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»Es wurde nur gelogen«

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Landgericht Traunstein: 23-jähriger Äthiopier muss in die Psychiatrie – Frauen und Kinder sexuell belästigt
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Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Wegen Schulden von zehn oder 20 Euro hätte ein 46-Jähriger sterben können. Er hatte Glück und überlebte einen Angriff mit Messerstich in die Brust am 25. Februar 2017 in Traunreut mit relativ leichten Verletzungen. Die genauen Umstände der Tat konnten letztlich nicht geklärt werden.


Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein sprach einen 39-jährigen Angeklagten und dessen frühere, 42-jährige Freundin am Donnerstag frei vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung beziehungsweise der Beihilfe dazu.

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Das einstige Paar saß bereits zum zweiten Mal in dieser Sache auf der Anklagebank vor dem Landgericht. Die Zweite Strafkammer hatte den Mann Mitte Ja- nuar 2018 zu vier Jahren drei Monaten sowie einem Schmerzensgeld von 1000 Euro an den Nebenkläger verurteilt, die Frau zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe mit Bewährung.

Auf Revision des 39-Jährigen hob der Bundesgerichtshof die Entscheidung auf mit der Begründung, der Angeklagte könne sich auf Notwehr berufen. Die Sechste Strafkammer rollte den Fall jetzt von vorne auf, hörte viele Zeugen und Sachverständige an. Die Angeklagten – im ersten Prozess geständig – machten jetzt von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

Staatsanwalt Markus Andrä betonte im Plädoyer, er wisse nicht, wie die Tat abgelaufen sei. Beteiligte und Zeugen hätten »Lügenmärchen« vorgetragen. Die Amnesie mancher Leute sei unglaubhaft. Deshalb wisse er auch nicht, wer möglicherweise ein Notwehrrecht gehabt habe. Der 39-Jährige und die 42-Jährige seien freizusprechen.

Von »Notwehr« war keine Rede

Nebenklagevertreter Michael Vogel aus Traunstein erinnerte an die Geständnisse der Angeklagten in der ersten Prozessrunde. Von »Notwehr« sei damals keine Rede gewesen. Der 46-Jährige sei Opfer einer gefährlichen Körperverletzung geworden. Der Schuldspruch des ersten Urteils müsse Bestand haben.

Verteidiger Peter Weitzdörfer aus München schloss sich dem Staatsanwalt an. Die Zweite Strafkammer habe »ein hervorragendes und gut begründetes Urteil« gefällt. Dennoch könne man nicht am Beschluss des Bundesgerichtshofs vorbeigehen: »Wir mussten uns in juristischer Hinsicht eines Besseren belehren lassen.« Für die 42-Jährige erinnerte Verteidiger Hans Sachse aus Rosenheim an die abweichenden Zeugenaussagen und forderte ebenfalls Freispruch.

Im Urteil sprach die Kammer dem 39-Jährigen eine Entschädigung für die Untersuchungshaft zu. Die Schmerzensgeldzahlung an den Nebenkläger hob das Gericht auf. Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel fand harsche Worte zum Verhalten der Beteiligten: »Es wurde nur gelogen – seitens der Angeklagten, aber auch seitens des Nebenklägers mit seinem Fahrer.

Vieles ist reine Erfindung

Die ganze Sache spielt im Giftbereich. Da helfen alle zusammen. Vieles ist reine Erfindung, ohne dass tatsächlich etwas war. Was aber geschah – das wissen wir nicht.«

Das Gericht habe nicht auf Freisprüche »erster Klasse« erkannt, sondern habe nach dem Prinzip »In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten« entscheiden müssen, stellte Dr. Jürgen Zenkel fest. kd