weather-image
19°

Faszinierende »Hüllen« in den verschiedensten Materialien

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Blick in den Ausstellungsraum der Schule mit Arbeiten von Carsten Lewerentz. (Foto: Giesen)

Eine großartige Ausstellung mit Plastiken und Skulpturen des Staudacher Bildhauers Carsten Lewerentz ist bis 20. November, in den zwei Kulturräumen des Staatlichen Land-schulheims Marquartstein zu sehen. Etwa 40 Arbeiten aus den verschiedensten Materialien, darunter viele neue Werke des bekannten Künstlers, werden unter dem Titel »Hommage à Carsten Lewerentz – Biotop der Ideen« ansprechend präsentiert.


Lewerentz war vor rund 40 Jahren selbst Schüler der Schule und auch seine beiden Kinder verbrachten ihre Gymnasialzeit bis zum Abitur an der Schule, sodass eine langjährige Verbindung entstand. Viele der Arbeiten des Künstlers – oft auf Sockeln präsentiert – sind Zeugnis seiner ihn seit Jahrzehnten begleitenden Thematik: Kleider, die äußere Hülle des Menschen, die doch in Wirklichkeit so viel mehr ist als nur Äußerlichkeit.

Anzeige

Lewerentz, der von 1975 bis 1978 die Fachschule für Holzbildhauer in Berchtesgaden besucht hat, versteht es meisterhaft, Kleidungsstücke, zum Beispiel aus Holz oder in Bronze gegossen, so nachzubilden, dass man sie unwillkürlich anfassen muss, um festzustellen, dass es sich gar nicht um Stoff handelt, sondern um ein ganz anderes Material. Seine zusammengefaltete Hose auf dem Holzsockel, der selbst wie eine Hose gestaltet ist, wirkt völlig »echt«, ebenso ein an einem Haken baumelnder Büstenhalter oder der hohe Kapuzenmantel (»Stulp IV«) – Stoff in Betonmasse gegossen – den man sich überstreifen möchte.

Carsten Lewerentz wurde 1959 in Übersee am Chiemsee geboren. Nach seiner Ausbildung ist er seit 1980 freiberuflicher Bildhauer, erst am Westerbuchberg, dann in seinem Haus in Staudach-Egerndach, wo er vor rund 20 Jahren die »kleinste Galerie der Welt«, das »Atelierfenster« an der Hauptstraße in Staudach ins Leben gerufen hat. Lewerentz erhielt 1993 den ARTS-Kulturförderpreis in Traunstein und verschiedene Stipendien im Laufe der Jahre.

Im öffentlichen Raum sind seine Arbeiten in vielen Orten im Chiemgau zu finden, aber auch in Wasserburg, Rosenheim, München, Linz und Warschau. Häufig beteiligt er sich an Ausstellungen, besonders auch bei der jährlichen Ausstellung »Kunst im Chiemgau« in der Galerie im Alten Rathaus in Prien des Kunstverein Prien, wo er auch Mitglied der Jury ist. Die Ausstellung im Staatlichen Landschulheim Marquartstein ist eine der wenigen großen Einzelausstellungen von Carsten Lewerentz in der letzten Zeit. Sie wurde von Karlheinz Hauser, Kunsterzieher der Schule und selbst Künstler, organisiert.

In Hausers engagierter Rede bei der Vernissage wurde deutlich, dass er vor allem auch die Schüler aktiv zur künstlerischen Arbeit und zum besseren Verständnis der modernen Kunst anregen möchte. Schon bei der Eröffnung war im Vorraum des Lehrerzimmers und der beiden Kulturräume eine Figur zu bewundern, die von Schülern aus Altpapier und Pappe und Büchern aufgerichtet worden war. Angelehnt an Lewerentz´ großes Kunstwerk im Freien »Biotop der Vergänglichkeit« in Prien (eine Gabione, das heißt ein Gitterbehältnis, gefüllt mit Wohlstandsmüll der modernen Gesellschaft) wurde auch im Vorraum der Schule eine kleine Gabione aufgestellt, die von Schülern und Besuchern mit Dingen befüllt werden kann. Der Behälter soll später an einem Ort auf dem Schulgelände aufgestellt werden, wo beobachtet werden kann, was mit diesem »Müll« im Laufe der Jahre passiert.

Zu sehen ist die Präsentation noch bis Freitag, 20. November, Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr. Christiane Giesen