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Schüsse in Prien: Lastwagenfahrer half Frau und wurde selbst getroffen – Urteil am Montag

»Er wollte sie vernichten«

Vier Pistolenschüsse hat ein 39-jähriger Maurer am 3. Februar 2014 gegen 17 Uhr mitten in Prien abgefeuert. Seine 31-jährige Ex-Freundin, der die Schüsse galten, hatte Glück. Einer der Schüsse streifte nur ihre Kleidung. Ein 49-jähriger Lastwagenfahrer, der der Frau helfen wollte, hatte weniger Glück: Ihn trafen ein Steckschuss in die Brust und ein Streifschuss an der Oberlippe.

Angeklagter soll in die Psychiatrie

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Der psychisch kranke Beschuldigte muss sich seit vergangener Woche in einem Sicherungsverfahren wegen zweifachem versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten. Die Antragsschrift von Staatsanwalt Bernd Magiera hat die zeitlich unbegrenzte Unterbringung des wegen einer paranoiden Psychose nicht schuldfähigen Prieners in einer psychiatrischen Klinik zum Ziel. Plädoyers und Urteil werden am Montag erwartet. Verhandlungsbeginn ist um 9 Uhr.

Hintergrund der Tat war, dass der 39-jährige Priener glaubt, seine sechsjährige Tochter mit der Ex-Freundin und einer weiteren Frau in einem Biergarten in Prien gesehen zu haben. Angeblich stachen ihm die Drei beim Vorbeiradeln ins Auge. Seine Ex-Freundin sagt bis heute, dass es dieses Treffen nie gegeben hat.

Mit Hilfe von über 20 Zeugen, darunter die 31-jährige Ex-Freundin, eine Bankkauffrau, und der 49-jährige Lastwagenfahrer als Nebenkläger, versuchte die Kammer gestern, den Tatablauf zu konkretisieren. Der 49-Jährige zum Beispiel sah vom Laden seiner Ehefrau aus, wie der 39-Jährige die Geschädigte an den Haaren packte, misshandelte und später in Richtung eines Hofs zerrte. Der Zeuge ging zu dem Täter und forderte mehrmals: »Hör auf.«

Opfer ist noch in psychologischer Behandlung

Als der 39-Jährige die Pistole auf ihn richtete, wich er kurz zurück – um erneut helfend einzugreifen. Dann hörte er zwei Schüsse. Die Frau lief weg. Den Schuss an die Oberlippe merkte der 49-Jährige nicht mal. Das Opfer erlitt einen Schock und musste im Krankenhaus operiert werden. Das Projektil war in die Brust eingedrungen, hatte zwei Rippen gebrochen, die Lunge verletzt, und war kurz vor dem Wiederaustritt im Körper stecken geblieben.

Bis heute konnte der 49-Jährige, dem Opferanwältin Manuela Denneborg aus Rosenheim beisteht, das Geschehen psychisch nicht voll verarbeiten. Er ist noch immer in psychologischer Behandlung, hat seinen Arbeitsplatz verloren. Auch die 31-Jährige mit Nebenklagevertreter Hanns-Christian Türck aus Prien zur Seite hat noch erhebliche seelische Probleme. Sie denkt »jeden Tag« an die Ereignisse, ist geplagt von Angstzuständen, möchte Prien verlassen. Ihre beste Freundin erzählte gestern: »Für sie ist das Leben stehen geblieben.« Körperlich hatte die 31-Jährige Kopfhautverletzungen davon getragen, ein Monokelhämatom und weitere Verletzungen am linken Auge.

Ein Notarzt war damals auf der Heimfahrt von der Klinik. Sein spontaner Gedanke angesichts der Menschenmenge und des Pistolenmanns war, »ob hier gerade der nächste Tatort gedreht wird«. Als er merkte, dass es Ernst war, stoppte er seinen Wagen und rief den Umstehenden zu, aus dem Schussbereich zu verschwinden. Er hörte mehrere Schüsse, sprang dem Schützen in den Rücken und überwältigte ihn mit dem Geschäftsmann in dem Moment, als der 39-Jährige Richtung Hof zielte. Dem Notarzt gelang es, die Waffe zu entladen und einem Zeugen in die Hand zu drücken. Als Polizeibeamte eintrafen, konnten sie Täter und Pistole sofort übernehmen.

Augenzeugen berichteten von Erlebnissen

Viele Augenzeugen berichteten gestern von ihren Beobachtungen. Eine 55-Jährige sprach von großer Brutalität des 39-Jährigen. Eine andere Zeugin meinte: »Der Täter war zu allem fähig. Er war aggressiv, wollte die Frau am Boden sehen. Er wollte sie vernichten.« kd