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Faustschlag streckt »Nikolaus« nieder

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Symbolbild/dpa

Vier junge Männer aus Laufen wollten sich und anderen eine Freude machen. Als »Nikolaus mit seinen drei Kramperln« verkleidet besuchten sie Familien und tourten anschließend durch Freilassinger Lokale. Die Aktion nahm ein jähes Ende: Der Nikolaus, ein 27-jähriger Laufener, wurde mit einem Faustschlag niedergestreckt. Der Angeklagte (32 Jahre) bestritt die Tat, doch seine auffälligen Tattoos an Schläfe und Hals machten ihn für die Zeugen unverwechselbar. Er wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung, verurteilt.


Eindeutige Kennzeichen des Täters am Hals

Den Vorwurf eines Faustschlags ins Gesicht des Nikolaus‘ wies Rechtsanwalt Ladislav Anisic »energisch« zurück; mehr würde sein Mandant dazu auch nicht sagen. Wer viel erzählte, waren der Nikolaus und seine Begleiter. Die »Tiki-Bar« war spät abends die letzte Station der Truppe gewesen. Dort sei er von zwei Männern »blöd angemacht« worden, erzählte der 27-Jährige. »Einer hat mich geschubst, ich bin hingefallen und als ich wieder aufstehen wollte, bekam ich die Faust ins Gesicht.« Kurz benommen oder bewusstlos und schwer am Auge verletzt, musste der Laufener anschließend ins Salzburger Krankenhaus gebracht werden.

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»Vier Tage habe ich auf dem rechten Auge gar nichts gesehen, heute spüre ich Druck, wenn das Wetter umschlägt.« Die auf ihn zukommende Faust laufe »immer wieder wie ein Film« vor ihm ab. »Seither habe ich keine Lust mehr, irgendwo hinzugehen«, gestand der Geschädigte. Zum Tatzeitpunkt hatte er 2,1 Promille.

»Fast gar nichts getrunken« hatte die 19-jährige Schwester des Opfers, die den Streit zunächst von der gegenüberliegenden Straßenseite mitbekommen hatte, und in dem tätowierten Angeklagten eindeutig den Täter erkannte. »Ich wollte helfen und dazwischen gehen«, berichtete ein 27-Jähriger, der an dem Abend als Krampus unterwegs war und ebenfalls 2,1 Promille hatte.

Die Frage nach dem Alkoholpegel des Angeklagten blieb unbeantwortet. Der hat bereits acht Einträge im Bundeszentralregister, darunter Beleidigungen und Bedrohungen, Verstoß gegen das Uniformverbot und die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Schließlich hatte er in einer U-Bahn einen Schwarzafrikaner als »Neger« beschimpft, und ihm mit »Heil Hitler« den erhobenen Arm entgegengestreckt. Zuletzt war der Angeklagte mit einem Messer auf den Dunkelhäutigen zugegangen.

Der 32-jährige bot einen »Entlastungszeugen« auf, der jedoch zunächst nicht im Gerichtssaal erschien. Nach Anruf kam der 37-Jährige mit zweieinhalbstündiger Verspätung. Er behauptete, ein Kramperl habe dem Nikolaus »eine ins Gesicht« geschlagen. Er selbst habe sich rasch aus der Menschenmenge entfernt, weil er »keinen Ärger« haben und die »Polizei meiden« wollte. »Ich stehe unter Bewährung, d'rum halte ich mich raus.«

Spätfolgen unwahrscheinlich, aber möglich

Wer sich intensiv in die ärztlichen Berichte eingearbeitet hatte, war Dr. Fritz Priemer. Der Sachverständige erläuterte den Bruch der Augenhöhle und das gefährliche Eindringen von Weichgewebe in die Bruchspalte. Dass auf den Geschädigten weitere Spätschäden zukommen, hält Priemer für eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Generell sieht der Gutachter in dem Faustschlag eine »abstrakte lebensgefährliche Behandlung«. Priemers Fazit: »Glücklicherweise ist diese sehr schmerzhafte Verletzung glimpflich ausgegangen.«

Staatsanwalt Dr. Christian Liegl erachtete die Schwester und den Kramperl als absolut glaubwürdige Zeugen. Er gab zu bedenken, dass neben dem Faustschlag auch ein Sturz auf den Kopf lebensgefährlich sein könne. »Zufall und Glück« hätten hier schlimmere Folgen verhindert. »Acht Vorstrafen und offene Bewährung«, formulierte Liegl als Einfluss auf das jetzige Strafmaß. Er beantragte eine Gesamtstrafe von 15 Monaten, die er »unter Zurückstellung von Bedenken« nochmal zur Bewährung aussetzen mochte.

Rechtsreferendar Maximilian Reidel schloss sich als Vertreter des Geschädigten dem Staatsanwalt an, allerdings lehnte er eine Bewährung ab, denn der Angeklagte »scheint keine Hemmungen zu haben, Gewalt anzuwenden«. Als Schmerzensgeld für den »Nikolaus« forderte Reidel mindestens 1000 Euro samt Zinsen. Daneben müsse der Angeklagte nicht nur die Kosten des Verfahrens tragen, sondern auch alle Aufwendungen des Geschädigten. Verteidiger Ladislav Anisic setzte seinem Plädoyer ein »in dubio pro reo« voran und beschrieb den Zeugenbeweis als Paradoxon: »Der ist eigentlich der Schlechteste, denn die menschliche Erinnerung ist eine Katastrophe.« Der Anwalt beschrieb die Erinnerung als zusammengesetzt und vom eigenen Geist ergänzt, weshalb die Fixierung auf Tätowierungen nicht ausreichend sein könne. Anisic beantragte Freispruch, »hilfsweise« wies er dennoch darauf hin, dass eine Lebensgefährdung schwer zu begründen sei.

Die fand Richter Christopher Lang in einer Gesamtstrafe von einem Jahr; die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Der Angeklagte hat 1200 Euro Schmerzensgeld an den »Nikolaus« zu zahlen und sämtliche materiellen und immateriellen Schäden des Laufeners ebenso zu tragen wie alle Kosten des Verfahrens.

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