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Skibetrieb könnte bald eingeschränkt möglich sein – Bislang kaum Stornierungen von Gästen

Fehlender Schnee verursacht keine Panik

Berchtesgaden – Die diesjährigen Weihnachtsferien werden wohl nicht zu einem großen Wintersporterlebnis werden. Sowohl natürlichen als auch maschinellen Schnee gibt es kaum. Trotzdem signalisieren Hotelbetreiber und teilweise auch Liftbetreiber relative Gelassenheit. Immerhin könnte es in einigen Tagen vielleicht doch noch an einigen Orten eingeschränkten Skibetrieb geben.

So sah es vor dem Wochenende noch am Götschen aus. Mittlerweile ist das Grün wenigstens von ein paar Zentimetern Schnee bedeckt. (Foto: Wechslinger)

Alles was am Jenner und am Götschen zuletzt von einer kurzen Schneeproduktionsphase vor zwei Wochen übrig geblieben ist, waren ein paar kleine Schneehaufen, die sich noch Ende letzter Woche weithin sichtbar als kleine weiße Tupfer vom großflächigen Grün abhoben. Seit den geringfügigen Schneefällen vom Wochenende sind die Hänge wenigstens mit einer wenige Zentimeter dicken Schneeschicht überzuckert, die für einen großflächigen Skilauf aber bei Weitem nicht reicht.

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Trotz miserabler Wintersportbedingungen kurz vor dem Weihnachtsgeschäft ist bei den Tourismusbetrieben von Panik keine Spur. Von den Hotelbetreibern hört man, dass die Weihnachts- und Neujahrsgäste ja nicht zum Skifahren kämen, sondern weil sie den Jahreswechsel in den Bergen verbringen wollten. Und man weist gelassen darauf hin, dass es ähnliche Wetterlagen auch früher schon gegeben habe.

»Skiopening« geplatzt

Am Jenner war das »Skiopening« für letztes Wochenende geplant. Betriebsleiter Wilfried Däuber hoffte zuletzt auf etwas mehr Schnee, um wenigstens im Mitterkasergebiet, wo schon etwas mehr Maschinenschnee produziert worden war, fahren zu können. Doch auch diese Hoffnungen haben sich erst einmal zerschlagen.

Däuber hat so etwas am Jenner noch nicht erlebt. »Das bisschen Neuschnee hat es auch noch verweht und in Höhenlagen messen wir fünf bis sieben Grad Wärme. Es soll in den nächsten Tagen aber schneien und kälter werden, dann könnten wir vielleicht ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag Skibetrieb anbieten«, hofft der Betriebsleiter vom Jenner.

»Schon immer gegeben«

Der Skilift Rotten von Hans und Anni Meisl war in der Vergangenheit durch seine gute schneesichere Lage oftmals Vorreiter in Sachen Lifteröffnung. Meisl betreibt den bei vielen Einheimischen und österreichischen Gästen sehr beliebten Lift schon seit 50 Jahren. Am 13. Dezember 1964 lief zum ersten Mal der Rotten-Skilift. Auf die oftmals propagierte Klimaerwärmung gibt der ehemalige Landwirt gar nichts: »Solche Winter wie den jetzigen hat es immer schon gegeben. Bei meinen Aufzeichnungen habe ich festgestellt, dass die Winter 1971/72 und 1989/90 schlechter waren als der Letzte. Wer weiß, vielleicht bekommen wir noch einen ganz guten Skiwinter.« Im letzten Jahr hatte Meisl jedoch vor Weihnachten schon drei Wochen Skilauf im Angebot. Erhebliche Schwankungen beweisen auch seine Aufzeichnungen: So registrierte Meisl Winter mit 20 Betriebstagen ebenso wie Winter mit bis zu 150 Skitagen.

Noch Hoffnung am Götschen

Ähnliches berichtet Pistenpfleger Bernhard Heitauer vom Götschen, wo es ähnliche Bedingungen gab. »Wir hatten auch schon Jahre mit nur 20 Skitagen. Und auch nach dem Sturm Kyrill gab es einen schlechten Skiwinter. Dagegen hatten wir auch schon Saisonen mit 120 Betriebstagen.« Am Götschen feiert man in diesem Jahr das 40-jährige Bestehen des großen Liftes. Zwei Jahre später kam der kleine Lift hinzu.

