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Eon braucht beim Umbau Zeit

Essen (dpa) – Der größte deutsche Energiekonzern Eon hat seine Aktionäre um Geduld beim tiefgreifenden Unternehmensumbau gebeten und setzt auf Wachstum in Brasilien und der Türkei.

Eon Hauptversammlung
Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, hat die Milliardeninvestitionen des Konzerns in Brasilien und der Türkei verteidigt. Foto: Oliver Berg Foto: dpa

«Es wird Zeit brauchen für den nachhaltigen Aufbau der neuen Eon mit starker Ertragskraft und angemessenen Kursen für unsere Aktie», sagte Vorstandschef Johannes Teyssen am Freitag bei der Hauptversammlung in Essen. Es gehe nicht um kurzfristige Anpassungen, sondern strukturelle Veränderungen.

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Angesichts der geschrumpften Gewinnen durch Energiewende und Atomausstieg setzt Eon auf neue Märkte in Schwellenländern. Teyssen räumte ein, dass es dabei Rückschläge geben könne. «Aber wer wagt, kann mit solchen Zukunftsgeschäften viel gewinnen. Wer sich trotz schrumpfender Basis in der Heimat ängstlich nicht bewegt, hat schon verloren.»

In Brasilien musste der Konzern zuletzt neues Geld zuschießen, weil sein dortiger Partner - der Milliardär Eike Batista - in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Das Gesamtinvestment beträgt inzwischen mehr als 1,1 Milliarden Euro. Unter Aktionären macht sich deshalb schon die Sorge breit. «Wir befürchten, dass Brasilien eine Risikoklasse (..) zu groß ist», sagte etwa Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment laut Manuskript.

In Europa und vor allem auf dem deutschen Heimatmarkt strafft Eon dagegen sein Geschäft. Seit 2010 hat der Konzern Unternehmensteile für 17 Milliarden Euro verkauft. Weitere drei Milliarden Euro könnten noch einmal dazukommen, sagte Teyssen. Mit dem Geld will Eon seine Schulden senken und Luft für neue Investitionen bekommen.

Der Umbau geht auch zu Lasten der Beschäftigten. Eon baut bis 2015 rund 11 00 Stellen ab, davon 6 000 in Deutschland. Ende 2012 hatte Eon gut 72 000 Beschäftigte, rund 7 000 weniger als im Vorjahr.

Seine Ziele für das laufende Jahr bestätigte der Energieriese. Der um Bewertungseffekte bereinigte Überschuss soll wegen der schwierigen Rahmenbedingungen auf 2,6 bis 2,2 Milliarden Euro sinken, das wären schlimmstenfalls zwei Milliarden weniger als 2012.

Das Problem: Der Konzern verdient mit seinen konventionellen Kraftwerken immer weniger Geld. Das liegt auch am Boom der erneuerbaren Energien. Diese drücken auf den Preis an der Strombörse. Da die großen Versorger ihren Strom in aller Regel Jahre im Voraus verkaufen und die alten Verträge nun auslaufen, bekommen sie den Preisverfall erst jetzt so richtig zu spüren. Der Grund für den Preisverfall sei «ein unverdaulicher Cocktail aus schwacher Nachfrage und einer verkorksten Regulierung in Deutschland und Europa», sagte Teyssen.

Teyssen forderte daher erneut eine faire Vergütung für Anlagen, die wichtig für die Stabilität der Stromversorgung sind. Beim bayerischen Gaskraftwerk Irsching sei es zuletzt gelungen, eine akzeptable Verzinsung zu erreichen. Eon werde sich aber nicht scheuen, unrentable Anlagen zu schließen, um das Kapital des Konzern zu schützen.

Eon-Pressemitteilung