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Festliche Konzertgala bei »Bestnoten hören«

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Tassilo Probst setzte mit seiner Interpretation von Alexander Glasunows Violinkonzert einen fulminanten Schlusspunkt beim Konzert »Bestnoten hören«. (Foto: Janoschka)

Beim Preisträgerkonzert des Bezirks Oberbayern kamen die vielen Zuhörer wieder einmal aus dem Staunen nicht heraus: Neun junge Künstlerinnen und Künstler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren präsentierten ihr Können auf unterschiedlichen Instrumenten, mit denen sie beim Landeswettbewerb, teilweise sogar beim Bundeswettbewerb, von »Jugend musiziert« erfolgreich gewesen waren.


Die Bad Reichenhaller Philharmonie begleitete einfühlsam, ja mit einer »liebevoll-väterlichen Betreuung durch GMD Christian Simonis« während der vorausgegangenen Probentage – wie Bezirkstagspräsiden Josef Mederer sagte – neun völlig verschiedene Musikerpersönlichkeiten von zurückhaltend-engelhaft bis temperamentvoll-spitzbübisch, die ihre Instrumente von der Violine bis zum Altsaxofon perfekt beherrschen und Musik von der Barockzeit bis in die Moderne darboten. Sie waren authentisch – jede Persönlichkeit auf ihre Weise und entsprechend ihrem Temperament.

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Julia Weingärtner lässt das Naturgeschehen nachempfinden

Die Gruppe des Basso continuo mit Harfe, Violoncelli und Kontrabass aus dem Orchester gab das sichere Fundament für die drei Sätze aus dem »Frühling« aus Antonio Vivaldis »Die vier Jahreszeiten«, das die junge Geigerin Julia Weingärtner auf ihrer Violine, begleitet von den Streichern, darbot. Das Naturgeschehen – Vogelgezwitscher, ein Sturm, Blätterrascheln und Gräserrauschen –, das Vivaldi in diesem Violinkonzert erklingen lässt, ließ sich bei der Interpretation wunderbar nachempfinden.

Die ebenfalls 2001 geborene Sophie Kiening ruhte während der Romanze op. 85 für Viola und großes Orchester von Max Bruch völlig in sich. Sie spielte sie mit samtenem Bratschenton fast durchwegs mit geschlossenen Augen und ließ sich von der Musik durch das romantische Stück tragen.

Obwohl erst 2003 geboren, gewann Norman Alexander Spaeth 2016 den 1. Bundespreis in der Kategorie Violine solo. Das verwunderte nicht mehr, als er zu spielen begann. Immerhin hatte er sich an das Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart KV 216 gewagt und ließ seine Geige virtuos-mozartisch den ersten Satz singen. Mozarts Schalk schien ihm im Nacken zu sitzen, als er bei den Tutti-Stellen mit seiner Aufmerksamkeit bei Christian Simonis und seinen Musikern hing. Sein Mozart machte staunen. Ein13-jähriger Junge spielte hier wie ein fertiger Musiker. Seine Kadenz am Ende des ersten Satzes mit sauber gesetzten Doppelgriffen offenbarte ein besonderes musikalisches Bewusstsein.

Mit »Scaramouche« von Darius Milhaud für Altsaxofon und Orchester liefert Anja Kirnberger (geboren 1999) eine reife Leistung ab und zeigte sowohl die nötige Ruhe im zweiten Satz mit der Bezeichnung »Modéré« als auch im Kontrast dazu jazziges Temperament im dritten Satz »Braziliera«, der auch der Philharmonie ungewöhnliche Spielweisen abverlangte: Wie bei der Gitarre mussten die Saiten der Violinen geschlagen werden. Dieser Big-Band-Sound ging ins Blut und faszinierte.

Mit »Die Legende von Ys« für Klaviertrio und großes Orchester von Dominik Giesriegl (geboren 1986 in Wien) beeindruckten die junge Katharina Eglhuber (geboren 2003) auf der Violine, ihre Schwester Clara Eglhuber (geboren 2001) auf dem Violoncello und Valerie Bulenda (geboren 2001) auf dem Klavier. Ein Märchen über eine Stadt, die wegen des sündhaften Lebenswandels überschwemmt wird, deren König aber später Buße tut.

»Illusionen werden Wirklichkeit«, schreibt der Komponist – und man möchte hinzufügen: Die Idee wird durch den Schöpfungsakt in die Zeit geboren, sodass die drei jungen Mädchen die wunderbare Gelegenheit hatten, es nach der Uraufführung im Februar 2016 dem Reichenhaller Publikum vorzustellen, was ihnen mit Überzeugungskraft und Einfühlungsvermögen in die Stimmungen der Musik bestens gelang.

Florian Schwarzbeck als Meister des Spannungsaufbaus

Florian Schwarzbeck, der auch vom künstlerischen Leiter der Bad Reichenhaller Sommerakademie Wen-Sinn Yang unterrichtet wurde, zeigte sich bei Gabriel Faurés Elégie op. 24 für Violoncello als Meister des Spannungsaufbaus bei der Entwicklung von einem gesanglichen Thema zu hoher Virtuosität. An seiner Mimik war zu erkennen, wie tief die Musik ihn bewegte.

Den fulminanten Abschluss bot Tassilo Probst mit seiner Interpretation des Violinkonzerts a-Moll, op. 82 von Alexander Glasunow. Der junge Geiger (geboren 2002) zeigte in den drei Sätzen alle geigerischen Techniken – von Flageolett bis Pizzicato in der linken Hand und gleichzeitiger Melodie mit dem Bogen – und setzte mit diesem technisch höchst anspruchsvollen Werk einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter ein Konzert der Superlative – jubelnder Applaus für die neun beeindruckenden jungen Musiker. Brigitte Janoschka