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»Explorer Hotel« nimmt entscheidende Hürde

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So soll das »Explorer Hotel« auf dem Wölflerfeld aussehen, für das der Gemeinderat Schönau am Königssee am Dienstag den Bebauungsplan als Satzung beschloss. Grafik: privat

Schönau am Königssee – Die Planungen für das geplante »Explorer«-Hotel auf dem Wölflerfeld sind am Dienstag einen wesentlichen Schritt vorangekommen. Der Gemeinderat Schönau am Königssee beschloss mit sechs Gegenstimmen die Änderung des Flächennutzungsplans und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan »Explorer-Hotel« als Satzung. Zuvor hatte man erneut die eingegangenen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange und zwei Nachbareinwendungen behandelt.


Die Besorgnis des Marktes Berchtesgaden, dass das Drehleiterfahrzeug die obersten Geschoße des Hotels nicht innerhalb von zehn Minuten erreichen könne, wurde entkräftet. Man hat nämlich bei der Hotelplanung zwei getrennte Rettungswege berücksichtigt.

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Bedenken der Bayernwerk AG wegen der erforderlichen Stromkapazitäten wurden damit entkräftet, dass der benötigte Strombedarf weitestgehend über eine Fotovoltaik-Anlage abgedeckt werden soll. Die Betreiber gehen davon aus, dass für eventuelle Spitzenlasten das bestehende Stromnetz ausreicht und keine Trafostation zu errichten ist.

Hotelnachbar Peter Dengler forderte in seiner erneuten Stellungnahme im Wesentlichen korrekte Maße der Hofreitstraße ein. Dengler erhält zwar zu seinen vorgetragenen Einwendungen die im Baugesetzbuch vorgeschriebene Ergebnismitteilung, die Einwände führten aber nicht mehr zu einer Änderung des Planungszustandes.

Dr. Ursula Hagen sieht schwerwiegende Mängel beim Bebauungsplan, der nicht in Kraft treten dürfe. Sie beantragte eine Visualisierung des geplanten Bauvorhabens mittels eines Schaugerüsts sowie die Einholung einer Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege und die Durchführung einer schalltechnischen Untersuchung.

Die kritisierte angebliche Überdimensionierung des geplanten Hotels wies die Gemeinde in ihrer Stellungnahme zurück und zog Vergleiche zu Gebäuden wie dem Klinikum, dem Hotel »Zechmeisterlehen«, dem »Haus Hubertus«, dem Hotel »Alpenhof«, dem Hotel »Bergheimat«, dem Hotel »Brunneck« und dem Wohnblock Unterstein.

Beachtet worden sei auch eine mögliche Beeinträchtigung benachbarter Denkmäler (zwei Gebäude in der Umgebung), stellt die Gemeinde weiterhin fest. Das geplante Hotel würde nur auf wenigen Metern entlang der Kreisstraße aus Richtung Königssee kommend den Blick auf die Baudenkmäler verstellen. Auch der am Verfahren beteiligte Kreisheimatpfleger hatte trotz seiner Kenntnis von den Baudenkmälern keine Bedenken vorgetragen. Eine schalltechnische Untersuchung hatte aucherbracht,, dass es keine Überschreitung der Richtwerte gebe.

Die Gemeinde sieht im nunmehr erreichten Planungsstand weder eine Unverträglichkeit zur Umgebungsbebauung noch hieraus resultierende Abwägungsfehler. Planungsänderungen wies der Gemeinderat gegen die Stimmen von Richard Lenz, Beppo Maltan, Johann Hölzl, Johann Schwaiger, Markus Koll (alle Freie Wähler) und Josef Springl (CSU) ab.

Dieselben Gegenstimmen gab es bei der vom Gemeinderat beschlossenen Änderung des Durchführungsvertrags mit dem Bauwerber. Der hatte bei der Gemeinde einen Vorhaben- und Erschließungsplan mit dem Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans eingereicht. Der Vorhabensträger verpflichtet sich, ein »Explorer Hotel« mit 100 Übernachtungszimmern zu bauen. Das Hotelgebäude darf eine Grundfläche von 1 200 Quadratmetern und eine Wandhöhe von zwölf Metern nicht überschreiten. Innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Bebauungsplanes ist ein Bauantrag bei der Gemeinde einzureichen.

Das Vorhaben muss innerhalb von 24 Monaten nach Erteilung der Baugenehmigung fertiggestellt werden. Sollte bis spätestens zum Ablauf des 30. Juni 2014 kein rechtsverbindlicher Bebauungsplan bestehen, ist der Vorhabensträger berechtigt, von den Vereinbarungen des Vertrages zurückzutreten. Dazu wird es nun aber vermutlich nicht mehr kommen. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass der Gemeinderat in nicht allzu ferner Zeit über einen Bauantrag entscheiden wird. Christian Wechslinger