Fergerlberg-Ausbau spätestens Ende November abgeschlossen

Bildtext einblenden
Am Fergerlberg in Schönau am Königssee gehen die Arbeiten gut voran. Dennoch werden die Arbeiten nicht vor Mitte/Ende November abgeschlossen sein. (Foto: Ulli Kastner)
Bildtext einblenden
Die Baustelle am Eisenrichterberg ist ebenfalls kurz vor dem Abschluss. Sorgen machen hier nur die langen Rückstaus, zu denen es in den letzten Wochen immer wieder kam. (Foto: Lisa Schuhegger)

Berchtesgadener Land – Zwei große Straßenbaumaßnahmen im südlichen Landkreis sollen noch heuer abgeschlossen werden. Beim Ausbau des Fergerlbergs (Kreisstraße BGL 1) in Schönau am Königssee ist man wegen des nassen Augusts zwar etwas in Verzug, doch spätestens Ende November sollen hier die Fahrzeuge wieder rollen. Und am Eisenrichterberg in Bischofswiesen (Bundesstraße 20) gehen die aufwendigen Bauarbeiten ebenfalls dem Ende zu. Über den Stand der in Verantwortung des Staatlichen Bauamts Traunstein liegenden Projekte gab Florian Paukner, Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau, dem »Berchtesgadener Anzeiger« Auskunft.


»Die Arbeiten auf der Baustelle Fergerlberg gehen insgesamt gut voran«, teilt Paukner mit. Auf der gesamten Ausbaustrecke konnten nach seinen Worten bereits die neue Pfahlgründung und die aufgehende Stützwand aus Stahlbeton hergestellt werden, es fehlen jetzt noch rund 60 Meter Gehwegkappe, Teile der Bauwerksausstattung und der Straßenbau mit Entwässerungseinrichtungen.

Bis dato konnten die Arbeiten weitestgehend reibungslos abgewickelt werden, auch das Unwetterereignis vom 17./18. Juli hat auf der Baustelle zu keinen nennenswerten Schäden geführt. »Lediglich der insgesamt ungewohnt nasse August hat uns, vor allem bei den derzeit laufenden Abdichtungsarbeiten, im Zeitplan etwas zurück geworfen, sodass wir nunmehr mit einer Fertigstellung Mitte/ Ende November rechnen«, sagt Florian Paukner. Bei den Baukosten wird es nach seinen Worten voraussichtlich keine wesentlichen Verschiebungen im Vergleich zu den bisher kommunizierten Zahlen geben. Eingeplant waren rund 3,5 Millionen Euro, von denen der Freistaat Bayern 2,16 Millionen Euro übernimmt. Vom Rest übernimmt der Landkreis 75 Prozent, die Gemeinde Schönau am Königssee 25 Prozent.

Im Rahmen des sogenannten bestandsorientierten Ausbaus soll die gesamte aus dem Jahr 1960 stammende Stützwerkskonstruktion erneuert werden. Die Straße wird gleichzeitig von bislang 5 Meter auf künftig 6,50 Meter verbreitert, auch ein großzügiger Gehweg wird wieder angelegt. Auf einer Länge von 300 Metern hatte es in den letzten Jahren Verwerfungen auf der Fahrbahn gegeben mit der Folge von zahlreichen Rissen im Asphalt.

