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Exquisite Hörgenüsse

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Musikalische Freuden der Superlative kredenzten die Sopranistin Anna Lucia Richter und Pianist Nicholas Rimmer beim Konzert in Traunstein. (Foto: Benekam)

Im zweiten Konzert der Traunsteiner Sommerkonzerte, in denen heuer polnische Komponisten im Mittelpunkt stehen, kamen Liebhaber des Kunstliedes voll und ganz auf ihre Kosten. Liederabende waren früher eine feste Säule der Traunsteiner Sommerkonzerte, jetzt erlebte diese Tradition mit der Sopranistin Anna Lucia Richter einen weiteren Höhepunkt.


Die junge Sängerin zeigte in Liedern von Pauline Viardot-Garcia und Franz Schubert ihr grandioses Potential und machte zusammen mit dem Pianisten Nicholas Rimmer und dem Klarinettisten Bla parovec, die mit Werken von Louis Spohr und Witold Lutoslawski das Programm abrundeten, das zweite Konzert des Traunsteiner Kammermusikfestivals mit exquisiten musikalischen Raritäten zum Hörgenuss der Superlative. Ein Mitschnitt des Bayerischen Rundfunks wird zumindest akustisch das besondere Konzert im Radio zur Wiederholung bringen. Das Vergnügen, die großartigen Musiker in Ausübung ihrer Leidenschaft live zu erleben, also Augen- und Ohrenschmauß in einem, blieb aber dem Traunsteiner Publikum in der Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums vorbehalten.

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Mit drei Liedern (Wiegenlied, Das heimliche Lied und Wach auf) aus »Sechs Deutsche Lieder« für Sopran, Klarinette und Klavier op. 103 von Louis Spohr, erfreute Richter mit klarer, unverbrauchter Stimme. Obwohl Louis Spohr mit seinen Klavierliedern einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des deutschen Liedes geleistet hat, wurde sein Werk im Kunstlied des 19. Jahrhunderts von Musikgeschichte und Liedforschern weitgehend vernachlässigt. In seinen »Sechs Deutschen Liedern« op. 103 kommt mit der Klarinette ein zusätzliches Instrument hinzu. Die Liedtexte stammen aus unterschiedlichsten Quellen, auch von sonst unbekannten Autoren. Spohrs Lieder verlangen vom Interpreten die hohe Kunst gesanglicher Deklamation – für Richter scheinbar ein Kinderspiel.

Im Anschluss kamen die »Dance Preludes« für Klarinette und Klavier von Witold Lutoslawskis zu Gehör. Das fünfsätzige, sehr kontrastreiche Werk basiert auf Volksliedern aus dem Norden Polens und versprüht dementsprechend gute Laune, die sich nicht zuletzt auch durch die ansteckende Musizierfreude und große Virtuosität der beiden Musiker mehrte.

Weiter ging es mit »Drei Lieder für Sopran und Klavier nach Mazurken von Frederic Chopin« von Pauline Viardot-Garcia. Die französische Mezzosopranistin Pauline Viardot-Garcia war nicht nur eine der berühmtesten Sängerinnen ihrer Zeit, sondern zu dem auch noch eine respektable Komponistin. Aus ihren »Drei Liedern für Sopran und Klavier« sprechen sowohl sicheres kompositorisches Handwerk als auch sensible Einfühlung in den jeweiligen Charakter der ganz unterschiedlichen Textvorlagen. Die drei Lieder »Seize ans«, »Berceuse«, und »Aime-moi« stellen stimmlich einen enorm hohen Anspruch, dem Anna Lucia Richter mit spielerischer Leichtigkeit gerecht wird, wobei sie es nie an Ausdruck und Dynamik mangeln lässt. Sie scheint immer zu spüren, ja zu wissen, welcherlei Emotion den Zeilen innewohnt. Das ist mehr als »schöner Gesang«, das ist Liedkunst erster Güte, der sich von jeglichem Mittelmaß absetzt und somit bestens bei den Zuhörern ankam und zutiefst berührte.

Ebenso verhielt es sich mit Nicholas Rimmers Klavierspiel, der mit seinem ganzen Körper die Emotion widerzuspiegeln vermag, die einst die Komponisten in ihre Werke gelegt hatten. So scheint er mit seinem Instrument zu verschmelzen, selbst Rhythmus zu werden, also auf diese Weise die Musik zu leben und zudem in sensibler Bande mit der Sopranistin zu stehen. Eine Kostprobe seiner Virtuosität gab Rimmer auch in der »Hommage à Chopin« für Klavier von dem polnischen Komponisten Simon Laks. Ein »Ereignis«, das in den Zuhörern Freude auslöste und im zweiten Konzertteil noch durch das Mitwirken des Klarinettisten, der mit seiner wunderbaren Instrumentalstimme mit Richters Singstimme in berührenden Austausch ging, gesteigert wurde.

Weitere Highlights wurden den Konzertbesuchern mit insgesamt sieben Liedern von Franz Schubert kredenzt - und das in einer Interpretation von Richter und Rimmer, die ihres Gleichen sucht. Mit Riesenapplaus und Bravo-Rufen bedankten sich die Zuhörer für ein Konzert, das in Erinnerung bleiben wird. Kirsten Benekam