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Fan als Finanzier: «Crowdfunding» erobert Sportvereine

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David Zeidler (r) und Stefan Uhlmann, die Gründer von «Klubkasse.de». Foto:Dieter Grundmann/Westend-PR Foto: dpa

Berlin (dpa) - An der Spitze der Tabelle steht unangefochten der SV Babelsberg 03. Die Potsdamer mögen nur in der Regionalliga kicken, doch im Spenden-Ranking spielen sie ganz oben mit.


Mehr als 2000 Euro haben Babelsberg-Fans über das Internetportal klubkasse.de schon in die leere Vereinskasse geklickt. Was Profi-Vereinen als Tropfen auf den heißen Stein erscheinen mag, bescherte dem Brandenburger Sportclub immerhin erstmals einen befestigten Weg zum Stadion.

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Der Clou: Die SV-Fans haben beim Shoppen Geld gespendet, ohne extra Spendengeld zu zahlen. «Durch das Klicken auf den Shopping-Link erhält Klubkasse.de eine Provision, die wir anteilig an den Sportverein weitergeben», sagt Portalgründer Stefan Uhlmann. Die Spende besteht also darin, nicht direkt bei Amazon oder Zalando einzukaufen, sondern einen kurzen Umweg über Klubkasse.de zu nehmen. Im Durchschnitt landen zwei Prozent des Nettowarenwertes bei den Sportvereinen. Bei mehr als 1000 Anbietern können Klubkasse-Nutzer schon einkaufen und so ihren Lieblingsverein unterstützen - indem sie etwa Autos mieten, Reisen buchen oder Sportartikel bestellen. «Charity-Shopping» nennt David Zeidler das Konzept.

«Die Vereine nehmen das dankbar an», sagt Zeidler, der das Portal vor einem halben Jahr mitgegründet hat. Aber: «Wir wollen nicht nur eine anonyme Spendenbüchse sein.» Stattdessen stimmen User ab, was mit dem gesammelten Geld passieren soll. Während die Potsdamer den Gehweg ausbesserten, besorgte ein Kegelclub seinem Jugendteam neue Kugeln. Der 1. FC Lokomotive Leipzig kaufte von dem Geld neue Fußballnetze. «Das Geld ist nicht so üppig», sagt ein Sprecher über die Leipziger Vereinskasse. «Jeder Euro ist gern willkommen.»

Geldquellen jenseits von Banken und Geschäftsleuten zu erschließen, ist im Internet nicht neu. Wer keine großen Investoren findet, fragt einfach viele kleine. Dies wird als «Crowdfunding» bezeichnet, auf Deutsch bedeutet das so viel wie «Schwarmfinanzierung». Besonders Musiker, Designer und Filmemacher sammeln kleine Beträge für große Projekte, etwa auf Plattformen wie Kickstarter, Startnext und Inkubato. Auch die Computerspiel-Gemeinde stützt mittlerweile Ideen ihrer liebsten Spiele-Entwickler. Und der Film «Stromberg» machte Ende 2011 von sich reden, als Fans insgesamt eine Million Euro für den Dreh bereitstellten.

Der Hamburger Kult-Club FC St. Pauli wählte seine ganz eigene Methode des «Crowdfundings». Er warf eine Summe von 8 Millionen Euro auf den Mark und verkaufte seinen Fans festverzinsliche Anleihen im Wert von 100, 500 und - passend zum Gründungsjahr des Vereins - 1910 Euro. «Die Summe wurde relativ schnell erreicht», sagt Vereinssprecher Christian Bönig. Noch wichtiger aber sei das bei solchen Aktionen geförderte Gemeinschaftsgefühl. Zu einer T-Shirt-Spendenaktion in der schwierigen Vereinsphase 2003 sagt Bönig: «Die Retterkampagne hat das Wir-Gefühl unfassbar gestärkt.»

Klubkasse.de

Anleihe FC Sankt Pauli

Crowdfunding-Projekte bei Kickstarter

Crowdfunding-Projekte bei Startnext

Schwarmfinanziertes Computerspiel