen und ein Scooter. Aus diesen Fundstücken haben die jungen Leute – künstlerisch von einem Bühnenbildner begleitet – Objekte arrangiert – erstaunliche große und kleinere Gebilde, eine Art »Landschaftsskulptur«, die an die Werke der »Trashqueen« ADLER A.F. erinnern, die aus der Salzachstadt Laufen stammt und das Gestalten durch Müll (englisch »trash«) zu ihrem Markenzeichen für ihre aufsehenerregenden Aktionen gemacht hat.

Die Besucher sollen die Hintergrundklänge ergänzen

Ein Instrument, ein aufgeklappter schwarzer Flügel, weist ein merkwürdig fremdes Innenleben auf. Seine Saiten sind mit allerlei schweren und leichteren Gegenständen, auch Fundstücke der Schüler, belegt. Er soll das Publikum auffordern, damit selbst immer neue, verfremdete Klänge und Klangerlebnisse zu erzeugen und somit die leisen Hintergrundklänge (soundscapes) des Raums zu ergänzen oder zu überspielen. In verschiedenen Sprachen werden an den Wänden der Ausstellungsräume alle Besucher angesprochen und informiert.

Auf dieser vielseitigen Entdeckungsreise durch ein überraschend »anderes« Salzburg wird dem Besucher sicher nicht langweilig, offenbart sie doch die unterschiedlichen persönlichen Sichtweisen, die Menschen für ihre Umgebung haben: Menschen verschiedener Altersgruppen, aus unterschiedlichen sozialen Bereichen, Menschen mit Migrationshintergrund wie auch Menschen mit Beeinträchtigungen.

Zudem gibt es auch wieder Kunstvermittler, die darauf warten, Besucher nicht nur zu informieren, sondern mit Empathie zu begeistern.

Auch für die Ausstellung auf Ebene 2 über den im Dezember verstorbenen Bildhauer Roland Goeschl. »Farbraum total« stehen die Kunstvermittler zur Verfügung. Es wird eine Werkauswahl des in Salzburg geborenen Künstlers gezeigt, der ein Verfechter von Kunst im öffentlichen Raum war – eine für alle zugängliche, barrierefreie Kunst. Er gilt als prägendster Bildhauer Österreichs. Sein Markenzeichen sind die Primärfarben Blau, Rot und Gelb, in Verbindung mit zunächst runden, anthropomorphen und zuletzt kubisch-abstrakten Gebilden. Helga Mikosch