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Felsenschwalben-Brutpaar könnte geplanten Klettersteig auf Eis legen

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Ein in Bayern seltener Vogel ist die Felsenschwalbe. Nun wurde ein Brutpaar in der Zellerwand nachgewiesen. Deshalb sprach sie die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt gegen einen Klettersteig an der Zellerwand aus. Nach Angaben des Landesbundes für Vogelschutz könnte es sich um das nördlichste Brutvorkommen der Felsenschwalbe in Europa handeln. (Foto: Dr. Christoph Moning/LBV)

Schleching – Scheitert ein geplanter Klettersteig an einem Felsenschwalben-Brutpaar? Die Untere Naturschutzbehörde hat das Vorhaben bereits abgelehnt, im Schlechinger Gemeinderat will man das aber nicht so einfach hinnehmen. Jetzt soll nochmals ein Gespräch mit der Behörde geführt werden.


Die Errichtung eines Klettersteiges an der Zellerwand in Mühlau ist ein Ziel, das sich die Gemeinde im Rahmen des Bergsteigerdorfs vorgenommen hat. Von der auslaufenden »Dorferneuerung III« wurden Fördermittel von bis zu 75 Prozent in Aussicht gestellt. Angesichts dessen wurden vorbereitende Maßnahmen ergriffen. Christoph Müller und Ekkehard Wimmer als Fachleute haben die Routenführung in der Zellerwand geplant.

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Der Standort erschien ideal, da die Zuwegung und der Rückweg über bereits existierende Wege möglich und eine Infrastruktur im Umfeld vorhanden sind. Auch ein Ortstermin mit der unteren Naturschutzbehörde fand statt. Da keine Untersuchung über eventuellen Vogelbestand vorlag, musste diese als Vorleistung in Auftrag gegeben werden. Dabei wurde nachgewiesen, dass in der Zellerwand sowohl die Felsenschwalbe als auch der Wanderfalke brüten. In Bayern leben nur 60 bis 100 Felsenschwalben-Brutpaare. Das Schlechinger Brutpaar ist wahrscheinlich das einzige im Landkreis und das nördlichste in Europa. Das bestätigt auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV): »Aufgrund der uns vorliegenden Daten kann es sich hier tatsächlich um das nördlichste Brutvorkommen der Felsenschwalbe in Europa handeln«, erklärte LBV-Sprecher Markus Erlwein auf Anfrage.

Da beide Vogelarten besonders geschützt sind, lehnte die Untere Naturschutzbehörde die Genehmigung des Klettersteigs ab. Ein Klettersteig würde eine erhebliche Störung und damit eine Verschlechterung des Erhaltungszustands der lokalen Brutvogelpopulation bedeuten, hieß es seitens der Naturschutzbehörde zur Begründung.

Die Brutzeit der Felsenschwalbe erstreckt sich von April bis August, die Sperrung eines Klettersteiges in dieser Zeit und deren Überwachung wäre schwierig, war die Meinung von Bürgermeister Josef Loferer in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Diskussion zu dem Thema verlief kontrovers. Muck Bauer und Elfie Bachmann waren der Meinung, dass die Vögel durch den Klettersteig mit der festgelegten Route nicht gestört werden. Sie könnten sich auch eine zeitliche Begrenzung zur Benutzung des Steiges vorstellen.

Die meisten Gemeinderäte schlossen sich dem Vorschlag von Martha Rappl an, dass die Gemeinde nochmal ein Gespräch – unter der Einbindung des Alpenvereins – mit der Unteren Naturschutzbehörde suchen sollte. Bei der folgenden Abstimmung stimmten der Bürgermeister und vier Räte dagegen, dass der Bau des Klettersteiges weiter verfolgt wird, die Mehrheit votierte für das Gespräch bei mit der Naturschutzbehörde. wun