weather-image
19°

»Fast wie Prostitution auf hohem Niveau«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Vergnügliche Flucht in die Kulturfabrik NUTS: Die Kabarettistin Franziska Wanninger auf der Suche nach einem Lied für die Kreuzfahrt-Tournee. (Foto: Heel)

Zwei sehr vergnügliche Stunden bereitete die Münchner Kabarettistin Franziska Wanninger ihrem Publikum in der sehr gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wohin sie vor ihrem Manager geflüchtet war.


Der säße ihr nämlich im Nacken, wie sie behauptete, um sie für einen Auftritt auf einem Kreuzfahrtschiff zu verpflichten. Dazu bräuchte sie aber ein Lied, und zwar dringend. Ob ihr das Publikum vielleicht helfen könne? Aber ja doch, schallte es aus dem Publikum zurück. Weil das aber seine Zeit dauerte, hatte sie zwischendurch reichlich Gelegenheit, von sich zu erzählen. Etwa von ihrer übellaunigen Tante Elfriede, bei der sie derzeit (notgedrungen) wohnt und die »sich aus Geiz mal nur bis zur Hüfte eingraben lässt, damit sie das Grab selber pflegen kann«.

Anzeige

Und schon waren wir mittendrin in ihrem neuen Programm »AHOIbe – Guad is guad gnua«, in dem die 35-jährige Kabarettistin mit »vollem Körpereinsatz« aufs Tapet brachte, was sie nervt. Zum Beispiel der Hype um »Fifty Shades of Grey«: »Früher haben die Männer ihre Frauen einfach so verdroschen – heute gehört es zum guten Ton«. Zum guten Ton gehöre mittlerweile auch der »Beratungsdiebstahl«, speziell in den Elektro-Märkten, der aus jedem Kunden einen Verdächtigen mache: »Do is scho wieder oane!«. Und dass sie ihren Job als Vertreterin für Alarmanlagen nur deswegen verloren habe, weil sie, wenn keiner zuhause war, die Prospekte auf dem Küchentisch hinterlegt hat, könne sie auch nicht verstehen. Aber egal, jetzt mache sie ja Kabarett, auch wenn dies »fast wie Prostitution auf hohem Niveau« sei.

Wie dem auch sei, der Job liegt ihr und ihre »Kundschaft« im NUTS zeigte sich hochzufrieden mit ihrer Leistung. Zumal Franziska Wanninger, mimisch auf Zack und versiert in diversen Dialekten, auch andere Figuren aus ihrem Repertoire zu Wort kommen ließ. Etwa ihren Manager, einen großkotzigen Hamburger, der betonte, dass sie nicht zu übersehen sei. Womit er nicht ihre Schönheit gemeint hatte! Die Kabarettistin nahm es gelassen und parodierte zum Ausgleich ein paar Schlagersänger. Nebenher griff sie immer wieder zur Gitarre und nahm Vorschläge aus den Zuschauerreihen auf. Was am Ende tatsächlich zu einem brauchbaren Lied führte.

Abschließend nahm Franziska Wanninger noch den Selbstoptimierungswahn aufs Korn, denn »guad is guad gnua«, und als Zugabe erzählte sie ein paar Anekdoten von ihren Auftritten in der Provinz, wo die Uhren bekanntlich anders ticken. Ob dies auf hoher See auch der Fall ist, werden wir hoffentlich eines Tages erfahren. Bis dahin, ahoi, liebe Franzi und auf Wiedersehen im NUTS. Wolfgang Schweiger