Erst das Klopapier, jetzt die Gans

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Der Wunsch nach einer Weihnachtsgans war heuer in vielen Familien so groß, dass Gänse zur Mangelware wurden. Foto: dpa

Im Frühjahr ging das Toilettenpapier aus, weil die Deutschen angesichts des Lockdowns das dringende Bedürfnis hatten, selbiges zu horten. Auch nach Verkündung des zweiten Lockdowns war Toilettenpapier in einigen Geschäften vorübergehend vergriffen, eine ähnlich große Nachfrage wie im Frühjahr gab’s jedoch nicht. Dafür ist jetzt etwas ganz anderes Mangelware: die Weihnachtsgans.


In einem bekannten Kinderlied heißt es, »Fuchs, du hast die Gans gestohlen, …«, doch in diesem Fall kann der Fuchs nichts dafür. »Schuld« scheint vielmehr die Corona-Krise zu sein. Die brachte es angesichts staatlich verordneter Restaurant-Schließungen zwangsläufig mit sich, dass viele Leute jetzt vermehrt selbst am Herd stehen und so auch die Freude am Kochen entdeckt haben. Und wenn man schon selbst zu Kochlöffel, Töpfen und Pfannen greift, dann will man natürlich – vor allem zu Weihnachten – etwas Besonderes auf die Tafel bringen. Ganz viele Hobbyköche haben sich offenbar für den Klassiker Weihnachtsgans entschieden – und zwar so viele, dass ein großer Teil von ihnen dann umplanen musste – denn Gänse sind »aus«.

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Eine Hausfrau berichtete unserer Redaktion, sie sei auf verschiedenen Märkten gewesen, habe in Metzgereien nachgefragt und  bei Geflügelzüchtern – überall habe sie zur Antwort bekommen, dass es keine Gänse mehr gebe. Eine Umfrage unserer Zeitung ergab das gleiche Resultat. So berichtete etwa Matthias Brandstätter, der auf seinem Geflügelhof in Langmoos jährlich rund 150 bis 200 Gänse aufzieht, dass diese schon vor drei Wochen vergriffen waren; normalerweise verkauft er seine Gänse und Enten bis etwa eine Woche vor Weihnachten.

Brandstätter hätte nach eigenen Angaben in diesem Jahr »ein paar tausend« Gänse verkaufen können, selbst aus München rufen die Leute bei ihm an oder kommen sogar vorbei, in der Hoffnung, noch ein Weihnachtsganserl zu ergattern. Viele seien sogar bereit, das Doppelte des üblichen Marktpreises zu bezahlen. Doch wenn die Nachfrage das Angebot derart übertrifft, hilft auch das nichts – ausverkauft ist ausverkauft.

So kann man nur feststellen: Selig der, der zu Corona-Zeiten eine Weihnachtsgans hat. m

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