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»Erlesene Kostbarkeiten« und »Kunstbetrachtung«

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Schmuck von Ortrud Müller-Heffter (Foto: Giesen)

Die reizvolle Kombination »Schmuck und Fotografie«, die nur noch bis einschließlich kommenden Sonntag läuft, sollte sich der Kunstinteressierte nicht entgehen lassen. Die Münchner Goldschmiedekünstlerin Ortrud Müller-Heffter und der Traunsteiner Künstler Herbert Stahl, hier als Fotograf, stellen zum sechsten Mal gemeinsam aus, heuer wieder in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus.


Mit dem Titel »Erlesene Kostbarkeiten« sind die Exponate der in der Alten Wache treffend charakterisiert. Auf ihren vielen Reisen in ferne Länder entdeckte Ortrud Müller-Heffter immer wieder kostbare, oft jahrhundertealte Steine, Münzen, Glasperlen oder Fragmente chinesischer Elfenbeinschnitzereien aus dem Altertum. Diese Kleinode und wertvolle Steine wie Gemmen aus Jaspis, Karneol oder Granat, reizten sie, sie in 22-karätiges Gold oder Feuer vergoldetes Silber zu fassen und mit Ungewöhnlichem zu kombinieren, zum Beispiel mit feinen, schwarz gestreiften Bambusröhrchen aus Thailand oder altem Millefiori-Glas aus Ägypten.

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Besonders originelle Verbindungen wie bayerische silberne Trachtenknöpfe kombiniert mit phönizischer Fayence, die am Hals einer Kopfskulptur aus Gips zu sehen sind, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. »All diese Kleinodien sind nicht zuletzt deshalb so wertvoll für uns, weil diese Schmuckstücke Geschichten aus vergangenen und heutigen Kulturen erzählen«, so der Künstler Horst Beese, der bei der gut besuchten Vernissage kompetent in die Ausstellung einführte.

An den Wänden des gut beleuchteten Ausstellungsraumes faszinieren die Fotografien des früheren Traunsteiner Kunsterziehers Herbert Stahl, der sich neben malerischen und grafischen Arbeiten seit dem Jahr 2000 auch intensiv mit der Fotografie beschäftigt. »Kunstbetrachtung« sind die Fotoarbeiten dieser Ausstellung überschrieben, von denen viele bei der Biennale oder in Galerien und Museen aufgenommen sind. Im Zeitalter der digitialen Fotobearbeitung sind Stahls Bilder auch deshalb so interessant, weil sie »Eins zu eins« fotografiert wurden, nicht bearbeitet (nur bei einem Bild wurde eine Beschriftung wegretuschiert) oder anderweitig verfremdet.

Herbert Stahl spielt mit dem Lichteinfall mit Schattenwirkungen oder verschieden farbigem Licht wie es zum Beispiel bei Ausstellungen im Lenbachhaus in München zu finden ist. In der Fotografie »Rein-Raus« fängt er ein, wie das Licht einerseits zum Fenster rein und wieder raus fährt, dem daneben hängenden Bild »Und dort« – von oben fotografiert – sieht ein im Haus Beschäftigter gerade zur Tür raus, ein anderer gleichzeitig zu einer anderen Türe hinein.

Manchmal hintergründig humorvolle Titel wie »Einst«, in Verbindung mit dem Motiv, sollten beachtet werden: ein alter Palazzo in Venedig und eine modern, mit allen Regeln der Kunst aufgestylte Lady von hinten – im Gespräch erzählt Herbert Stahl, dass er erst bei einem Blick ins Gesicht der Dame sah, dass der Titel »Einst« nicht nur zu dem Palazzo passt. Die großformatige Aufnahme »Staircase to heaven« an der Stirnseite des Raumes in Richtung St. Oswald-Kirche, die der Betrachter durch die Fenster sieht, setzt die Architektur der Umgebung in Beziehung zu der Rolltreppe – sie scheint in den Himmel zu wachsen. Auch andere Bilder der Ausstellung eröffnen eine neue Sicht auf die Dinge und setzen einen bestimmten Wahrnehmungsprozess des Betrachters in Gang.

Die Ausstellung in der Alten Wache ist bis Sonntag werktags von 11 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Interessierte Besucher werden im Gespräch mit den Künstlern viel Lohnendes erfahren. Christiane Giesen