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Erbaulich und erhebend

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Anja Bartos glänzte in J. S. Bachs Violinkonzert in a-Moll mit hingebungsvoll warmem Ton. (Foto: Hans Gärtner)

Da darf der Hausherr schon stolz sein: Noch klingt in Sankt Rupert der vom Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser unter reger Anteilnahme der katholischen Bevölkerung von Tüßling und Umgebung gehaltene Burgkirchener Festgottesdienst Anfang April nach – schon tut sich zur Feier des 500. Weihejubiläums des spätgotischen, prunkvoll barock eingekleideten Gotteshauses hoch über dem Inntal ein neues Ereignis auf: ein nicht weniger gut besuchtes Jubiläumskonzert im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach, das zugleich ein Erst-Ereignis darstellt, den Einbezug Burgkirchens am Wald in die erlesenen Stätten des in diesem Jahr zum 37. Mal durchgeführten Festivals.


Die Empfindungen, die Chor- und Orchestergemeinschaft Burgkirchen a. W. unter dem bedachtsamen wie gestrengen, in jeder Hinsicht stets unterstützenden Dirigenten Georg Kronhuber auslösten, sind Kompositionen des italienischen, böhmischen und deutschen Barock zu danken, die mit der Kirchenausstattung ideal konform gingen. »Gott fährt auf mit Jauchzen«: Georg Philipp Telemanns Himmelfahrt-Kantate eröffnete vielversprechend den Abend. Schon hier – wie dann auch beim von Jan Dismas Zelenka vertonten Psalm 109 »Dixit Dominus« und dessen überraschend kurzen »Magnifikat« – erwies sich der präsente Laien-Chor als zuverlässige Größe und überzeugte durch Ausgeglichenheit und Wohlklang, wobei er sich wohl etwas blauäugig darauf verließ, dass den lateinischen Text a) eh die Wenigsten verstehen und b) ihn jeder auf dem Programmzettel stehen hatte.

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Die allzu vielen darauf beschriebenen Details zur Professionalität der vier Gesangssolisten schraubten die Erwartungen hoch. Seinen Tenorpart schaffte Markus Kotschenreuther, Leiter des von ihm 2000 gegründeten Ensembles Bella Voce tadellos. Bassist Hubert Dobl, dem Telemann in der Himmelfahrt-Kantate ein langes Rezitativ gönnte, brachte arioses Flair in den Sprechgesang. Ihre Alt-Passagen in den Zelenka-Werken füllte die Mozarteum-Absolventin Anna Gassler mit samtiger, klug geführter, die liturgische Aussage modulierender Stimme. Von Gasslers Souveränität hätte Kollegin Carola Deiringer einiges brauchen können. Sie klang unausgeglichen und kämpfte sichtlich mit Rhythmus-Problemen. Letztlich aber trug sie den Rundum-Erfolg des Jubiläumskonzerts durchaus mit.

Mit Noblesse und auf hohem künstlerischen Niveau: die Geigerin Anja Bartos. Strich sie sich bei Antonio Vivaldis Violinkonzert in E-Dur noch frei – wobei auch sie, wie berühmte, erfahrene Fachkolleg(inn)en, nicht leugnen konnte und wollte, dass das Stück selbst, nicht einmal im oft hochgelobten Allegro-Schluss, nur geringe Chancen eröffnet, dramatische Glanzpunkte zu setzen –, zog sie bei Johann Sebastian Bach (Violinkonzert a-Moll, BWV 1041) alle Register ihres beachtlichen Könnens. Dies aber keineswegs etwa mit großer, weit ausladender Geste.

Anja Bartos ist aus bescheidenem Holz geschnitzt. Ihre musikalische Begabung paart sich mit ausgefeiltem technischem Können. Was allein freilich nicht ausreichte, um die Herzen der Zuhörenden zu bewegen. Genau das aber war es, was Anja Bartos – insbesondere mit ihrer hingebungsvollen, fein abgestuften Interpretation des »Andante«-Satzes – scheinbar mühelos gelang.

Dabei hätte ihr das schlackenlos durch den Abend musizierende Orchester beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die allzu »dicke«, unangebracht wuchtige Andante-Begleitung, unfreiwillig »gekrönt« vom unabdingbar strikten Abendläuten punkt 20 Uhr, hätte Kronhuber verhindern müssen. Letztlich verfehlte der Effekt, der einzig auf das Haben-Konto der wunderbaren Anja Bartos geht, aber nicht seine Wirkung. Hans Gärtner