Erika Owezarek aus Traunreut wird heute 100 Jahre alt

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Im Kreise ihrer Familie feiert Erika Owezarek am heutigen Dienstag ihren 100. Geburtstag. (Foto: Rasch)

Traunreut – Erika Owezarek aus Traunreut kennt den Geburtstagskalender ihrer Familie in- und auswendig: Ob Kinder, Enkel oder Urenkel, alle bekommen ein Geburtstagsständchen. Am heutigen Dienstag kann sie die Glückwünsche für einen besonderen Geburtstag entgegennehmen: Erika Owezarek wird 100 Jahre alt.


Dass sie auch im dreistelligen Alter im Kopf fit ist und Lust aufs Leben hat, erzählte sie trotz einer starken Erkältung bei einem Besuch unserer Zeitung. »Ich war nie krank und ausgerechnet jetzt hat mich die Grippe erwischt. Aber sonst geht es mir gut«, sagt die gebürtige Berlinerin. Einigermaßen gesund zu bleiben, ist auch ihr einziger Geburtstagswunsch: »Man muss zufrieden sein, wie es ist.«

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Ihre hellwachen Augen und ihr verschmitztes Lächeln verraten, dass sie ihren Humor bis heute nicht verloren hat. »Ihr Berliner Witz hält sie auch am Laufen. Sie lässt sich nicht gehen und ist sehr diszipliniert«, erklärt Tochter Erika, die ihre Mutter in ihrem Haus an der Martin-Luther-Straße versorgt. Die Jubilarin interessiert sich auch mit ihren 100 Jahren noch für das Geschehen in der Welt. Vor allem für den Sport. Bis ins hohe Alter war sie selbst eine aktive Sportlerin. »Als junges Mädchen habe ich Handball gespielt und geturnt habe ich, bis es nicht mehr ging.« Sie ist sich sicher: »Ich habe mein gesegnetes Alter auch dem Sport zu verdanken.«

Geboren am 27. Februar 1918 erlebte Erika Owezarek harte Jahre, lernte, arbeitete und kämpfte sich mit ihrer jungen Familie durch. »Es waren keine guten Zeiten, aber es war auch nicht alles schlecht«, erinnert sie sich. In Strausberg bei Berlin aufgewachsen, machte sie eine Lehre zur kaufmännischen Angestellten. 1940 heiratete sie ihren Mann Erwin, der 1987 verstorben ist. Mit ihren zwei kleinen Söhnen, Hartmut und Hilmar – Tochter Erika und die Söhne Sieghard und Rainer wurden in Bayern geboren – musste die Familie 1946 aus dem brennenden Berlin flüchten. »Das war schon bitter. Gott sei Dank sind die Zeiten um.« In Wildenwart bei Frasdorf fand die Familie ein neues Zuhause, bevor sie 1952 nach Traunreut zog – zunächst in eine Steinbaracke am Sankt-Georgs-Platz und später dann in ein eignes Haus an der Martin-Luther-Straße. Um den Lebensunterhalt der siebenköpfigen Familie mit zu bestreiten, arbeitete die fünffache Mutter in der damaligen Handschuhfabrik Lohs und später bei der Firma Siemens als Kaufmännische Angestellte.

Erika Owezarek, die zwei Weltkriege erlebt hat, musste auch familiäre Schicksalsschläge verkraften. 1982 ist ihre Mutter verstorben und fünf Jahre später ihr Mann. Besonders hart traf sie der Tod ihres ältesten Sohnes Hartmut, der 2010 mit nur 68 Jahren gestorben ist. Bis ins hohe Alter versorgte sie sich allein, unterstützt von ihrer großen Familie und den Nachbarn. Erst seit einer schweren Operation ist sie auf die Hilfe ihrer Tochter angewiesen, die sie liebevoll umsorgt. Zwischenzeitlich ist die Familie um neun Enkelkinder und drei Urenkel angewachsen, die heute an der Reihe sind, der Oma und Uroma ein Ständchen zu bringen. ga

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