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Fasziniert vom Farbenreichtum des Klaviertrios

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Unser Bild zeigt Franziska Hölscher, Paul Rivinius und Maximilian Hornung in intensivem Zusammenspiel. (Foto: E. Kaiser)

Eigentlich hätte es ein Vorzeigekonzert der jungen Klassik-Elite werden sollen, doch da erkrankte Benjamin Moser, der Pianist vom Klassik Trio. Aber die Geigerin Franziska Hölscher und der Cellist Maximilian Hornung sind so gut »in der Szene vernetzt«, dass sie »Altmeister« Paul Rivinius (gut, er ist immerhin über zehn Jahre älter als die beiden!) für das vorgesehene Programm im Traunreuter k1 gewinnen konnten. Sein »Einspringen« in freundlicher Zurückhaltung, verbunden mit behutsamen Interpretationsimpulsen spornte Franziska Hölscher und Maximilian Hornung zu einer aufmerksam-feinfühligen Höchstleistung an.


Das Konzert begann mit einem anrührenden Werk von Franz Schubert (1797 bis 1828). Ein in seinem Nachlass gefundener Einzelsatz mit der Bezeichnung Adagio wurde 1846 vom Verleger Diabelli als »Notturno« op. posth. 148/D 897 veröffentlicht. Er entstand wahrscheinlich gleichzeitig mit den beiden »großen« Klaviertrios in B-Dur und Es-Dur und war wohl ursprünglich als zweiter Satz des B-Dur-Trios gedacht, hat aber in seiner großräumigen Anlage mit den zwei traumhaft aufeinander bezogenen und ineinander verwobenen Gesichtern als eigenständiges Werk volle Berechtigung. Die lieblichen Streicher-Terz-Parallelen zu Klavier-Arpeggien des Anfangs werden in der Wiederholung vom Klavier, pizzikato begleitet, übernommen. Eine Steigerung der Dynamik setzt dramatische Akzente. In wunderbaren Modulationen wiederholen sich Terzenseligkeit und Fortissimo noch einmal, bevor die Terzen, in der Coda jetzt von Klaviertrillern verziert, das zu Herzen gehende lyrische Stimmungsbild in großer Ruhe vollenden.

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Das homogene Zusammenspiel der drei Interpreten erfuhr eine erste Steigerung beim zupackend-knapp formulierten, dritten (und letzten) Klaviertrio von Johannes Brahms (1833 bis 1897), dem in c-Moll op. 65, komponiert im glücklichen »Kammermusik-Sommer« 1886 am Thuner See in der Schweiz. Zwischen den kraftvoll verdichteten und dramatisch pointierten Ecksätzen, die in der romantischen Gefühlswelt tief verwurzelt sind, entdeckte das musizierende Trio ein zärtlich verspieltes Presto-Scherzo mit neckischen Pizzikati und ein graziöses, lyrisches Andante, ganz in sich gesammelt in »zwiefachem« Wechsel zwischen Zweier- und Dreiertakt tändelnd – Gelegenheit genug für solche Musikanten, ihre gestalterische Bandbreite intensiv und genussvoll auszuspielen.

Eine weitere grandiose Steigerung erfuhr das Konzert mit dem Trio f-Moll op. 65 (1883) von Antonín Dvorák (1841 bis 1904), von dem oft gesagt worden ist, es sprenge den Rahmen des »eigentlich Kammermusikalischen«. Doch keine Ängste vor einem Mammutwerk, sondern pure Freude an einer weiteren Herausforderung spiegelte sich in den Gesichtern der drei Musiker. Es war auch eine Freude für die Zuhörer, den Interaktionen nachzufühlen, mit denen das Klassik Trio dem dichten Geflecht dieser Musik, den vertrackten Rhythmen mit bizarren Ecken und Kanten im 2. Satz, aber auch dem ausdrucksvollen, hingegeben zärtlichen Gespräch der Streicher auf der ruhigen Basis des Flügels im 3. Satz, dessen Coda wie die Bestätigung all des Schönen war, was in diesem Satz gesagt worden war.

Ziemlich robust, doch von trefflichen Emotionen veredelt entwickelte sich der Finalsatz zu einem würdigen Ende dieses Konzertabends, der wahrlich keine Zugabe brauchte. Engelbert Kaiser