weather-image

Erdstrukturen und Lebenslinien im großen Format

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die kontrastierenden Bilder »Element Erde« (rechts) und »Zwischen Traum und Wirklichkeit« von Martin Widl im NUTS sind beide 160 mal 120 Zentimeter groß. (Foto: Mergenthal)

Expressive Farbwelten, erdähnliche Strukturen und Traum- und Seelenlandschaften verleihen derzeit, auf große Formate gebannt, dem NUTS-Foyer eine ganz besondere Atmosphäre. Der Erdinger Maler Martin Widl stellt noch bis 28. Februar unter dem Motto »Augenblicke, Aufbrüche, Begegnungen« 14 Arbeiten aus. Zu sehen sind die Bilder Dienstag bis Freitag jeweils von 14 bis 17 Uhr und an Veranstaltungstagen ab 18 Uhr.


Martin Widls Gemälde verbreiten ganz besondere Stimmungen und rufen ganz persönliche Reaktionen hervor. Sie können ansprechen oder abstoßen. Die einen wirken explosiv und aggressiv, wie »Element Feuer« in Rot und Schwarz auf grauem Grund. Das Bild links davon scheint das genaue Gegenteil zu sein: Die beruhigenden Türkis-Schattierungen laden ein, sich darin zu verlieren, abzutauchen. In diesem Bild mit dem Titel »Element Wasser«, das seine Tiefe vor allem durch die durchschimmernden zahlreichen Farbschichten erhält, sieht man gut Widls Arbeitstechnik.

Anzeige

»Die großen Formate entstehen in vielen Arbeitsprozessen, bei denen sich Schichten überlagern, sich Strukturen ergeben und sich mit großflächigen Farbverläufen verbinden«, erklärt der Maler. »Ursprüngliche Spuren bleiben teils sichtbar und verbinden sich. Das Bild wird also nicht gemalt, sondern es entsteht. Der Entstehungsprozess bestimmt das Ergebnis.«

Diese Lust am Experimentieren prägt Martin Widls Schaffen. In der Schulzeit hatte der Erdinger zwar an Kunst noch wenig Interesse. Später erwachte jedoch die Neugier am vorsichtigen Ausprobieren der Wirkung von Farben und am Erstellen von Collagen. Studien folgten, unter anderem an der Kunstakademie Bad Reichenhall, der Kunstfabrik Wien sowie in Irland.

International bekannte Maler wie Peter Casagrande prägten seine Arbeitsweise und seine Vorliebe für das große Format. Einige Male stellte er auch schon in der Region aus: in Laufen, Traunstein, Töging und zuletzt im Juni 2012 in der Burghausener Rathausgalerie.

Seine Bildtitel haben trotz seiner Vorliebe für die Abstraktion und des Verzichtes auf konkrete Darstellungen oft mit Natur und Landschaft zu tun: So das Bild »Mystic Ireland«, das in beruhigendes urwaldähnliches Grün eintauchen lässt, oder die Elementen-Bilder, die alle das gewaltige Maß 160 mal 120 Zentimeter haben. Auf zwei kleineren quadratischen Arbeiten in der Größe 50 mal 50 Zentimeter unter dem Titel »Florales« zeigen sich Gebilde in Orange und Blau, die die Assoziation von Bäumen oder anderen Pflanzen wecken.

»Natur ist für mich Inspiration«, verrät der Maler. Er bildet sie aber nicht ab, sondern beobachtet ihre Strukturen, die er beim freien kreativen Schaffen in seinen Bildern wiederfindet. Auch Naturmaterialien wie Erde, Sand oder Asche arbeitet er in einer Symbiose mit Farben und Pigmenten mit ein. Reliefartige Strukturen entstehen, die bei »Element Erde« an vulkanische Lava denken lassen.

In anderen Gemälden greift der Künstler Lebensthemen oder – wie in seinen Rostarbeiten – das Thema Vergänglichkeit auf. Er arbeitet impulsiv: Mit Pinseln, Spachteln und viel mit der bloßen Hand. Auf jeden Fall laden seine Bilder zur persönlichen Auseinandersetzung ein und regen die Fantasie an, wie besonders das in kalten Farben gehaltene Werk »Zwischen Traum und Wirklichkeit«: Es lassen sich darin wundersame Eisgebilde in einer Höhle, die Silhouetten von weiblichen Figuren und vielleicht noch vieles andere entdecken. Veronika Mergenthal

- Anzeige -