Gut voran geht es laut Paukner auch beim Projekt Eisenrichterberg an der Bundesstraße 20 in Bischofswiesen. Allerdings kam es hier nach anfänglich gutem Verkehrsfluss zunehmend zu langen Rückstaus. Laut Paukner war auffällig, dass »die Rotphasen für die aus Richtung Bischofswiesen kommenden Autofahrer ungewöhnlich häufig und lang waren, obwohl die Ampel korrekt eingestellt war und keine technische Fehlfunktion vorlag«. Das liege unter anderem daran, dass die Verkehrsteilnehmer zu früh auf die linke Spur wechseln. Paukner erklärt: »Die Ampelanlage regelt die Grünzeiten in Abhängigkeit vom Verkehr selbstständig; Minimale Grünzeit pro Seite sind fünf Sekunden, maximale Grünzeit sind 60 Sekunden. Die Räumzeit, das heißt die Zeit zwischen den jeweiligen Grünphasen, hängt von der Länge der Baustelle ab und ist fix. Zur Erkennung des Verkehrs überwacht die Ampelanlage den Bereich etwa 25 Meter vor dem jeweiligen Signal mit einem Radarsensor. Stellt dieser Sensor einige Sekunden lang keine Bewegung fest, geht er davon aus, dass kein Auto mehr kommt, und die Gegenseite bekommt nach der Räumzeit Grün. Aus Richtung Bischofswiesen kommende Autofahrer neigen im Angesicht einer grünen Ampel dazu, bereits weit vor dieser auf die linke Spur zu wechseln. Das ist zwar verständlich, gerade wenn man schon länger steht, aber leider völlig kontraproduktiv. Die Folge ist nämlich, dass diese Spurwechsel meist schon außerhalb der technisch vorgegebenen Erfassungsreichweite des Radarsensors stattfinden. Die Folge: Die Ampel erkennt keine Bewegung, obwohl eigentlich noch viele Autos kommen und schaltet um auf Rot.«

Allerdings ist dies laut Paukner nur ein Teil des Rückstau-Problems. So hat der Abteilungsleiter mit seinen Mitarbeitern auch Folgendes beobachtet: Aus Richtung Hallthurm kommende Verkehrsteilnehmer durchfahren die Baustelle oftmals nicht einfach zügig, sondern geraten beim Anblick des plötzlich am Horizont auftauchenden Watzmann offenbar dermaßen »in Verzückung«, dass sofort gebremst und erst einmal ein Handyfoto gemacht wird. Aufgrund des Ziehharmonikaeffekts kommt es dann regelmäßig fast zum Stillstand der Hinterherfahrenden. Die Folge: Die Baustelle kann nicht innerhalb der Grünphase geräumt werden und die aus Richtung Bischofswiesen kommenden Verkehrsteilnehmer können nicht losfahren. Die Ampel erkennt dann keine Bewegung und schaltet nach der Minimalzeit wieder auf Rot, obwohl gegebenenfalls keiner durchgekommen ist.

»Dieses Problem tritt natürlich nur bei schönem Wetter auf; gelöst werden kann es mit den Schildern in der Gegenrichtung leider nicht, und auch eine andere Abhilfe haben wir derzeit nicht parat«, erklärt Florian Paukner. Ob durch die Zusatzschilder tatsächlich ein merklicher Effekt eintritt, werde sich erst nach einer gewissen Zeit beurteilen lassen, »schaden wird es aber bestimmt nicht«. Paukner befürchtet, dass »eine wirkliche Besserung erst eintreten wird, wenn die Urlaubssaison mit dem damit verbundenen Verkehrsaufkommen vorbei ist«.

Trotz dieser Probleme verspricht Florian Paukner dass »sich die Baustelle dem Ende zuneigt«. Es sind jetzt noch Arbeiten an der Straßenentwässerung und Straßenbauarbeiten zu erledigen. Das Staatliche Bauamt geht davon aus, dass die Maßnahme noch in diesem Jahr komplett abgeschlossen wird. Paukner: »Allerdings wird es in den nächsten Wochen noch einmal, wie auch im letzten Jahr, für einige Tage eine Vollsperrung geben müssen, damit asphaltiert werden kann. Sobald wir den genauen Termin dafür kennen, werden wir das natürlich bekannt geben.«

Der jetzt noch in Arbeit befindliche Bauabschnitt beschließt dann den Ausbau der Bundesstraße 20 am Eisenrichterberg. Im Zuge der Gesamtmaßnahme waren etwa 350 Meter Stützbauwerk komplett neu zu bauen, 200 Meter Stützbauwerk aufwendig instandzusetzen und auf der gesamten Baulänge die Entwässerungseinrichtungen und die Asphaltschichten zu erneuern. Die endgültigen Kosten stehen noch nicht genau fest, sie sollten aber laut Paukner wie geplant rund 6,7 Millionen Euro betragen.

Ulli Kastner