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Erlebnisreiche Tour quer durch Deutschland

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Beeindruckende Kulisse: Hann.Münden ist bekannt für seine Fachwerkhäuser.

Viele reden vom klimaschonenden Reisen, fliegen aber zur Erholung oder für sportliche Aktivitäten um die halbe Welt. Aktiv-Urlaub geht aber auch anders, wie Alois und Walli Herzig aus Waging am See zeigen.


Nach der komplizierten 600-km-Diagonale durch Bayern stand für die beiden nun die Fortsetzung ihrer Tour auf dem Programm – diesmal ging es per Rad von Bayern an die Nordsee. Die Orientierung war einfach: Es ging zuerst entlang der Rhön, dann weiter auf dem Fulda- und Weserradweg nach Bremen. Je zwei kleine Packtaschen und eine Lenkertasche an den Tourenrädern waren für das gesamte Gepäck für zehn Tage ausreichend.

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Der Startpunkt, die letzte Station vor der hessischen Landesgrenze, ist etwas zeitaufwendig, aber kostengünstig und bequem mit dem Bayernticket per Bahn erreichbar. Die Fahrt nach der ersten Nacht in einem vorausgebuchten Privatquartier begann in Altengronau im Sinntal.

Diese durchgehend als Hessischer Fernradweg R 2 bezeichnete Strecke ist großteils frei vom Autoverkehr und erreicht im Bereich des Naturparks Hessischer Spessart eine Höhe von 500 m. Wer sich nun denkt, ab diesem Punkt geht's bis zur Nordsee fast nur noch abwärts, der irrt sich übrigens gewaltig. Es sammelten sich bis zum Ziel noch knapp 3000 Höhenmeter im Aufstieg an! 20 km vor Fulda war der gleichnamige Fluss und somit der Fuldaradweg erreicht.

Wie in jeder am Weg liegenden Stadt wurde der Radweg kurz für eine Besichtigung der Altstadt und des berühmten Fuldaer Doms verlassen. Die angepeilte Übernachtung in Schlitz fiel einem Trachtenfest zum Opfer, es war kein Quartier mehr frei. Also weiterfahren! Kurz vor Bad Hersfeld fand sich aber eine feine Unterkunft im Jossatal – nach 100 km, 1000 Hm und sieben Stunden Fahrt.

Mit einer Seilfähre über den Fluss

Und wieder ging's am nächsten Tag auf dem Fuldaradweg weiter. Die Herzigs fuhren über Bad Hersfeld und Rothenburg an der Fulda mit seinen prächtigen Fachwerkhäusern. Nach dem Kloster Haydau bringt eine Seilfähre, in der man sich in einem Korb über die Fulda ziehen muss, die Radfahrer ans andere Ufer. Das Hotel in Melsungen wird wohl immer in Erinnerung bleiben. 50 m neben einer Bahnstrecke gelegen fuhr gefühlt alle zehn Minuten ein Güterzug durchs Zimmer.

Die Weiterfahrt war dann eine Erholung. Es folgten vor und nach Kassel viele zeitraubende Flussschleifen und in der prächtigen Fachwerkstadt Hann.Münden – der Beginn der Weser. »Wo Werra sich und Fulda küssen Sie ihren Namen büssen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuss Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss« steht auf dem Stein an der Mündung. Die telefonisch reservierte Unterkunft in Bodenfelde, ein in die Jahre gekommenes, aber ruhiges Gasthaus war nur per Fähre zu erreichen.

Ab jetzt ging es auf dem Weserradweg weiter, vorbei an den Fachwerkstädtchen Beverungen und Höxter und einem Abstecher zum Weltkulturerbe Kloster Corvery gab's auch noch. Die heutige Etappe erlaubte auch längere Besichtigungen. Denn bereits nach 87 km war das Tagesziel, die Münchhausenstadt Bodenwerder, erreicht. Eine günstige Privatunterkunft wartete hier auf die müden Radler.

An der Rattenfängerstadt Hameln mit seinen mittelalterlichen Fachwerkhäusern vorbei strebt die Weser nun dem letzten Hindernis vor der norddeutschen Tiefebene zu, der Porta Westfalica. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal 150 m über dem Flusstal war endgültig der letzte, größere Anstieg vor der Nordsee. In Minden rechnet keiner damit, dass die Stadt zu nahe an der Messestadt Hannover liegt, die Übernachtungspreise erlaubten hier nur eine einfache Unterkunft.

Ständige Begleiter auf der Weser waren nun die Lastschiffe, die auch an der Wasserkreuzung Weser stolze 13 Meter zum Mittellandkanal angehoben werden. Die Mittagsrast erfolgte am Stadtplatz der Spargelstadt Nieburg. Eine Bilderbuchherberge, ein ehemaliger Dreiseit-Bauernhof in der Nähe von Verden an der Aller, war nach 107 km erreicht, es war damit die längste Tagesetappe.

Einmal links, einmal rechts der Weser, so verläuft der Weiterweg etwas kompliziert, aber gut ausgeschildert bis ins Zentrum von Bremen. Das obligatorische Foto vor den Stadtmusikanten gelang trotz Riesenandrang.

Nun waren es nur noch 40 km bis zum Tagesziel. Es stand ein Verwandten-Besuch in Hambergen auf dem Programm. Am Radweg entlang der Wümme baute sich bereits eine riesige schwarze Gewitterwolke auf. Ein Kahn brachte die zwei Radler auf die andere Uferseite, bevor ein schlimmes Unwetter eine längere Rast erzwang. Der erste Regen seit dem Start in Bayern. Auch noch Stunden später waren Straßen wegen umgestürzter Bäume gesperrt und zwangen zu einem Umweg über Worpswede und einem beeindruckenden Radweg durchs Teufelsmoor.

Der Pingelturm – das Ende der Reise

Die Fahrt zum Endziel Nordsee war wetterbedingt erst zwei Tage später möglich. Der Pingelturm ist die Einfahrt zur Kaiserschleuse in Bremerhaven, für die Radler nach 700 km das Ende der Weser und somit Beginn der Nordsee. Die Rückfahrt mit dem ICE nach Traunstein wurde rechtzeitig gebucht und die Fahrräder mit dem DB-Gepäckservice zurückgesandt, eine bequeme und kostengünstige Fahrt. E-Bikes hätten allerdings so nicht transportiert werden können. Eine detaillierte Tourenbeschreibung, die keine Wünsche offen lässt, ist übers Internet bei gps-tour.info für jeden abrufbar. Alois Herzig