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Euphorisierendes Hörvergnügen

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Die Serenade im Grabenstätter Schloss mit Andreas Schmidt (Flöte), Peter Tavernaro (Oboe), Pietro Aimi (Fagott), Stefan Kresin (Horn) und Michael Müller (Klarinette) im Rahmen des »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« erfüllte alle Erwartungen an ein niveauvolles Holzbläserquintett. (Foto: Benekam)

Schon bei den ersten Tönen der Salzburger Bläsersolisten »Quintetto Harmonico« stellte sich der schöne Saal des Grabenstätter Schlosses beim Konzert des »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« mit hervorragender Akustik als würdiger Konzertort für diese niveauvolle Konzertreihe heraus. Mit anspruchsvollen Werken von Haydn bis Debussy verliehen die Salzburger Bläsersolisten Andreas Schmidt (Flöte), Peter Tavernaro (Oboe), Michael Müller (Klarinette), Stefan Kresin (Horn) und Pietro Aimi (Fagott) der Blütezeit des Holzbläserquintetts aus dem 18. Jahrhundert den verdienten Glanz.


Spürbare Hingabe, expressive Ausgestaltung, sowie harmonisches Zusammenspiel in höchster Perfektion, zeichneten die Salzburger Bläsersolisten unter der Leitung von Michael Müller aus. Augustin Spiel erfreute die Konzertbesucher mit seiner ansprechenden Moderation rund um Werke und Komponisten mit wissenswerten Hintergrundinformationen, was zum einen den intensiveren Zugang zur gehaltvollen Musik ermöglichte, zum anderen eine humorvolle Note in die Serenade einbrachte.

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Zu Konzertbeginn ein »Gute-Laune-Schub«

Gleich zu Konzertbeginn kredenzte das Quintett mit dem Divertimento Nr. 1 in B-Dur von Josef Haydn einen wahren »Gute-Laune-Schub«: Der erste Satz, Allegro con spirito, schien die Gehörgänge der konzentrierten Zuhörer zu weiten. Das folgende Andante quasi Allegretto, welches die Musiker mit hingebungsvoller Ruhe zelebrierten, gefiel mit getragenem, liedhaftem Charakter. Das Minuetto nahm auf ein Tänzchen mit, das sich im vierten Satz, dem Rondo Allegretto in Tempo und Intensität steigerte. Dass, wie Spiel eingangs erklärt hatte, die Musikforschung daran zweifelt, ob dieses doch sehr kurze Werk tatsächlich von Haydn stammt oder doch nur eine »Haydnvariation« unbekannter Genese sei, tat der Begeisterung für das Gehörte keinen Abbruch.

Franz Danzi schuf mit dem Bläserquintett Nr. 1 in B-Dur op. 56 einen innovativen Umgang der Bläserquintett-Besetzung: Danzis Werk in den vier Sätzen Allegretto, Andante con moto, Menuetto allegretto und Allegretto gefiel in seinem Variationsreichtum. Wechselnde Stimmungen – von melancholisch bis heiter –, echohaftes Agieren der einzelnen Blasinstrumente im gleichen musikalischen Grundthema sowie die ein oder andere Dissonanz ließen die Zuhörer gespannt aufhorchen. Durch die Ausweitung der hohen und tiefen Tonlagen in seiner Komposition distanziert Danzi sich hörbar von der Harmoniemusik.

Mit Alt-Ungarischen Tänzen aus dem 17. Jahrhundert von Ference Farkas, denen bereits ein »impressionistischer Zungenschlag« mit ganz eigener kompositorischer Handschrift anzuhören war, endete der erste Konzertteil. Das Bläserquintett in Es-Dur in den Sätzen Allegro, Andante ma Allegretto und Rondo – Allegro moderato von Anton Rosetti führte mit herrlich handfest-konkreter Musik in den zweiten Teil ein.

Ein glanzvoller Höhepunkt der Serenade im Grabenstätter Schloss und zugleich kontrastreicher Ausblick zum zuvor Gehörten war die französische Sichtweise des Quintetts mit höchst virtuoser Behandlung der einzelnen Instrumente: »Petite Suite« des großen französischen Impressionisten Claude Debussy – ein Werk voller Farben, Glamour und verspielter Variationsfreudigkeit. So zeichnet Debussys »Petite Suite« in allen möglichen Farben in dem viersätzigen Werk romantisch-verspielte Szenen und Stimmungen nach.

Das Leben in allen Facetten

Der erste Satz, »En bateau« (deutsch: »Im Schiff«), ließ in brillanter Interpretation des Salzburger »Quintetto Harmonico« das Auf und Ab der Wellen auf hoher See, das Dahintreiben im teils ruhigen, teils bewegten Seegang, nachempfinden. Frech, temporeich in schnellen Läufen, bot auch der zweite Satz »Cortese« ein euphorisierendes Hörvergnügen. Leben pur, in allen Facetten, flirrend jubilierend in allen Höhen und Tiefen, war auch aus dem »Menuett« herauszuhören. Das »Ballet« schließlich, der vierte Satz, setzte der musikalischen Vielfarbigkeit ein weiteres Krönchen auf, zeichnete Pirouetten, Arabesken und Wiegeschrittchen nach – zum Dahinschmelzen schön.

Ohne Zugabe kamen die sympathischen Musiker freilich nicht davon. Nach stürmischem und lang anhaltendem Applaus verabschiedete sich das Quintett ebenso schwungvoll, wie es begonnen hatte, mit einem Tanz von Ference Farkas. Kirsten Benekam

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