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Familienfriede nach dem Kriegseinsatz

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Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus, besuchte die Familien in Schönau am Königssee und machte dabei Bekanntschaft mit einem Therapiehund. Foto: Anzeiger/Thoma-Bregar

Schönau am Königssee – Die Bundeswehr bietet für besonders belastete Soldaten und deren Familien seit vier Jahren sogenannte »Körper-Seele-Geist«-Seminare an. Derzeit verbringen zwölf Familien eine Woche in Schönau am Königssee und werden von Seelsorgern und einer Psychologin professionell begleitet. Am Mittwoch stattete der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus, der Gruppe einen Besuch ab und versprach, sich für den Fortbestand der Seminare einzusetzen.


Als das Projekt vor vier Jahren ins Leben gerufen worden war, waren Brigadegeneral Johann Berger, der Kommandeur des Landeskommandos Bayern, und Militärdekan Monsignore Reinhold Bartmann die maßgeblichen Initiatoren. Die Anschub- und Anschlussfinanzierung der Seminare erfolgt durch die Katholische Militärseelsorge. Einsatzrückkehrern bei der Wiedereingliederung in ihre Familien zu unterstützen, ist der Hauptansatz der KSG-Seminare.

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Posttraumatische Belastungsstörung

»Die Soldaten waren vier bis sechs Monate fort und kommen mit Erlebnissen nach Hause, die sie dort mit niemandem teilen können. Die Familie und das private Umfeld verstehen sie nicht und beide Seiten sprechen eine eigene Sprache«, erklärte Berger bei einer Pressekonferenz. Fachleute sprechen dabei von der Bewältigung »Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS)« und meinen eine verzögerte Reaktion auf belastende, negative Erlebnisse, von denen Soldaten in Kriegsgebieten besonders betroffen sind.

Der Grundgedanke für das Projekt kam von seiner Frau, wie Brigadegeneral Berger verriet. »Um ihnen zu helfen, muss man die Familien aus ihrer Alltagssituation rausnehmen.« Eine Woche sind deshalb derzeit zwölf Soldatenfamilien im Haus Buchenhaus in Schönau am Königssee untergebracht.

»Wir wollen nach Möglichkeit alles, was mit dem Beruf und der Verpflichtung zu tun hat, hier mal weglassen. Alle sollen alles nur freiwillig machen dürfen. Wer Sport machen will, soll es machen, wer wandern gehen will, soll mitgehen.« Allerdings habe sich gezeigt, dass sich ganz automatisch eine Gruppendynamik einstellt und sich alle an allem beteiligen. »Aber auf Befehl veranlassen kann man so etwas nicht«, betonte Berger.

Vierjährige Erfahrung

Die teilnehmenden Familien gehören zum Feldjägerbataillon 451 aus München, eines von drei Zielgruppen des Projekts. »Man kann diese Seminare nicht für alle zugänglich machen. Bei mehreren 100 000 von Kontingentsoldaten ist das finanziell und organisatorisch nicht machbar.« Deswegen habe man sich auf die beiden südlichen Feldjägerbataillone und das Zentrum für Kampfmittelbeseitigung der Bundeswehr beschränkt. »Die dortigen Soldaten sind besonders oft im Einsatz und sehr belastet«, so Berger. Dabei gebe es durchaus Hemmschwellen, sich für ein KSG-Seminar anzumelden. »Probleme in der Familie will man nicht unbedingt vor anderen Preis geben. Bis man herausfindet, dass es einfacher ist, damit umzugehen, wenn auch andere Betroffene mit dabei sind. Meist öffnen sich die Teilnehmer zur Mitte der Woche und suchen die Gespräche mit den Seelsorgern, mit unserer Psychologin oder mit den anderen Familien«, weiß der Brigadegeneral aus vierjähriger Projekterfahrung.

Wie es in Zukunft mit dem Projekt weitergeht, weiß Brigadegeneral Berger nicht. Er selbst wird im November in den Ruhestand gehen und der Militärdekan Monsignore Reinhold Bartmann wurde zum Militärgeneralvikar zum Katholischen Militärbischof nach Berlin berufen. »Es müssen sich dann Leute finden, welche die Idee weiter verfolgen und in sich tragen«, sagt Berger. Denn die meisten aus dem Projektteam, vom Sportlehrer bis zur Studentin im Offiziersrang, seien freiwillig dabei und würden dafür sogar den eigenen Urlaub opfern.

Hoffnung auf einen Fortbestand machte Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages. Er versprach bei seinem Besuch in Schönau, alles dafür zu tun, dass die KSG-Seminare weitergehen. »Es muss im Bundeshaushalt als wesentlicher Haushaltstitel verankert werden.«

»Umdenken ist notwendig«

Dass die nächsten Familienangehörigen integriert sind, also die Ehepartner und die Kinder, hält er für immens wichtig. »Das ist etwas, was sonst fehlt und was wir dringend weiter verfolgen müssen. Da ist ein Umdenken notwendig. Die Fürsorge ist bis dato auf den Soldaten ausgerichtet, der aus dem Auslandseinsatz zurückkommt. Dabei gilt es nicht nur, ihn zu betreuen, sondern eine Familie nach einer langen Trennung wieder zusammenzuführen«, so Königshaus. »Das hier ist ein wichtiges Impulsstück, das wir in anderen Bereichen nachahmen müssen.«

Achtmonatige Auslandseinsätze bezeichnete er als »dramatisch« und viel zu lang. »Teilweise wird ungeplant verlängert und das bringt die Familien in große Probleme. Jeder Tag, der über vier Monate hinausgeht, ist nach meiner festen Überzeugung einer zu viel. Wenn es denn unvermeidbar ist, müssen wir wenigstens sehen, dass die Familien wieder zusammenfinden können. Da kann man nicht einfach sagen ›Seht zu, wie ihr das selbst schafft‹. Es war ja der Dienstherr, der sie auseinandergerissen hat.« Kathrin Thoma-Bregar