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Ex-Referee Rafati über den Druck: Mich hat es zerstört

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Der ehemalige Bundesliga-Referee Babak Rafati erhebt schwere Vorwürfe gegen Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati kämpft eineinhalb Jahre nach seinem Suizidversuch noch immer um die Rückkehr in den Alltag.


»Ich bin noch nicht komplett geheilt«, sagte er der Zeitschrift »Stern«. »Ich habe eine weite Reise hinter mir aus einer vollständigen Zertrümmerung. Aber jetzt geht es voran, langsam, aber stetig.«

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Der 42-jährige Rafati geht in dem Interview mit sich selbst hart ins Gericht, beschreibt detailliert und sehr emotional seine Depressions-Erkrankung und den Druck in seinem Schiedsrichter-Job. Der frühere FIFA-Referee arbeitet noch nicht wieder in seinem Beruf als Bankkaufmann. Er habe eine schriftliche Option auf Weiterbeschäftigung. »Aber ich brauche noch Zeit.« Vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 am 19. November 2011 hatte er in einem Kölner Hotel versucht, sich das Leben zu nehmen.

Rafati griff Herbert Fandel, den Vorsitzenden der Schiedsrichter-Kommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB), massiv an. Fandel soll zu ihm in einer Phase, als Rafati ohnehin in der öffentlichen Kritik stand gesagt haben: »Jeder darf einen Fehler machen, nur du nicht, Babak.« Dieser Satz sei eine »gefühlte Giftspritze« gewesen und habe ihn bis ins Hotelzimmer in Köln verfolgt. »Bis in die Badewanne. Ich weiß nicht, ob ich ihn irgendwann in meinem Leben loswerde - ich glaube nicht.«

Fandel hatte schon zuvor auf die Vorwürfe reagiert und sie zurückgewiesen. Auch andere leitende Schiedsrichter-Funktionäre im DFB und bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) nahmen Fandel in Schutz.

Rafati beschrieb in dem Interview auch, wie sehr er sich vor den Gesprächen mit seinem Obmann nach Bundesliga-Spielen gefürchtet habe. Er sprach von einer »irrsinnigen Belastungssituation« und habe vor den Telefonaten Schweißausbrüche gehabt. »Das hältst du aus - oder es zerstört dich - mich hat es zerstört.«

Als Rafati als FIFA-Referee abgesetzt wurde, erlitt er einen Zusammenbruch. »Ich konnte plötzlich nicht mehr laufen. Ich hatte ziehende Schmerzen in der Brust und bekam keine Luft.« Bei seinem letzten Bundesliga-Spiel Stuttgart - Hoffenheim habe er richtige Aussetzer gehabt: »Alles lag wie hinter einer Nebelwand. Ich hörte nicht mehr, was mir die Assistenten über das Headset zuriefen.«