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»Es war ganz einfach eine schöne Zeit«

Bischofswiesen – Nach einem langen Leidensweg zog Katy Hölzl vor einem Monat einen Schlussstrich unter eine äußerst erfolgreiche Skikarriere, die vom Riesenslalom-Weltmeistertitel 2009 und vom Gewinn des Riesenslalom-Gesamtweltcups gekrönt war. Wenig später machte der Bischofswieserin eine Verletzung zu schaffen, die bis zuletzt eine Rückkehr auf die Rennpiste unmöglich machte. Die Heimatzeitung sprach mit der 29-Jährigen über die Weltcupzeit, die Verletzungsmisere und ihre berufliche Zukunft.

Ex-Weltmeisterin Katy Hölzl hat nach einem langen Leidensweg am 7. Oktober bei einem Medientag des Deutschen Skiverbands am Mölltaler Gletscher in Kärnten offiziell ihren Rücktritt vom alpinen Rennlauf bekannt gegeben. Jetzt widmet sich die 29-Jährige den Studien im »Business and Health Management« an der Universität Düsseldorf. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Wie sieht dein Blick zurück auf eine erfolgreiche Karriere aus, auch wenn das Ende nicht so schön war?

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Katy Hölzl: Es war eine sehr schöne Zeit. Ich habe fremde Länder kennengelernt und viele Freundschaften geschlossen, die wohl das ganze Leben anhalten. Natürlich war es nach meiner Verletzung, die ich schon Ende 2010 verspürt habe, nicht mehr so lustig. Ich hätte schon viel früher eine längere Pause einlegen sollen, um mich auszukurieren. Aber nachher ist man immer schlauer.

Deine große Domäne war der Riesenslalom, du bist aber auch einige Speedrennen gefahren.

Hölzl: Ich bin zunächst recht gut Super-G gefahren. Aber eigentlich war ich zu leicht dafür. Ich bin auch viel lieber auf der Kante gefahren anstatt zu gleiten. Bei einem sehr schnellen Super-G in Italien ging mir im unteren Streckenteil die Kraft aus, ich flog ab und landete nach mehreren Überschlägen in den Fangnetzen und später im Krankenhaus. Spätestens da wusste ich, dass Speed nicht mein Ding ist.

Woher kam dein wunderbares Skigefühl im Riesenslalom und warum ging es im Slalom nicht ganz nach vorne?

Hölzl: Ich habe sehr viel meinem Vater zu verdanken, der mich nicht nur als Kind trainiert hat, sondern auch immer wieder während meiner Weltcupzeit mit mir gefahren ist. Ich kann mich noch gut an unsere herrlichen Skitage in Fikenberg im Zillertal erinnern, die mir unvergesslich bleiben werden. Beim Riesenslalom konnte ich mein Skigefühl am besten einsetzen, das war recht einfach für mich. Nach dem Lauf hätte ich von oben bis unten genau sagen können, warum ich da und dort so und so gefahren bin. Ich bin auch ein paar ganz gute Slaloms gefahren, aber mehr als zu einem 11. Platz hat es im Weltcup nicht gereicht. Der Slalom kam meinen technischen Eigenschaften nicht so entgegen wie der Riesenslalom, das hängt ja auch mit der Länge der Ski zusammen.

Haben auch die Nerven eine Rolle gespielt?

Hölzl: Natürlich spielten die eine große Rolle. Ich war lange Zeit vor den Rennen sehr nervös und hatte schwere Beine am Start. So konnte ich vor allem bei großen Rennen im Weltcup mein Können lange Zeit nicht ausspielen. Erst als ich mit einem Mentalcoach gearbeitet habe, wurde es besser.

War dann der Gewinn der Weltmeisterschaft das Größte in deiner Skikarriere?

Hölzl: Natürlich war das der größte Moment, dieser Sieg kam ja doch für viele etwas überraschend. Aber es gab auch sonst sehr schöne Situationen in meiner Skiläuferkarriere, ich habe ja auch einige FIS- und Europacuprennen gewonnen oder war vorne mit dabei.

Wann war dir klar, dass der Rennlauf vorbei ist?

Hölzl: Die Leidenszeit begann mit einem Hexenschuss Ende Dezember 2010 am Semmering. Da bin ich mit Spritzen noch fit gemacht worden und fuhr auch noch auf den 3. Platz. Doch da hätte ich schon nicht mehr starten sollen, aber nachher ist man immer schlauer. Ich habe es immer wieder versucht, aber ich wurde nie mehr beschwerdefrei.

Du bist ja sogar im letzten Jahr nach Neuseeland ins Trainingslager mitgeflogen.

Hölzl: Das hätte ich mir auch sparen können. Ich hatte alles versucht, aber mein Körper spielte nicht mehr mit. Nach drei Tagen musste mich der Physiotherapeut aus dem Bett heben, ich konnte nicht einmal mehr alleine aufstehen. Dann bin ich noch drei Tage gelegen, um überhaupt transportfähig für die Heimreise zu werden. Das sind keine schönen Erinnerungen.

Wie geht es jetzt beruflich weiter und bleibst du dem Skisport verbunden?

Hölzl: Ich habe lange überlegt, was ich weiter mache. Ich hätte ja auch beim Zoll bleiben können. Aber irgendwo am Schreibtisch zu sitzen, ist nicht mein Ding. Weil ich im Sportgeschehen dabei bleiben möchte, habe ich ein Fernstudium mit der Fachrichtung »Business and Health Management« begonnen. Damit lasse ich mir viele Wege offen, gerade im Sport. Außerdem habe ich ja noch meine Skischule am Götschen.

Wo du auch schon mal selbst unterrichtet hast.

Hölzl: Manche haben mich als Weltmeisterin gebucht. Ich habe jedoch auch schon völlig anonym unterrichtet, da meine Schüler nichts von meiner Skilaufbahn wussten. Auch das Skilehrern macht richtig Spaß.

Welche Empfehlungen kannst du dem Skinachwuchs mit auf den Weg geben?

Hölzl: Das Wichtigste ist der komplette Skifahrer. Wir haben mit meinem Vater immer alles trainiert, vor allem den freien Skilauf sowie das Buckelpistenfahren und den Tiefschnee-Skilauf. Das Stangenfahren gehört natürlich auch dazu, aber der Variantenskilauf ist genauso wichtig. Vor allem muss das Skifahren Freude machen und darf nie Zwang sein.

Dein Skiverein WSV Bischofswiesen hat dich erst jüngst offiziell im Hotel »Edelweiß« verabschiedet.

Hölzl: Das hat mich schon besonders gefreut. Es war ein ausgesprochen schöner Abend, wofür ich mich bei unserem Vorstand Bernhard Heitauer und allen bedanke, die gekommen sind. Mein Club hat mir ja nach der Goldmedaille 2009 einen Stern mit meinem Namen gewidmet. Und als das Lied jetzt wieder erklungen ist und alle Beteiligten einen Sterndlwerfer in der Hand hatten, da musste ich schon eine Träne verdrücken. Ich danke noch einmal allen, die mir in meiner Laufbahn beigestanden sind und mich die vielen Jahre begleitet haben. Christian Wechslinger