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Die Tagessieger Cindy Friebel (Mitte) und Julian Erhardt (rechts) erhielten von Ainrings Bürgermeister Markus Winkler ihre Pokale. Weitere Fotos finden Sie auf unserer Internetseite. (Foto: Mergenthal)

Familiäre Atmosphäre, tolle Strecke und ein super Publikum

Ein bisschen zittern ob des Wetters mussten die Organisatoren des Höglwörther-See-Triathlons: Beim Gewitter am Freitagabend hatte es das schon am Vortag aufgestellte Zelt weggerissen, und am Wettkampftag gab es mittags noch einen Schauer. Doch pünktlich zum Böller-Startschuss von Max Winkler am Höglwörther See herrschte bestes Triathlon-Wetter für die 141 Athleten.

Der schnellste Triathlet war am Ende Julian Erhardt aus Übersee mit 55:53,66 Minuten. Der Profi stellte damit auch einen neuen Streckenrekord auf. Die schnellste Frau wurde die Freilassingerin Cindy Friebel (RSC Götzing) mit einer ebenfalls tollen Zeit von 1:08:05,88 Stunden.

Eine familiäre Atmosphäre prägte den nach den Corona-Beschränkungen ersten Live-Triathlon in Anger nach 2019. Es war ein großes Wiedersehensfest für die ganze Triathlon-Gemeinde und die stattliche Schar der Helferinnen und Helfer des SC Anger unter Regie von Georg Kern, der auch die Wettkampfleitung inne hatte und aus luftiger Perspektive über dem Zieleinlauf-Tor moderierte. Die Teilnehmer waren zwischen17 und 74 Jahre alt. Auch 13 Staffeln traten an.

»Schön, dass es die kleinen Wettkämpfe noch gibt«, schwärmte Stefan Lang aus Waldkraiburg von der LT Zwecks da Gaudi am Schwimmstart am Schornbach. Er war wie seine Frau Petra aus Spaß an der Freud dabei. Am Schwimm-Ziel bei der Gruber Eiche jubelten die Laufkinder des SC Anger den eintreffenden Schwimmern zu und später gaben sie am Höglwörther See für die Läufer Wasser aus. Auf den Schultern von Opa Sepp Niederberger feuerte auch die kleine Romy (4) mit einer Tröte ihren Papa Sebastian kräftig beim Kraulen an.

Nach 400 Metern Schwimmen waren 20 Kilometer Radstrecke über den Högl zu bewältigen, bei der der starke Wind so manchem zu schaffen machte. Am Dorfplatz wurde das Rad gegen die Laufschuhe getauscht, und unter Jubel zahlreicher Zuschauer ging es nochmals zu Fuß ab nach Höglwörth, um den See herum und zurück. Bei einer zusätzlichen Dorfplatzrunde wurden die letzten Reserven mobilisiert, um die 5-km-Runde voll zu machen.

Eine Zeit unter einer Stunde hatte sich Julian Erhardt (30) zum Ziel gesetzt – und es klappte perfekt. In letzter Minute hatte der Profi-Triathlet von Triathlon Grassau beschlossen, in Anger zu starten, weil sein ursprünglich geplanter Triathlon – der Ironman 70.3 in Dresden – ausgefallen war. »Sport ist meine Leidenschaft«, sagte der Student der Sportwissenschaften, der in diesem Jahr schon die Rennen in Mußbach und Maxdorf gewonnen hatte.

Für ihn schließt sich mit dem Start in Anger der Kreis: In seinen Jugendjahren nahm er mehrfach in Anger teil – zuletzt vor zehn Jahren. Während aller drei Disziplinen hielt er seinen stattlichen Vorsprung. »Ich habe immer Gas gegeben, denn ich wollte keine Zweifel aufkommen lassen.« Nun hält er dort auch ab sofort den Streckenrekord.

»Ich hab schon gewusst, dass gegen Julian nix geht«, gab der Zweitplatzierte Herbert Enzinger (28) zu, der 2010 seinen ersten Triathlon in Anger bewältigt hatte. Beim Schwimmen war er allerdings nur gut 18 Sekunden hinter dem späteren Sieger zurück. »Beim Radfahren habe ich es nochmals probiert, aber dann bin ich am Högl eingegangen.« Immerhin durfte sich der Sieger der Sparkassen-Triathlon-Trophy, der in Rabenden gewonnen hatte, über einen großen Fresskorb freuen. Für den Start am Höglwörther See war er von Passau, wo er für die KFZ-Meister-Prüfung lernt, schnell mal heimgefahren. Was ihm hier so gefällt: »Die Radstrecke ist nur drei Kilometer von mir daheim entfernt, die Strecke ist super, das Publikum auch und die Dorfplatzrunde ist der Wahnsinn. Und ich kenne fast an jeden.«

Lob für die Crew des SC Anger gab es auch vom Drittplatzierten, dem Niederösterreicher Norbert Dürauer: »Ein Riesen-Kompliment zu dieser wahnsinnig sympathischen Veranstaltung. Eine super Strecke, echt familiär.« Er war mit dem Zug hergefahren und radelte mit einer Übernachtung wieder heim.

Als Quereinsteigerin kam Cindy Friebel, eine ehemalige Leistungsturnerin und Cheerleaderin, durch eine Wette mit ihrem Papa, wer beim Feldkirchner Triathlon schneller ist, vor sieben Jahren zum Triathlon. In Anger startete sie nun zum ersten Mal. »Anspruchsvoll« fand Friebel, die eigentlich auch in Dresden starten wollte, das viele Auf und Ab auf der Rad- und der Laufstrecke. Die Chemie-Ingenieurin war auch beste Frau bei der Trophy und fiebert nun ihrem Start bei der Ironman-WM auf Hawaii im Oktober entgegen. Bei der Siegerehrung am Rathausplatz konnte sich auch die schnellste Staffel (Stefan Klinger/Schwimmer, Andi Ortner/Radfahrer und Hans Mühlbauer/Läufer) feiern lassen.

vm