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Faszinierende Büsten

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Ekkehard Wiegand gibt in seinem Atelierhaus einen Einblick in seine Werke. (Foto: Morgenroth)

Jeden Sommer öffnet der Bildhauer Ekkehard Wiegand sein Atelierhaus in Gengham bei Palling und gibt einen Einblick in sein umfangreiches Kunstschaffen. Außerdem lädt der Künstler immer wieder Künstlerkollegen ein, die dort ihre Werke zeigen – in der diesjährigen Ausstellung sind neben den Werken des Hausherrn in Zusammenarbeit mit Freia Kempe-Wolter und der Galerie Kempekunst aus Gräfelfing ausgesuchte Grafiken der Klassischen Moderne – überwiegend Lithografien und Farblithografien von Otto Dix, Marino Marini, Pablo Picasso, Zoran Antonio Music, Pierre Grimm, Antoni Tapies und Roy Lichtenstein – zu sehen.


Bereits beim Betreten des idyllisch gelegenen Anwesens und des liebevoll gestalteten Gartens, in dem bereits mehrere Bronzen von Ekkehard Wiegand aufgestellt sind, werden Besucher auf die Arbeiten des Künstlers aufmerksam gemacht und auf sein künstlerisches Schaffen eingestimmt. Die unglaubliche Faszination, die im Außenbereich auf den Besucher wirkt, setzt sich in den Innenräumen des Atelierhauses fort.

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Mit seinem umfangreichen Oeuvre zählt Ekkehard Wiegand zu den herausragenden Künstlern im Chiemgau. Sein bildhauerisches Werk ist voller Erfindungen. Mit dem Titel »Annäherungen, Serien und ein Panzer« umschreibt der Künstler seine Radierungen von 2015 und Bronzen von 2017, die er nun erstmals zeigt. Ekkehard Wiegand bewegt sich als Künstler stets in verschiedenen Werkgattungen nebeneinander. Er malt Gemälde, widmet sich der Radierkunst, zeichnet, collagiert, modelliert Plastiken, fertigt Skulpturen aus Holz und Stein und entwirft »Möbelstücke« aus Holz und Metall.

Dabei konzentriert er sich auf wenige Themen: Von zentraler Bedeutung in seinem Kunstschaffen ist der Mensch, das Leitmotiv die »Büste«, die seinen kontinuierlichen Schaffensprozess bestimmen. In seinem Ausdruckspotenzial ist er äußerst erfinderisch. Seine kleinen wie auch großen Büsten sind vielfach in fünf Ballungen aufgebaut – Sockel, Schulterteil, Hals, Kopf und Haarkrone. Schöpferische Improvisationen, kühne Überlängungen, räumlich ausgreifende »Bewegungen« sind charakteristisch für seine Bronzen und Skulpturen. Es sind meistens Fantasiebüsten, konstruiert aus geometrischen Elementen.

Neben der farbigen Bemalung der Büsten in Holz und der Reduktion auf wenige Grundformen sind auch die Reduktion von Körperlichkeit und Verfremdung bezeichnend für seine Bronzen und Holzarbeiten. Vielfach erscheinen diese Arbeiten wie maskierte Fremdlinge aus einer anderen Welt.

Durch verschiedene Eingriffe erzielt er eine überspitzte und völlig neue Wirkung. Es ist verlockend, diese überindividuellen Büsten mit verschiedenen Interpretationen zu deuten. In seinem Kunstschaffen wird der Mensch durch etwas anderes, ihn Vertretendes wiedergegeben – eine erfundene Figur, oder Büste. Nicht zuletzt diese Elemente des stetigen Wandels sind es, die Wiegand zu einem der außergewöhnlichsten und ausdrucksstarken Künstler der figurativen Bildhauer machen, der seinen eigenen Stil gefunden hat und ihm über mehr als vier Dezennien treu geblieben ist.

Die äußerst interessante Ausstellung ist noch bis 30. Juli zu sehen und von Mittwoch bis Freitag, jeweils von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag, von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Gabriele Morgenroth