Ferienbetreuung in Traunstein ab Herbst

Bildtext einblenden
Für die meisten Eltern ist es unmöglich, 14 Wochen Schulferien abzudecken. Doch wohin dann mit den Kindern? Die Stadt Traunstein will nun ab dem kommenden Jahr eine Ferienbetreuung anbieten. Foto: dpa

Traunstein – Eine Umfrage unter Eltern der Stadt Traunstein hat ergeben: Es gibt erheblichen Bedarf für die Betreuung von Schulkindern während der Ferien. Deshalb soll eine solche ab dem kommenden Schuljahr angeboten werden. Die Stadt wird einen Teil der Kosten übernehmen. Eltern müssen für die Kurzgruppe bis 13 Uhr pro Woche 90 Euro bezahlen, für die lange Gruppe bis 16 Uhr 140 Euro. Der Ausschuss für Familie, Bildung und Soziales war einhellig dafür.


Ins Rollen gebracht hatten diese Umfrage Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste), Simon Schreiber (CSU) und Isabelle Thaler (CSU). Bisher gibt es in Traunstein den Hort in Kammer und die Hortbetreuung in der Murmel. Aufgrund der geringen Anzahl an Schließtagen werden hier im Prinzip die Ferien abgedeckt. Des Weiteren gibt es das Ferienprogramm in den Sommerferien, wobei es hier auch Angebote gibt, die sich über eine Woche erstrecken.

Zusätzlich beteiligt sich die Stadt Traunstein seit vergangenem Jahr am Sommerfreizeitprogramm des Kreisjugendrings für Grundschulkinder in Schützing. Doch reicht das aus? Um ein Gespür für die tatsächliche Situation beziehungsweise für die Wünsche der Traunsteiner Eltern zu bekommen, wurden 939 Fragebogen an Mamas und Papas von 5- bis 11-jährigen Kindern geschickt – wobei ein Drittel mitmachte. Dabei kam he-raus, dass für 182 Kinder ein Bedarf für eine Betreuung in allen Ferien besteht. Dabei wird für etwa 56 Prozent dieser Kinder eine Halbtagsbetreuung und für 34 Prozent eine Ganztagsbetreuung gewünscht.

In dem Fragebogen wurden die Eltern auch gefragt, was sie bereit sind zu zahlen für diese Ferienbetreuung. Das Ergebnis: 33 Prozent der Erziehungsberechtigten, die den Umfragebogen zurückgesandt haben, sind bereit, bis zu 50 Euro zu bezahlen. 52 Prozent würden bis zu 100 Euro pro Woche bezahlen. Wie die Stadt mitteilte, wäre der Kooperationspartner der Grundschulen für die offene und gebundene Ganztagsklasse, die Diakonie, bereit, die Ferienbetreuung zu übernehmen. »Dies hätte den großen Vorteil, dass sich weder die Eltern noch die Kinder an anderes Personal gewöhnen müssten und es wäre damit auch die Kontinuität der pädagogischen Arbeit gewährleistet«, wie die Stadt betonte.

Geplant ist, dass in den Sommerferien, den Herbstferien, den Faschingsferien, den Osterferien und den Pfingstferien eine Betreuung der Kinder angeboten wird – also in allen Ferien bis auf die Weihnachtsferien. In den Tagesablauf werden besondere Angebote wie Besuche der Feuerwehr, der Stadtgärtnerei, der Polizei, Stadtführungen und einiges mehr eingebunden. Geplant ist, dass in den Herbstferien 2021 – sozusagen als Pilotprojekt – mit einer Kurzgruppe (7.30 bis 13 Uhr) und einer langen Gruppe (7.30 bis 16 Uhr) gestartet wird. An tatsächlichen Kosten rechnet die Stadt pro Kind pro Woche für die Kurzgruppe mit rund 145 Euro, für die Langgruppe mit 195 Euro – sie würde also jeweils rund 50 Euro zuschießen. »Uns war wichtig, das Ganze bezahlbar zu halten«, betonte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer.

Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) ging die Unterstützung der Stadt nicht weit genug. »Das trifft ja viele Alleinerziehende«, betonte er. »Das sollte eine soziale Leistung der Kommune sein.« Er schlug einen Betrag von 70 Euro für die Kurzgruppe und einen Betrag von 120 Euro für die lange Gruppe vor.

Oberbürgermeister Christian Hümmer verwies auf das Ergebnis der Umfrage und betonte: »Im Härtefall findet sich eine Lösung. Aber wir sollten bei diesem Korridor bleiben.« Simon Schreiber (CSU) ging auf viele Gespräche im Vorfeld ein. Es sei nie klar gewesen, wie es mit dem Bedarf tatsächlich aussehe. Es habe immer geheißen, es passe. »Doch das Ergebnis der Umfrage ist eindeutig – wenn auch etwas erschreckend.«

Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) betonte, dass es »sehr sinnvoll« war, diese Umfrage zu machen. Wie es dann mit dem Bedarf tatsächlich aussieht, werde sich zeigen. »Aber es ist wichtig, dass wir das jetzt machen.«

Das sah auch Isabelle Thaler (CSU) so. »Mit diesem Angebot schaffen wir einen echten Mehrwert für Familien.« Es habe sich gezeigt: »Der Bedarf ist da.«

KR