Derzeit ist es schwer abzuschätzen, was skifahrerisch am Götschen in den nächsten Tagen möglich sein wird. Marketingfachmann Klaus Dinzler hofft bald schon am Kollerlift und am kleinen Götschenlift fahren zu können. Zehn Zentimeter Neuschnee zuletzt nährten diese Möglichkeit. »Wir werden einen eingeschränkten Skibetrieb ermöglichen«, prognostiziert Dinzler.

Der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG und Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee, Hannes Rasp, sieht eine gute Möglichkeit, dass am Jenner ein Skibetrieb zumindest im Mitterkasergebiet möglich wird. »Wir waren ab dem 1. November vorbereitet, alleine die kalten Tage fehlten. Jetzt sind wir aber guter Hoffnung, dass es doch noch etwas wird«, sagt Rasp.

Gelassene Hoteliers

Trotz schlechter Wintersportbedingungen blieben die Hoteliers bis jetzt von umfangreichen Stornierungen verschont. Die langjährige Mitarbeiterin im »Alpenhotel Kronprinz«, Evi Hofmann, konnte überhaupt keine Stornierungen über die Feiertage feststellen. »Zu uns kommen an diesen Tagen nicht die Skifahrer, sondern Menschen, die Weihnachten in den Bergen feiern wollen. Die Gelegenheit zu wandern haben sie ja ohne Schnee besser als mit der weißen Pracht«, erklärte die Fachkraft an der Rezeption.

Von Stornierungen verschont geblieben ist auch das Hotel »Alpenhof« in der Gemeinde Schönau am Königssee. Auch hier kommen die Menschen über die Feiertage, um Weihnachten und Neujahr zu feiern. Viele nützen auch die vielen Wanderwege in der Umgebung. Die typischen Skigäste kommen dort erst im Februar und so gibt es auch im »Alpenhof« keine Klagen über den ausgebliebenen Schnee.

Keinerlei Absagen vermeldet auch das im Sommer neu eröffnete »Alpinhotel Berchtesgaden« von Andrea und Stefan Höllbacher. Der ehemalige Kaderskirennläufer bietet Gästen, die dennoch Skifahren möchten, Alternativen in der weiteren Umgebung an. »Wir hoffen, dass wir unseren Skibetrieb in der Skiarena Gutshof nach Weihnachten starten können«, so Höllbacher.

Auch das Hotel »Reissenlehen« in Bischofswiesen registrierte bislang keine Stornierungen. Hier stellt man wie auch in anderen Hotels ein schwindendes Interesse von Alpinskiläufern fest, dafür kämen jedoch immer mehr Langläufer. Vor allem ältere Menschen frönten gerne dem Langlaufsport, so Christiane Irlinger.

Im »Alpenhotel Hundsreitlehen« in Bischofswiesen gab es zuletzt zwar ein paar Stornierungen, die jedoch nichts mit fehlendem Schnee zu tun hatten. »Der Winter steht und fällt bei uns mit dem Skibetrieb am Götschen«, war vom Hotel Hundsreitlehen zu erfahren. Denn das Hundreitslehen wird gerade nach den Feiertagen von vielen Ski- und Snowboardmannschaften frequentiert, die am Götschen trainieren oder Rennen fahren.

Gäste kommen zum Wandern

Von entspannten Winterurlaubern berichtet Claudia Schülein, Gästedienstleiterin beim Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee. Sie hat das Gefühl, dass es heuer für die Gäste eher leichter sei, mit grünen Weihnachten zurecht zu kommen, als in früheren Jahren. Der bislang viel zu milde Winter sei ja deutschlandweit in aller Munde. Es sei also keine Überraschung, dass selbst die hohen Gipfel rund um den Talkessel nur leicht angezuckert sind. »Viele Gäste freuen sich aufs Wandern, in höheren Lagen gibt es zumindest einen winterlichen Eindruck, auch wenn es nicht viel geschneit hat«, sagt Claudia Schülein, wenngleich man schon von vielen Stornierungen bei den Skischulen höre. Das bestätigt der Skischulchef aus der Oberau, Herbert Wendlinger. Bei ihm waren 35 Skischüler angemeldet, die nun freilich nicht kommen. Das sei im Jubiläumsjahr zum 35-jährigen Bestehen seiner Skischule auch nicht schön, so Wendlinger.

»Wir hoffen auf viel Schnee im neuen Jahr, sodass der Talkessel während der Faschings- und Winterferien für Einheimische sowie für Gäste zum reinen Winterparadies wird«, sagt Tourismusexpertin Claudia Schülein. Christian Wechslinger