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Europa im Blick: Arte setzt im Netz auf Untertiteln

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Peter Boudgoust
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Peter Boudgoust ist seit 2016 Arte-Präsident. Foto: Ulrich Perrey/Archiv Foto: dpa

Untertitel auf Polnisch oder eine Mammut-Doku - Arte will sich ein europäischeres Profil verpassen. Dafür arbeitet Arte mit vielen Sendern aus Europa zusammen. Nur mit einem will das so gar nicht mehr klappen.


Straßburg (dpa) - Der deutsch-französische Fernsehsender Arte will europäischer werden. So sollen mit untertitelten Sendungen im Internet künftig neue Zuschauer außerhalb Deutschlands und Frankreichs gewonnen werden, sagte Arte-Präsident Peter Boudgoust am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Straßburg.

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Etwa 500 Stunden Arte-Programm mit Untertiteln auf Spanisch, Englisch und Polnisch würden pro Jahr ins Netz gestellt, sagte er. Ab Ende der Woche komme noch Italienisch hinzu. «Damit können 70 Prozent der Europäer in ihrer Muttersprache erreicht werden.»

Synchronisierte Fassungen bietet der Sender nur auf Deutsch und Französisch an. Die Untertitel für die ausgewählten Sendungen finanziert nach Angaben Boudgousts die Europäische Union. Die Kosten belaufen sich demnach auf 1,6 bis 2 Millionen Euro pro Jahr.

Monatlich würden die Sendungen mit den Untertiteln in den bislang angebotenen drei Sprachen rund 600.000 Mal angeschaut, sagte Marysabelle Cote, Beauftragte für die europäische Entwicklung bei Arte. Insgesamt kommen Arte-Videos im Netz pro Monat auf sechs Millionen sogenannte Views aus anderen Ländern als Deutschland und Frankreich, wie Claire Isambert sagte, Hauptabteilungsleiterin Kultur. Das entspreche 15 Prozent aller Video-Views von Arte.

Auch eine 24 Stunden lange Doku, die im Mai 2019 laufen werde, soll Europa in den Fokus rücken. Kamerateams drehen für die Sendung «24h Europa in Echtzeit» in der kommenden Woche an rund zwei Dutzend Orten des Kontinents gleichzeitig. Es sollen junge Leute in den verschiedensten Lebenslagen und mit unterschiedlichem Blick auf Europa zu Wort kommen.

Probleme hat Arte seit längerem mit dem polnischen Partnersender TVP. Die Zusammenarbeit liege auf Eis, sagte Programmdirektor Bernd Mütter. Unter anderem ein neues Mediengesetz habe dazu geführt, dass zahlreiche Mitarbeiter des Senders das Haus verlassen mussten. Daher fehlten nun verlässliche Ansprechpartner, sagte Boudgoust.

Ende Dezember 2015 hatte die nationalkonservative Regierung Polens ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das den Schatzminister und damit ein Regierungsmitglied über die Besetzung der Leitungsposten in öffentlich-rechtlichen Medien entscheiden lässt. Zahlreiche bekannte Gesichter verschwanden seitdem aus den TVP-Abendnachrichten. Einigen wurde gekündigt, andere gingen von sich aus und wechselten zu Privatmedien.

Für internationale Produktionen hat Arte neben TVP mit acht europäischen Sendern Kooperationsverträge geschlossen. Unter anderem mit Partneranstalten aus Irland, Belgien, Tschechien und Finnland stimmt sich der Sender über gemeinsam produzierte Dokumentationen oder Autorenfilme ab.

Insgesamt sieht sich der Sender auf einer Erfolgsspur. «Arte hat einen guten Lauf», sagte Boudgoust. Der Marktanteil liege in Deutschland bei 1,2 Prozent. Im Jahr 2011 habe man noch 0,76 Prozent verbucht. Auch in Frankreich stieg der Marktanteil demnach innerhalb dieses Zeitraums: um einen Prozentpunkt auf 2,4 Prozent.