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Faire Preise statt Wohltätigkeit

Über 200 Bauern kamen auf ihren Traktoren zum Obersalzberg, um die Agrarminister von Bund und Ländern auf ihre Situation aufmerksam zu machen und für einen fairen Milchpreis zu demonstrieren. Foto: Anzeiger/Thoma-Bregar
Die Milchbauern wollen, dass es mit der Landwirtschaft bald wieder aufwärts geht. Foto: Anzeiger/B. Stanggassinger

Berchtesgaden - Konrad Danner wollte ein Zeichen setzen. Dafür hat er die beschwerliche Anfahrt auf sich genommen, ist um 5 Uhr in der Früh aufgestanden, hat sich auf seinen Traktor gesetzt und ist von Traunwalchen nach Berchtesgaden gefahren. Sein Ziel: das Luxushotel »Intercontinental« auf dem Obersalzberg. Dort tagten bis Freitag Deutschlands Agrarminister (wir berichteten). Gemeinsam mit über 200 Bauern aus ganz Bayern forderte Danner im Rahmen der Traktoren-Demo eine angemessene Honorierung ihrer Arbeit.


Eigentlich hätte Vollerwerbsbauer Konrad Danner gerade jede Menge zu tun. Das Wetter steht endlich auf Frühling und auf dem Schreiberhof gibt es viel Arbeit. Feld und Wiese müssen bestellt werden, damit die 40 Kühe mit ihren Kälbern volle Futtertröge haben.

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35 Hektar ist der Milchviehhof von Konrad Danner groß. Statt im Stall steht er heute lieber auf dem Obersalzberg und protestiert. Angeführt vom Bundesverband der Deutschen Milchviehbauern (MDB) haben sich 203 Landwirte im großen Traktorkonvoi zusammengeschlossen und sind aus Richtung Inzell, Ainring und Aufham-Anger angereist. Sie haben sich in Sichtweite zum Hotel »Interconti« postiert und machen ihrem Ärger mit lauten Hupkonzerten Luft. Im Konferenzsaal des Fünf-Sterne-Hauses tagen derweil die Agrarminister der Länder samt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ein großes Polizeiaufgebot hält die Demonstranten auf Abstand.

»Ich bin der Meinung, dass sich die Politiker über die Bedürfnisse der Bauern hinwegsetzen. Sie sind so durch die Agrarindustrie gesteuert, dass sie gar nicht mehr sehen, was die bäuerlichen Familienbetriebe täglich leisten. Und honorieren wollen sie es auch nicht«, sagt Danner.

Dass das Leben von der Landwirtschaft in den letzten Jahren immer schwerer geworden ist, weiß auch Grünlandbauer Lorenz Hagenauer aus Hausen in der Gemeinde Saaldorf-Surheim. »Die Produktpreise sind niedrig, die Auflagen und die ganze Bürokratie werden immer mehr und die Abhängigkeiten auch. Was wir wollen, ist ein gerechter Preis, der unser Auskommen auch ohne politische Wohltätigkeiten sichert.« Schließlich sollen auch die nächsten Generationen auf dem Geiglhof von ihrer Arbeit leben können, sagt Lorenz Hagenauer. »Noch gibt er für uns eine Existenzgrundlage her und ich bin nicht gewillt, das wegen politischer Willkür aufzugeben.« Die vielen anderen Bauern, die teilweise sogar aus der Oberpfalz hergefahren sind, um über parteipolitische Grenzen und Interessensgruppierungen hinweg Flagge zu zeigen, machen Lorenz Hagenauer Mut. »Uns allen liegt einfach etwas an unseren Betrieben«.

Was die Ergebnisse der Agrarministerkonferenz betrifft, zeigt sich Hans Haunerdinger, BDM-Kreisvorsitzender Berchtesgadener Land, weder euphorisch noch enttäuscht. »Da ist einiges dabei, mit dem wir weiterarbeiten können und das in die richtige Richtung geht«. So könne er sich zum Beispiel mit einem freiwilligen Lieferverzicht anfreunden. »Das würde bedeuten, dass wir bei einem Überangebot weniger liefern, damit der Preis nicht abfällt und dafür bekommen wir dann einen Ausgleich bezahlt«.

Vom Milchpreis hat sich Bauer Hagenauer aus Saaldorf-Surheim keine großen Wunder erwartet, wohl aber bessere Rahmenbedingungen. »Wir brauchen Märkte, wo die Produktion von den Bauern gesteuert wird«. Und für Konrad Danner steht fest, dass auch der Konsument Einfluss auf die Situation der Bauern hat. »Ich glaube, dass viele bereit wären, für Qualität mehr zu bezahlen«, ist er überzeugt. Und macht sich am Freitagnachmittag wieder auf den langen Rückweg zu Haus und Hof. Sein Fazit: »Das war es wert«. Kathrin Thoma-Bregar