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»Fangt's scho s'Apern o«

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Die Organisatorinnen des Berchtesgadener Frühlingssingen, die Stoaberg Sängerinnen.
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Die Goiserer Klarinettenmusi spielte zünftig auf. (Fotos: B. Stanggassinger)
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Die Gröbenbach Musi. Weitere Fotos gibt es online unter www.berchtesgadener-anzeiger.de.
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Fein aufeinander abgestimmt: der Hamberger Dreigesang.

Berchtesgaden – 600 Zuhörer haben am Samstag im Großen Saal des »AlpenCongress« dem Berchtesgadener Frühlingssingen gelauscht. Die Musikgruppen waren bestens aufeinander abgestimmt. Stimmungsvoll spielten zwei Bläsergruppen, Holzbläser und Blechbläser. Ruhigere Töne gab es hingegen von zwei Seitenmusikgruppen und nachdenklich bis lustig waren die Lieder dreier Gesangsgruppen.


Mit dem »Heimkehrer-Marsch« eröffnete die Tegernseer Tanzlmusi den Frühlingshogoascht. Grußworte gab es vom Leiter des »AlpenCongress«, Sepp Wenig. Er bedankte sich bei den Stoaberg Sängerinnen für die Organisation des Frühlingssingens. Eva Angerer begrüßte das Publikum im Namen der Stoaberg Sängerinnen. Die Kiesenhofer Geigenmusi hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, dafür ist die Goiserer Klarinettenmusi eingesprungen.

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Die Volksmusik wieder spürbar machen

Auch Sprecher Andreas Estner war erkrankt. Für ihn sprang Peter Gillesberger aus Gschwand bei Gmunden ein. Mit der »Banzanner«-Polka, gespielt von der Kirchleitn Saitenmusi aus dem Chiemgau, ging es weiter. Gillesberger trug danach ein Gedicht über Kulinarik aus seiner Heimat vor. Er freute sich über die vielen Besucher und scherzte: »Es wird wohl heute nichts Gescheites im Bayerischen Fernsehen geben, weil so viele gekommen sind.« Man solle die Volksmusik wieder spürbar machen, den Winterschlaf vergessen und das Frühjahr hereinlassen, war seine Aufforderung.

Weiter ging es mit den Hollerschnapszuzlern, die sangen: »Wia gfreit sich net mei Bluat, wenn d'Sonn an Schnee wegduat.« Diese Gesangsgruppe, bestehend aus Hans Pliem, Hermann Grill, Klaus Neuper und Gernot Gföllner, gibt es seit 16 Jahren. Ihren Namen »Hollerschnapszuzler«, haben sie sich nach der gemeinsamen Vorliebe für den Edelbrand gegeben.

Klaus Neuper mit Gitarre, Harmonika und Tuba, sowie Gernot Gföllner, Gitarre, Harmonika, Basstrompete, F-Bass und Seitlpfeife, singen und spielen nicht nur bei den Hollerschnapszuzlern, sondern auch bei der Goiserer Klarinettenmusi. Das erste Stück, die »Nagl«-Polka, war schmissig gespielt. Zur Goiserer Klarinettenmusi gehören weiters Georg Leu an Posaune und Trompete, Franz Leitner an der 1. Klarinette und Trommel, Manfred Neubacher an der 2. Klarinette, Gitarre und Tuba und Walter Klanner an Tuba, Bassgeige und Posaune.

Vom »Flori Walzer« zum »Krautschaffi«

Eine hochkarätige und in Volksmusikkreisen hochgeschätzte Saitenmusik ist die Gröbenbachmusi aus Dachau. Sie besteht aus Hubert Blaser an der Gitarre, Karl Schabmair am Kontrabass, Heinz Neumaier an der Gitarre und Roman Messerer an der Zither. Sie benannten sich nach einem Bach, der vom Dachauer Moos kommend bei ihnen vorbei seinen Weg in die Amper sucht. Ihre instrumentalen Stückl waren der »Flori Walzer«, »Hafer und Weizen«-Polka, »Hirschenlandler«, »das Krautschaffi«, ein Böhmischer und das Stückl »G'schwinder da Gesünder«.

Der Hamberger Dreigesang, in Besetzung mit Gabi Hamberger, Genoveva Schwarz und Stephan Hamberger, sangen die Frühjahrslieder »Fangt's scho s'Apern o«, »Fahr ma mit'n Winter«, »Aber lustig wohlauf«, »In's Gailtal eini« und »S'schee Tal«.

Bilderstrecke:

Die Stoaberg Sängerinnen, Eva Angerer, Christa Graßl und Ursula Eder, trugen Stückl aus ihrem Liederbuch vor. »Jetzt fangt des schene Frühjahr an«, »Griaß di God schena Frühling« und »So a Wildschütz is verwegen«, sangen sie. Der Vater von Eva Angerer ist vor vier Wochen verstorben, deshalb sangen sie zum Schluss ihm zu Ehren das Lied »Herr im Himmi«.

Die Tegernseer Tanzlmusi spielte im Original mit sieben Musikanten auf, sie spielten eine Helikontuba, zwei Flügelhörner, zwei Basstrompeten, eine Gitarre und eine Steirische Harmonika. Der Name »Tegernseer Tanzlmusi« lässt sich ganz einfach auf die Tatsache zurückführen, dass alle Musikanten der Tanzlmusi rund um den Tegernsee zuhause sind. Bei der flotten und lautstarken Musik gab es im Publikum kein Ermüden. Sie spielten im Laufe des Abends noch den »Gamsgebirg«-Marsch, den »60er«-Marsch, den »Pflaumboarischen« und den Marsch »Mein Steirer Land«.

Ein Stück ruhiger war die Musik der Kirchleitn Saitenmusi. Sie kam aus der Gegend um Wasserburg – am Hackbrett saß Renate Ganslmeier, an der Zither Rudi Ritter und Birgit Krug an der Harfe. Bartholomäus Hollinger und Margit Berger spielten jeweils Gitarre und Stefan Huber Kontrabass. Ihr musikalischer Beitrag waren die »Bannzanner«-Polka, »Für d'Birgit«-Polka, »Schideibi«-Landler, »A Pinzgerisch Walzerl« und die »Keilpolka«.

Applaus für die Jäger

Sprecher Peter Gillesberger hatte viele Geschichten vorgetragen, Humorvolles in Gedichtform und als Witz. Er hat einen weiten Bogen über das Frühjahr gespannt. Man konnte ihm gut zuhören, er wusste etwas über das Bierbrauen, die Arbeit des Bauern, über die Liab im Frühling, über das Almleben und über die Rentner zu erzählen. Von Wildschützenliedern leitete er über zu der Jagd. Er forderte das Publikum auf, den Jägern zu applaudieren, welche in diesem Winter mit der Fütterung eine harte Arbeit hatten.

Der Gröbenbachmusi war es ein Anliegen, ein anderes Musikstück als angekündigt zu spielen. Grund dafür war der im Publikum sitzende Herbert Lagler. Ihm zu Ehren spielten sie ein Stück von Tobi Reiser.

»Lasset uns das Leben genießen«, forderten die Hollerschnapszuzler in ihrem letzten Lied auf. »Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören«, sagte Gillesberger zum Schluss. In einer kurzen Zusammenfassung ließ er den schönen Abend Revue passieren.

Einen »Aussischmeißer«, spielte die Tegernseer Tanzlmusi. Das Publikum forderte eine Zugabe, so spielten alle zusammen das Lied »Du wunderschönes Gamsgebirg«. Bernhard Stanggassinger