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Ernst Jani steht auf eine »Sympathie-Partie«

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Ernst Jani (Zweiter von rechts) mit seinen Musik-Freunden unterwegs: Gitarrist Martin Pallauf (von links), Schlagzeuger Werner Salbeck und Bernhard Ostermaier mit dem Kontrabass. (Foto: A. Mayregg)

Er nimmt sich nicht wichtig. Er nimmt sich selbst auf den Arm. Gerade das macht Ernst Jani so sympathisch. Der 50-Jährige aus Lepperding zwischen Laufen und Saaldorf lacht viel und gern und freut sich, wenn Besuch kommt – in sein »Reich« unterm Dach: Atelier, Bibliothek, Schreibwerkstatt, Kreativ- und Rückzugsort für den selbsternannten Büchernarr, alles in einem und Inspirationsterrain. Mit seinen »Jasmin-Boys« hat es Jani einmal mehr ganz unbewusst geschafft etwas völlig Neues zu kreieren. Das Quartett kommt an und das bereitet dem 50-Jährigen und seinen drei Kollegen »ein Riesen-Vergnügen«.


Musik und Kabarett sind Ernst Janis Ausgleich

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In Sachen Musik ist Jani gern gnadenlos nostalgisch, stilecht, unverbogen, so wie seit gut drei Jahrzehnten mit zahlreichen literarisch-kabarettistischen Soloprogrammen auf der Bühne. Los ging es 1981, hunderte Auftritte folgten landauf landab. Dazu gesellten sich biografische Schmankerl wie die intensive Hörspielarbeit mit Gisela Schneeberger (bekannt unter anderem aus »Monaco Franze«) für den Hessischen Rundfunk. Janis Ausgleich zu seiner doch eher trockenen Beschäftigung als Verwaltungsbeamter bei der Staatsanwaltschaft Traunstein.

Seit rund zwei Jahren ist der Lebenslauf um eine »Anekdote« reicher: »Ernst Jani & die Jasmin-Boys«. Jani will kein musikalischer Alleinunterhalter sein, darum bereitet ihm das Musizieren »mit den Jungs« so viel Freude. Die Jungs: Das ist Gitarrist Martin Pallauf, 34, aus Fridolfing, er lebt derzeit in Hall in Tirol, das ist Bassist Bernhard Ostermaier, ein Jahr älter, aus Laufen, und das ist das Unikum schlechthin, der Schlagzeuger Werner Salbeck, 68, aus Freilassing. Zusammen mit Ernst Jani »an den Stimmbändern und am Akkordeon«, ihrem »Chef« aus der Salzachstadt, sind sie 187 Jahre jung – geblieben allemal.

Im März 2013 traten sie als zweideutig »einmalige« Überraschungsgäste bei Jasmin Ostermaiers rundem Geburtstag auf – und ahnten nicht, was hinterher alles passieren würde. »Dummerweise ist das, was wir da gemacht haben, bestens angekommen«, schmunzelt Jani. Es folgten zwei Zusatzkonzerte – die Vier zierten sich erst, gaben dem Drängen aber schließlich nach –, beide Abende waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. »Mehr war wirklich nicht geplant, mehr sollte es gar nicht sein«.

Was diese »Zweieinhalb-Generationen-Kombo« ausmacht, ist ihre spezielle Repertoire-Mischung: In der Mitte des letzten Jahrhunderts lassen sich die Nummern aus Deutschland, Amerika oder Frankreich ansiedeln – handverlesene akustische Musik wollen sie spielen, jedes Lied mit eigenem Charakter, gerne mit reichlich Humor. »Dazu braucht es keine unterstützenden Konserven auf CD«, sagt Jani. Sondern schnörkellos Authentisches, so, wie Ernst Jani und seine Freunde nun mal sind.

Sie wollen vor allem keine platte Retro-Show abliefern, mit den erwartbaren Versatzstücken der Zeit. »Wir spielen das, was uns Spaß macht und durften feststellen, dass es sehr viele gibt, die das gerne hören. Chansons und swingende Schlager aus den 50- und 60ern beispielsweise.« Die »Jasmin Boys« füllen eine Lücke, das wird ihnen so oft versichert.

Für Ernst Jani ist das alles der perfekte Ausgleich. Der 50-jährige will aktiv sein, einen Kontrast zu seinem eher trockenen Schreibtischjob schaffen. Hinterm Mikrofon beginnt eine andere Welt, seine Welt. Der Art seiner Präsentationen haftet ein ganz besonderer, fast spitzbübischer Stil an. Unaufgeregt aber stets voller Herzblut, obwohl Jani sich selbst vor Auftritten auf einer Nervositäts-Skala von 1 bis 10 bei 15 einstuft. »Anspannung muss sein.«

»Sentimentale Ohrwürmer« haben es in sich

Die Auftritte vor immer mehr Fans sind die reinste »Sympathie-Partie«, wie Ernst Jani sagt, weil es diese »sentimentalen Ohrwürmer« von Dean Martin über Frank Sinatra bis zu Elvis Presley oder Freddy Quinn noch heute in sich haben. Fast schon zur Jasmin-Boys-Hymne avanciert: »La mer« von Charles Trenet als Ultimativ-Schmachtfetzen, ein Höhepunkt der sehenswerten Unterhaltungscrew zweifelsfrei.

Man muss das Quartett gesehen und gehört haben, um den Swing mit nach Hause zu nehmen. »Eine Reise ins Glück – Schmachtfetzen zum Schwelgen und Sachen zum Lachen« gibt es heute, Freitag, und morgen, Samstag,, auf der Bühne des Kulturzentrums NUTS in Traunstein. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0861/8431, beim Zeitungskiosk Hörterer am Maxplatz in Traunstein und bei Schreibwaren Rother in Chieming. Hans-Joachim Bittner