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»Es geht darum, sich gegenseitig zu verstehen«

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Therese und Roman Hillebrand aus Kirchanschöring feiern Diamantene Hochzeit. 60 Jahre ist das Hochzeitsfoto heute alt.

Kirchanschöring – Ihre Diamantene Hochzeit feiern am heutigen Donnerstag Therese und Roman Hillebrand in Kirchanschöring: Bereits zum 60. Mal jährt sich ihr standesamtlicher Hochzeitstag. Die beiden freuen sich auf die kleine Feier im heimischen Wohnzimmer, zu der auch Bürgermeister Hans-Jörg Birner erwartet wird. »Eine Feier in etwas größerem Rahmen soll es dann im Juli geben, dem Tag unserer kirchlichen Hochzeit«, erzählt der 83-jährige Roman Hillebrand im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.


Denn das Jubelpaar hat sich am 25. Juli 1959 vor dem Altar das Jawort gegeben. Diesen besonderen Tag möchte das Paar mit seinen drei Söhnen Norbert, Reinhard und Guido und deren Familien mit den neun Enkelkindern und dem Urenkel mit einem Dankgottesdienst in der Wallfahrtsbasilika Maria Plain begehen. In Maria Plain sind sie damals auch getraut worden.

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Die Hochzeit 1959 war der heitere Teil der beiden einschneidendsten Ereignisse in ihrem Leben: Nach der Trauung in Maria Plain habe man das Hochzeitsmahl gehalten, zu dem es heiße Würstchen an einem Stand auf dem Alten Markt in Salzburg gab. »Wir setzten uns auf einen Stein und genossen die Würstchen im Sonnenschein.«

»Sehr traurig war hingegen der Tag im Dezember 1992, als unser Enkelkind Fabian 14 Tage vor Weihnachten in einem Gartenteich ertrunken ist. Der Verlust des Kindes war für uns so schmerzlich, dass es auch nach so langer Zeit noch immer sehr weh tut«, sagt Therese Hillebrand und wischt sich Tränen aus dem Gesicht.

Therese Hillebrand war noch ein junges Mädchen, als Roman als Flüchtlingskind aus Hotzenplotz (das heutige Osoblaha in Tschechien) nach dem Krieg ins Nachbarhaus zwangseingewiesen wurde. Abends holte er immer die Milch bei Thereses Mutter, die im Stall zwei Milchkühe fütterte. »Irgendwann hat es dann zwischen uns richtig gefunkt«, erinnert sich der Schreiner- Meister, der einige Jahre nach der Hochzeit den kleinen Betrieb seines Schwiegervaters übernahm.

Dabei war ihm seine Frau eine große Stütze, die nicht nur Mutter und Hausfrau war, sondern auch in der Schreinerei kräftig mit anpackte. Darüber hinaus kümmerte sie sich auch noch ums Büro. »Den Betrieb samt Planungsbüro, der vorwiegend individuell und maßgefertigte Möbel und Innenausstattungen fertigt, führt heute unser Sohn Norbert erfolgreich weiter.« Die Schreinerei ist ans Wohnhaus angebaut, das Therese von ihren Eltern geerbt hat. »Unter unserem Dach sind fünf Schreinermeister aus unserer Familie, die aus drei verschiedenen Generationen stammen«, ist das Jubelpaar stolz auf das Geschaffene und auf Kinder und Enkel, von denen eines samt Frau und Kind mit im Haus wohnt. »Weil auch Sohn Guido und zwei Enkel im Betrieb mitarbeiten, sehen wir sie täglich. Und unser zweiter Sohn Reinhard, der in Weihenstephan Gartenbau studiert hat und mit seiner Familie in Surheim wohnt, ruft regelmäßig an.«

Dass die Familie ihnen sehr am Herzen liegt, beweisen auch die vielen Fotos an den Wänden. Die wohnliche Stube verrät ebenso die Liebe zum Holz und zu Tradition und Handwerk wie die übrige Einrichtung und die Haustür, in die der Kirchanschöringer Künstler Georg Winkler das Bild des Hausherrn eingeschnitzt hat – mit einem Hobel in der Hand, an der originalgetreu ein Finger fehlt. In der Stube finden sich auch Fotos von anderen Angehörigen und Freunden. Denn dem geselligen Ehepaar sind auch die Freunde wichtig, die sie »keinesfalls missen möchten«.

Daher dürfen sich beide wohl schon heute auf ungewohnten Rummel mit vielen Gratulanten freuen. Den Erfolg ihrer langen Ehe erklären sie so: »Es geht darum, sich gegenseitig zu verstehen. Und das ist der Glücksfall, der aber nicht alle Tage zur Tür herein lacht.« Eine lange Ehe sei nicht automatisch eine Dauerharmonie, verriet Therese Hillebrand, die jedoch das gleiche Ziel hatte wie ihr Mann: Den Kindern sollte es gut gehen.

Beide haben ihre optimistische Lebenseinstellung behalten, obwohl sie gesundheitlich schon einiges mitmachten. Sie erlitt vor einiger Zeit einen Schlaganfall, von dem sie sich glücklicherweise wieder einigermaßen erholt hat, während ihm sein Rücken trotz Operation noch viel zu schaffen macht.

Auch ist er nach wie vor überzeugter Sozialdemokrat. »Die SPD, in die ich vor 60 Jahren eingetreten bin, war die Partei, die sich klar gegen Krieg und Waffengewalt ausgesprochen hat.« Die SPD habe sehr viel für die Leute getan und sich stets für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Sein Sinn dafür rührt von der Nachkriegszeit her, als er mit der Mutter und den Schwestern als Vertriebener aus dem Sudetenland ausgehungert in Kirchanschöring ankam. Im Ort seien Flüchtlinge nicht gerade willkommen gewesen, auch weil keiner wirklich darauf vorbereitet gewesen sei.

Doch Kirchanschöring ist schließlich seine Heimat geworden. Obwohl er sich hier zuhause fühlte und sich in mehreren Vereinen engagierte, blickt er heute auch immer wieder wehmütig auf sein altes Heimatstädtchen zurück, in dem er und seine Familie, wie viele andere auch, schlichtweg nicht mehr erwünscht waren.

All die Not und das Elend der Kriegs- und Nachkriegsjahre änderten aber nichts an seiner Leidenschaft für Musik. So schloss er sich schon bald nicht nur dem Gesangverein an, wo er viele Jahre mit Leidenschaft sang, sondern wirkte auch in der Blaskapelle Kirchanschöring etwa 16 Jahre lang in der Vorstandschaft.

»Das Beste, was mir im Leben passiert ist, ist aber meine Frau. Mit etwas Glück feiern wir dann vielleicht auch noch Eiserne Hochzeit«, wünscht sich Roman Hillebrand und drückt liebevoll die Hand seiner Gattin. Diesen Wünschen schließt sich auch das Traunsteiner Tagblatt an, das dem Paar zu seinem Hochzeitstag herzlich gratuliert. ca