weather-image
14°

Erinnerungssteine vor dem Haus für Mozart

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Helga Rabl-Stadler, Danielle Spera und Hanna Feingold, die Ehefrau von Marko Feingold, der mit 106 Jahren der zuletzt älteste Holocaust-Überlebende Österreichs war, bei der Feierstunde in Salzburg. (Foto: Aumiller)

Das 100-Jahr-Jubiläum ist für die Salzburger Festspiele auch würdiger Anlass, der vertriebenen und ermordeten Künstlerinnen und Künstler zu gedenken, die in den fast 20 Jahren von der Gründung bis zum Anschluss 1938 die Festspiele entscheidend mitgeprägt haben.


Auf Anregung des Salzburger Personenkomitees Stolpersteine mit seinen 402 Mitgliedern sowie von Prof. Gert Kerschbaumer und Hanna Feingold, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, wurden 28 Erinnerungssteine, 10 x 10 cm kubische Betonsteine mit individuellen Inschriften auf Messingplaketten, auf dem Max-Reinhardt-Platz verlegt. Die Festspiele übernahmen die finanzielle Patenschaft. Zur Feier der Enthüllung und anschließenden Rosenniederlegung sprachen Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler, die Direktorin des jüdischen Museums, Danielle Spera, der Historiker Gert Kerschbaumer und der Dirigent Daniel Barenboim berührende wie auch eindringliche Worte des Gedenkens. Alle zeigten sich erfreut über die Gedenksteine und mahnten zur Notwendigkeit für Frieden und den Kampf gegen Antisemitismus.

Anzeige

»Nach dem ersten Weltkrieg als Friedensprojekt ersonnen, haben die Festspiele die immerwährende Aufgabe dieser Mission gerecht zu werden. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Friede muss, wie es der wunderbare deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker, in einer seiner großen Reden betont hat, aktiv erkämpft werden: ‚Es hilft unendlich viel zum Frieden, nicht auf den anderen zu warten, bis er kommt, sondern auf ihn zuzugehen.‘ Wir dürfen rassistische Strömungen, wie auch den Antisemitismus, nicht wortlos ertragen, sondern müssen sie klar bekämpfen. Auch dazu können diese kleinen Steine beitragen«, sagte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.

Für Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums, ist es zum 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele höchste Zeit, die Gründerväter sowie die vielen weiteren, jüdischen Protagonistinnen und Protagonisten zu würdigen und auf deren Schicksal aufmerksam zu machen. Dirigent Daniel Barenboim sagte: »Dass dieses Projekt existiert, ist wunderbar. Wenn man sich, egal ob als Politiker oder als Individuum, nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzt, ist man kein richtiger Mensch. Musik bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Musik kann alles ausrichten, sie ist Teil der Welt und gleichzeitig eine Welt für sich. Aber eines kann die Musik nicht ausdrücken: Lügen.«

Historiker Gert Kerschbaumer recherchierte die Biografien der 28 Künstlerinnen und Künstler, da-runter Rosette Anday, Erich Kleiber, Alexander Kipnis Alexander Moissi, Alma und Arnold Rosé, Margarete Wallmann, Bruno Walter. Mit dem heutigen Tag liegen nun insgesamt 469 Stolpersteine in der Stadt Salzburg. Das Interesse an der Feierstunde war groß, eine Menge »Zaungäste« stellte sich dicht gedrägt ein, worauf man sich entschloss, die Reden nach der Enthüllung auch im Freien rund um die Steine zu tätigen. Zuletzt wurden Rosen verteilt, die die Steine farbenprächtig betteten. Elisabeth Aumiller