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Suche nach der Ursache

Ermittler konzentrieren sich nach Inferno auf Busfahrer

Der Tag nach dem verheerenden Busbrand auf der Autobahn 9 in Nordbayern steht im Zeichen der Ursachenforschung. Forderungen nach mehr besserer Technik und härteren Strafen werden laut. Und die Diskussion über Gaffer wird schärfer.

Nach Busunfall auf A9
Ein Bagger am Unglücksort auf der A9 bei Münchberg in Bayern. Das angrenzende Waldstück ist komplett abgebrannt. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Wrack
Warum sich das Feuer so schnell ausbreitete muss noch aufgeklärt werden. Foto: Matthias Balk Foto: dpa
Bergung
Das Wrack des völlig ausgebrannten Reisebusses wird von einem Kran geborgen. Foto: Matthias Balk Foto: dpa
Großeinsatz
Großeinsatz: Experten der Polizei unter einem Zelt neben Särgen für die Opfer des Busunfalls auf der A9. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Seehofer an der Unfallstelle
Trost und Zuspruch: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer spricht an der Unglücksstelle auf der Autobahn 9 mit den Einsatzkräften. Foto: Matthias Balk Foto: dpa
Wrack
Nichts mehr übrig: Das Wrack des ausgebrannten Reisebusses an der Unglücksstelle auf der A9. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Unfall in Münchberg
Bei dem schweren Busunfall auf der Autobahn A9 sind nach Erkenntnissen der Polizei vermutlich 18 Menschen ums Leben gekommen. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Ausgebrannter Reisebus
Der Bus soll nach dem Zusammenstoß mit einem Lastwagen in Brand geraten sein. Foto: News5 / Fricke Foto: dpa
Im Einsatz
Rund 200 Einsatzkräfte der Rettungsdienste, Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Polizei waren vor Ort. Foto: News5/Fricke Foto: dpa
Unfallstelle
Der Screenshot von Google Earth zeigt die Region Münchberg in Bayern mit der Unfallstelle. Foto: Google Foto: dpa
Ausgebrannt
Der Bus ist vollständig ausgebrannt. Übrig blieb nur noch ein verkohltes Gerippe. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Bestattungsfahrzeuge
Bestattungsfahrzeuge auf der A9 bei Münchberg. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Unglück auf der A9
Es waren auch mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz. Foto: News5/Fricke Foto: dpa
Gesperrt
Nach dem schrecklichen Unfall war die A9 in beide Richtungen gesperrt. Foto: News5/Fricke Foto: dpa

Münchberg (dpa) - Bei der Suche nach der Ursache für den verheerenden Busunfall auf der Autobahn 9 konzentrieren sich die Fahnder allein auf den gestorbenen Fahrer als möglicher Verursacher.

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Gegen andere Menschen werde nicht ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Geprüft würden aber auch mögliche technische Fehler.

Das Unglück mit 18 Toten und 30 Verletzten nahe Münchberg in Bayern hat eine Debatte über schärfere Sicherheitsvorgaben für Busse ausgelöst. Zudem könnte nach dem Busbrand vom Montagmorgen zum ersten Mal die jüngste Gesetzesverschärfung gegen Gaffer angewandt werden.

Ein Reisebus mit 48 Menschen an Bord war bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug aufgefahren und sofort in Brand geraten. 18 Menschen starben in den Flammen, unter ihnen der 55 Jahre alte Fahrer. Der Firmensitz des Busunternehmens in Sachsen sei durchsucht worden, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof mit. Dabei seien Unterlagen in Bezug auf den Bus, den Fahrer und seinen überlebenden Kollegen sichergestellt worden. «Deren Auswertung wird mit Nachdruck betrieben.»

Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Zwei Sachverständige für Verkehrsunfälle und Brände hätten keine Hinweise darauf gefunden, dass der Reisebus schon vor dem Aufprall auf den Sattelzug gebrannt hat. «Vieles spricht dafür, dass bei dem Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger Feuer ausgebrochen ist», hieß es.

Von den 30 Verletzten hätten 7 Leichtverletzte die Krankenhäuser wieder verlassen. Bei 3 der 23 Opfer, die noch in den Kliniken behandelt werden, bestehe weiterhin Lebensgefahr. Die meisten Fahrgäste kamen aus Sachsen. Angaben zur genauen Herkunft der Opfer machte die Polizei bislang nicht.

Noch am Montag hätten Patienten die Heimreise angetreten, zumeist mit Hilfe von Angehörigen, teilte das Sozialministerium in Dresden mit. Für Mittwoch stehe ein weiterer Rücktransport fest. Notfallseelsorger hatten die Polizei in Sachsen begleitet, als sie mehr als einem Dutzend Angehörigen Todesnachrichten überbrachte. Der Lastwagenfahrer war körperlich unverletzt geblieben, erlitt aber einen Schock.

Um solche Unfälle zu vermeiden, seien nicht abschaltbare Notbremssysteme wichtig, die auf Stau-Enden reagierten, sagte Professor Hermann Winner, Experte für Autonomes Fahren an der TU Darmstadt. Baden-Württemberg denkt über eine Bundesratsinitiative zum obligatorischen Einsatz von Notbremssystemen für Busse nach. Zwar sei das System seit 2015 in Reisebussen und Lastwagen vorgeschrieben. «Das Problem ist allerdings: Der Fahrer kann diesen Notbremsassistenten abschalten, was offenkundig häufig gemacht wird», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Die Verkehrsexpertin der SPD im Bundestag, Kirsten Lühmann, sagte der «Heilbronner Stimme» (Mittwoch): «Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass auf EU-Ebene die vorgeschriebene Abbremswirkung nochmals verschärft werden könnte, denn technisch wäre ein Abbremsen um 40 km/h möglich, ab 2018 sind jedoch nur 20 km/h verpflichtend.»

Da bei der Brandkatastrophe Autofahrer die Zufahrt für die Rettungskräfte erschwert hatten, könnte laut Bundestags-SPD bei der strafrechtlichen Aufarbeitung erstmals der neue, am 30. Mai in Kraft getretene Straftatbestand gegen Gaffer zu einer härteren Bestrafung angewendet werden.

Damit reicht schon das Behindern von Rettungskräften aus, um sich strafbar zu machen. Allerdings griffen die Bußgeld-Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu kurz, sagte der rechtspolitische Sprecher Johannes Fechner. «Wer aus Sensationslust die Rettung von Menschenleben blockiert, muss mit einer empfindlichen Geldstrafe oder Gefängnis bestraft werden.»

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