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»Er lebt Musik von der Sohle bis zum Scheitel«

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Der Geiger Gilles Apap (Mitte) riss seine Mitmusiker mit und begeisterte das Traunsteiner Publikum. (Foto: Heigl)

»Der lebt Musik von der Fußsohle bis zum Scheitel!« Treffender hätte man den Auftritt des Geigers Gilles Apap im Rahmen des »Chiemgauer Musikfrühlings« im Traunsteiner Vereinshaus kaum beschreiben können, wie dies ein völlig glückseliger Zuhörer in der Pause tat.


Zuvor hatte das Publikum erleben dürfen, wie die Kraft und Energie des Volkslieds in der Musik Antonin Dvoraks (1841 bis 1904) auch bei dem »Terzett in C-Dur« und später im Werk Bela Bartoks (1881 bis 1945), »Trio Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier«, das musikalische Schaffen der beiden Komponisten inspirierte, wie Festspiel-Intendant Razvan Popovici dem Publikum erklärte. Der Klarinettist Thorsten Johanns begeisterte das Publikum mit seiner Auslegung des Bartok-Stücks ganz besonders und sein jungenhafter Charme unterstrich sein lebendiges und klangreines Musizieren.

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Die darauf folgende »Rumänische Rhapsodie« des rumänischen Komponisten George Enescu (1881 bis 1955) beschrieb Popovici als »erdig«, aber aufleuchtend. Aus diesem Werk spielten Diana Ketler und Apap in Traunstein erstmals die Sonate Nr. 3 »Dans le caractère populaire roumain« für Violine und Klavier, in a-Moll, Op. 25. Die beiden anderen Teile der Sonate wurden schon mehrfach in Traunstein musiziert. Gilles Apap beschrieb die Musik als das schönste und intensivste Stück, das jemals geschrieben worden sei.

Er spielte die drei großen Sätze der Sonate auswendig und man durfte das von Popovici schon zuvor erwähnte Improvisationstalent auch hier erleben. Es war herrlich, wie er da auf der Bühne stand und aus dem Äther die Musik empfing. Jedenfalls wirkte das so, wenn der große, schlanke, fast ein wenig asketisch anmutende Musiker sich mit einem Blick nach »oben« auf Empfang stellte. Hin und wieder hielt er für kleine musikalische Sequenzen die Geige an sein Kinn und genoss offensichtlich die knöcherne Weiterleitung des Schalls.

Musikalische Effekthascherei war ihm jedoch fremd, stattdessen gab er sich der Spiellust in wacher, aber gleichzeitig entspannter Weise hin. Sein Piano und Pianissimo sind exquisit und – was noch wichtiger ist – seine Musik ist wie Ein- und Ausatmen, wirkte also völlig natürlich. Das Schöne daran ist, dass man sich dabei als Konzertbesucher völlig entspannen konnte und dadurch keine energetischen Barrieren den Musikgenuss behinderten. Gemeinsam mit Diana Ketler am Klavier, die herrlich intellektuell, aber auch empathisch und spannend phrasierte, begeisterten die beiden Musiker das Publikum, das möglicherweise nachvollziehen konnte, warum Apap das Stück so mag. Kein Wunder, es ist einfach alles darin enthalten: ein Menschheits-Epos, wunderbar erzählt und komponiert.

Manchmal aber ist Gilles auch ein Schelm und pfeift sich vergnügt ein Liedchen. Mit seiner Eigenkomposition, »Fiddeling around«, einem Stück aus Amerika (Er lebt in Kalifornien, ist gebürtiger Algerier und in Paris aufgewachsen), nahm sich der überaus sympathische Künstler selber ein wenig auf den Arm. Gemeinsam mit einem großen Ensemble aus hervorragenden Solisten präsentierte er das sehr heitere, aber auch leicht melancholische, verspielte und sehr poetisch anmutende Stück, das in einer Phase nur gezupft und gepfiffen und in der nächsten dann voll ausgespielt wurde. Irische Anklänge waren heraus zu hören. Schön war das!

Danach gab es »Open Programm« und Gilles und seine Mitmusiker gaben noch einmal alles! Mit einem überaus charmanten französischen Walzer, der nicht nur mit musikalischen Zitaten, sondern auch mit kleinen, musikalischen Bosheiten gespickt war, und einem flotten Volksmusikstück seines Vaters endete der siebte Tag des Festivals, das in dem akustisch bestens bespielbaren Saal gut aufgehoben ist.

Am heutigen Samstag macht das Festival wieder im Kloster Seeon Station, bevor es am Sonntagvormittag in Seeon und abends im Traunsteiner Vereinshaus ausklingt. Barbara Heigl

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