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Faustschlag auf der Baustelle? Berchtesgadener verurteilt

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Foto: dpa (Symbolbild)

Berchtesgaden – Was war passiert an diesem 26. Oktober 2018 auf der Reichenhaller Baustelle? Zwei selbstständige Fliesenleger sollen sich gestritten haben. Was der 53-jährige Berchtesgadener als »bloße Reiberei« ohne Folgen beschrieb, schilderte der 41-jährige Laufener als Faustschlag auf seinen Hinterkopf.


So stand am Laufener Amtsgericht Aussage gegen Aussage. Richter Martin Forster glaubte dem Laufener und entschied auf eine Geldstrafe von 2000 Euro gegen den Berchtesgadener wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

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»Er hat meine Arbeit kaputtgemacht«, beklagte sich der angeklagte Berchtesgadener Fliesenleger über die Fugen- und Silikonarbeit des Laufeners. Darauf angesprochen, soll ihn der mit Dreck beworfen und als »Arschloch« beschimpft haben. Das bestritt der Laufener und beschuldigte seinerseits den 53-Jährigen, ihn gepackt und das T-Shirt zerrissen zu haben. Von dem kaputten Kleidungsstück gibt es Fotos. Die Polizei verständigt hatte der Laufener, nachdem ihm der Berchtesgadener mit der Faust auf den Hinterkopf geschlagen haben soll.

Ein ärztliches Attest bestätigte einen »lokalen Druckschmerz«, aber keine sicht- oder tastbare Schwellung. Ein 66-jähriger Freilassinger Unfallchirurg hatte den Laufener für zehn Tage krankgeschrieben. Im Zeugenstand bekannte der Arzt, dass es eine Vorschädigung an der Halswirbelsäule des Laufeners gebe, die angegebenen Schmerzen rein subjektiver Natur und objektiv nicht zu bestätigen seien. Eine computertomografische Untersuchung des 41-Jährigen sei unauffällig gewesen.

Bei der Polizei hatte der angeklagte Berchtesgadener noch eingeräumt, den Kontrahenten gepackt zu haben, im Gerichtssaal wollte er sich daran nicht mehr erinnern. Auf der anderen Seite bestritt der Laufener, den Angeklagten mit Dreck beworfen und beschimpft zu haben. Mit Blick auf das zerrissene Hemd meinte Staatsanwältin Dr. Theresa Steinberger-Fraunhofer dennoch: »Die Situation auf der Baustelle war wohl deutlich aggressiver, als der Angeklagte hier zugibt.« Sie erachtete den Geschädigten als glaubwürdig und beantragte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 50 Euro.

»Zwei unterschiedliche Aussagen« erkannte Rechtsanwalt Cajus Richter. Der Verteidiger beschrieb den angeblich geschädigten Fliesenleger als »nervös« und seine Schilderung »lückenhaft«. Im Übrigen habe es eine Vorerkrankung bei dem Laufener gegeben. »Die Anklage basiert allein auf den Angaben des Zeugen«, so der Verteidiger, »wenn es so einfach wäre im deutschen Strafrecht.«

Nach dem Grundsatz »in dubio pro reo«, im Zweifel für den Angeklagten, könne es nur einen Freispruch geben.

Das sah Richter Martin Forster anders. Wie die Staatsanwältin erkannte er die »erforderliche ausreichende Gewissheit«, die einen Schuldspruch rechtfertige. Die Aussage des Geschädigten sei »in sich konsistent« und »ohne übertriebenen Belastungseifer« gewesen. Als objektives Beweisbild habe man das zerrissene T-Shirt.

Forster mochte es bei den 40 Tagessätzen zu je 50 Euro aus dem Strafbefehl belassen. Gegen den hatte der Berchtesgadener Einspruch eingelegt, nachdem er zuvor bereits das Angebot des Gerichts, das Verfahren gegen die Zahlung von 1500 Euro einzustellen, abgelehnt hatte. Hannes Höfer

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