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Familienaufstellung auf volksmusikalischer Basis

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Die Geschwister Well mit Karli, Burgi, Bärbi, Stofferl, Moni und Michael (von links) bei ihrem Auftritt in Stein. (Foto: Mix)

Ihr Programm heißt »Fein sein beinander bleiben«. Sehr einträchtig und harmonisch präsentieren sich die drei Schwestern und drei Brüder aus der 15-köpfigen Schar der Geschwister Well dabei bei ihrem Auftritt im Rahmen der Steiner Literaturwoche.


Doch im Laufe des Abends wird – kabarettistisch und äußerst amüsant aufgearbeitet – dann doch deutlich, dass es auch bei den Wells wie bei allen anderen Familien mitunter Unstimmigkeiten gibt. Musikalisch sind die sechs Vollblutmusiker nicht zu toppen, sie haben ein ganzes Arsenal an Musikinstrumenten dabei, die sie alle perfekt beherrschen.

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Die drei Schwestern Burgi, Bärbi und Moni sind als Wellküren bekannt, die Brüder Stofferl und Michael kennt man von der Biermösl Blosn und Bruder Karli vervollständigt das Sextett. Sie erzählen auf humorvolle Art aus ihrer Familiengeschichte, machen quasi eine »Familienaufstellung auf volksmusikalischer Basis«. Für die Geschwister ist der Abend in Stein ihrem Bekunden nach nicht mehr als eine Probe. Denn sie haben eigentlich Größeres im Sinn, planen gerade ihre Welttournee. Sie sollen angeblich auf der Hochzeit von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht spielen, beim Oktoberfest im texanischen San Antonio auftreten, bei den Highlandgames im schottischen Edinburgh und den oberbayerischen Kulturtagen in Shanghai. Dass sie bereits bestens darauf vorbereitet sind, zeigen sie mit den »lustigen Holzhackerbuam« gespielt auf dem Dudelsack und dargeboten als Linedance. Auch singen die Damen bereits perfekt auf Chinesisch, das sich für bayrische Ohren überraschend bekannt anhört.

Zwischendurch kommt es immer wieder zu leichten Spannungen unter den Geschwistern, die eine alte Familiengeschichte in verschiedenen Varianten erzählen. Die damals erst eineinhalb Jahre alte Moni soll doch dem Stofferl einst den Schürhaken so heftig auf die Nase geschlagen haben, dass dieser beinah verblutet wäre. Stofferl erzählt die Geschichte naturgemäß besonders dramatisch, währen die Moni alles abstreitet. Die Brüder und Schwestern haben ihre eigenen Versionen der Geschehnisse damals, die man dem Publikum zum Besten gibt. Bärbi hat seitdem gar ein »Kartoffelsalat-Trauma«, da die Mutter Stofferls Blut in der Schüssel aufgefangen haben soll, in der einen Tag später wieder Kartoffelsalat auf den Tisch kam.

Ihre sozialkritische Ader, für die die Geschwister Well allesamt bekannt sind, kommt in mehreren Liedern zu Wort. So tragen sie im Namen der bayerischen Bauern einen gerappten Protestsong zur Situation auf dem Milchmarkt vor mit dem Titel »Forty Cent«. Im Refrain heißt es darin »forty cent oder da Aldi brennt«. In weiteren überaus amüsanten Liedern, in denen sich eventuell auch der eine oder andere Zuhörer wiederfinden konnte, geht es um Beziehungskrisen, wenn Moni singt »da Teifi soid’n hoin«, oder um die Versorgung der älteren Generation mit dem Titel »Wer nimmt’n d’Oma?«.

Immer wieder spielt die Stubnmusi bei der Familie Well eine wichtige Rolle, die ist angeblich die beste Verhütung, »unsre Eltern miassn des ja wissen«. So verwundert es auch nicht, dass mit den Alphörnern Lieder wie »Wochenend und Sonnenschein« genauso gespielt werden wie »We will rock you«. Die unglaubliche Musikalität und Virtuosität jedes einzelnen der Well-Geschwister ist beachtlich und kommt bei ihrem Auftritt mit den vielen wechselnden Instrumenten auch bestens zur Geltung.

Die Besucher belohnten die Wells mit lang anhaltendem begeisterten Applaus. Pia Mix