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»…erstaunlich, wo sich das alles hin entwickelt hat«

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Die beiden Gewinner des ARTS-Kulturförderpreises 2013 sind Paul Klumpner und Alexander Maier (rechts). Sie trugen bei der Preisverleihung ihre selbst geschriebenen und gespielten Stücke vor. (Fotos: Giesen)

»Songs, die nach verspieltem Indie klingen, jedoch ohne abgedroschene Gitarrenriffs, sondern mit feiner Elektronik, sparsamen Gitarren, allerhand Loops und mehr zu identifizierenden Geräuschen«, so beschrieb kürzlich eine große Tageszeitung die besondere Musik, die Alexander Maier und Paul Klumpner nicht nur aus ihren Instrumenten wie Gitarre und Harmonika, sondern aus Laptop, MPC Sampler, Synthesizer und Stimme hervorzau-bern. Aus dieser – für den ARTS-Kulturförderpreis eher ungewohnten Musikszene – stammen heuer die beiden jungen Musiker, die den diesjährigen ARTS-Kulturförderpreis erhielten.


Der Festakt im Großen Rathaussaal war wegen zwei anderen Kulturveranstaltungen zum gleichen Zeitpunkt nicht so gut besucht wie in anderen Jahren. Die Gekommenen bereuten ihren Besuch aber sicher nicht.

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Wie die ARTS-Vorsitzende Sigrid Ackermann in ihrer Laudatio ausführte, sind die beiden Freunde Paul Klumpner, geboren 1982, und Alexander Maier, Jahrgang 1984, beide in Traunstein geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte Paul Klumpner Stadtbiographie in Innsbruck und seit 2011 soziale Stadtentwicklung in München, während Alexander Maier zuerst Volkswirtschaft studierte und heute an seiner Promotion in Physik arbeitet.

In München fanden beide wieder zusammen, um Musik zu machen. Besonders in der bayerischen Landeshauptstadt sind die beiden mit ihrer Band »Thing Kong« bereits weit mehr als ein Geheimtipp: am Abend nach der ARTS-Preis-verleihung spielten sie auf einem Konzert am Gasteig und kürzlich ist eine neue CD mit ihren Songs erschienen. Im Herbst noch wird ein multimediales Hörspiel/Theaterstück verwirklicht, das die beiden zusammen mit dem Traunsteiner Künstler Korbinian Jaud, ARTS-Preisträger von 2007, in Kombination mit ihrem Debut-Album auf die Bühne bringen wollen.

»ARTS goes future« eröffnete Oberbürgermeister Manfred Kösterke sein Grußwort. Er sei fasziniert von der Breite des Kulturspektrums in Traunstein und auch dem der ARTS-Kulturpreisträger, sagte das Stadtoberhaupt und prophezeite den beiden »eine wirklich gute Zukunft in der Musikszene«.

»Toll, mal was Anderes« äußerte sich auch der Stellvertretende Landrat Josef Konhäuser sehr angetan über die dargebotene Musik der beiden Preisträger, die mit ihren Songs »Streetsong« und »Gold« den Abend eröffnet hatten. Konhäuser zitierte Konfuzius mit dem Ausspruch »Wollt ihr wissen, ob ein Land wohl regiert und gut gesittet sei, so hört seine Musik«. Die beiden Preisträger seien gewissermaßen Aushängeschilder dafür, dass es um die Kultur in unserem Landkreis bestens bestellt sei, so der Stellvertretende Landrat. Er gratulierte auch ARTS zur wohlüberlegten Auswahl der Preisträger seit 1992 und zu ihrem hochkarätigen Programm und bat sie, ihre Bemühungen um ein lebendiges kulturelles Angebot in Traunstein weiter so engagiert fortzusetzen.Die Festrede hielt diesmal die Kulturjournalistin Heidemarie Klabacher aus Salzburg über den Sinn und Unsinn von Preisen. Unter der Überschrift »Eigentlich kommt das alles viel zu spät«, einem Zitat von Friedrich Cerha, der den mit 80 000 Euro dotierten Musikpreis 2011 des Landes Salzburg erhalten hatte, sprach sie über den Nutzen und die Funktion von Preisen.

Frau Klabacher würdigte die Offenheit des ARTS-Preises, dass es sich dabei um keine »Image-Angelegenheit« handle, sondern um eine »enge und sinnfällige Verbundenheit des Preises mit der Stadt Traunstein und der Region«, auch weil das Preisgeld von Stiftern aus der Region stamme. Auch auf die Künstler, die in den letzten 21 Jahren von ARTS gefördert worden seien, treffe in mancher Hinsicht Cerhas Zitat zu.

Aus den Händen von Sigrid Ackermann, Wolfgang Stark, dem Präsidenten des Lions- Club Traunstein, und Marc Stocker von der Middeler Kulturstiftung Breitbrunn nahmen die beiden Preisträger die Urkunden entgegen. Sympathisch bescheiden äußerten beide ihre Freude über den Preis, »erstaunt, wohin sich alles hin entwickelt hat«, wie es Paul Klumpner ausdrückte. In ihrer Dankansprache bestätigten damit beide ihre Charakterisie-rung von Heidemarie Klabacher: angesichts ihres großen Könnens seien sie »die Weltmeister im Tiefstapeln«. gi