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Fiat ohne Chrysler in den roten Zahlen

Turin/Auburn Hills (dpa) - Der kriselnde italienische Autobauer Fiat hat nur dank guter US-Geschäfte der Tochter Chrysler den Sturz in die roten Zahlen vermieden.

Sergio Marchionne
In der Autoindustrie gibt es Starke und Schwache. Der Stärkste in Europa ist VW - und die Wolfsburger liefern sich einen heftigen Konflikt mit dem angeschlagenen Autobauer Fiat. Foto: Alessandro Contaldo / Archiv Foto: dpa

Angesichts einer verschärften Absatzkrise in Europa hätte Fiat alleine im zweiten Quartal einen Verlust von 246 Millionen Euro eingefahren, wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte. Fiat macht dabei vor allem der Einbruch des italienischen Automarktes schwer zu schaffen. Fiat-Boss Sergio Marchionne sprach dennoch von «einem guten Quartal im Einklang mit den Erwartungen» und hob die große Liquidität der Gruppe hervor.

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Weil Analysten bessere Ergebnisse erwartet hatten, gab die Fiat-Aktie in Mailand um 4,5 Prozent nach. Die Gruppe hält allerdings an ihren Gesamtjahreszielen fest, darunter ein Nettogewinn von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro bei einem Umsatz von mehr als 77 Milliarden Euro.

Im Vorjahresquartal 2011 stand alleine noch ein Gewinn von 1,38 Milliarden Euro. Damals allerdings hatte Fiat von einem großen Sondereffekt angesichts der Konsolidierung von Chrysler profitiert.

Insgesamt erreichte der Konzern im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 358 Millionen Euro, nach 1,237 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz der Fiat-Gruppe, also mit dem US-Partner Chrysler, erreichte 21,5 Milliarden Euro, wobei Fiat allein lediglich 9,2 Milliarden Euro ausmachte. Das war für Fiat ein Rückgang von 7,5 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahresquartal.

Dank der florierenden Verkäufe in den USA konnte die Fiat-Tochter Chrysler für das zweite Quartal einen Umsatzsprung um 23 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Euro) verbuchen. Der Gewinn lag unterm Strich bei 436 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 370 Millionen Dollar aufgelaufen. Chrysler habe aus seiner Vergangenheit gelernt, erläuterte Gruppen-Chef Sergio Marchionne. Der Konzern, der während der Wirtschaftskrise 2009 nur dank Staatshilfe überlebt hatte, verkaufte im zweiten Quartal 2012 weltweit 582 000 Wagen und verbesserte seinen Marktanteil in den USA.

«Die europäischen Märkte zeigen weiterhin Zeichen der Schwäche», sagte Marchionne in einer Telefonkonferenz, «und es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie sich 2012 noch erholen werden.» Er bekräftigte seine Auffassung, dass es in Zeiten der Überkapazitäten eine Koordination der Märkte auf europäischer Ebene geben müsse, weil es sonst die Autobauer in manchen Ländern sonst weiterhin schwierig haben würden. Mit Ausnahme Europas hätten alle Regionen positiv zum Ergebnis der Fiat-Gruppe beigetragen, hatte der Konzern festgehalten.

Der unter Druck stehende Fiat- und Chrysler-Chef hatte in der vergangenen Woche einen heftigen Streit zwischen VW und Fiat ausgelöst. Er hatte VW eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik vorgeworfen. VW konterte, Marchionne sei als Vorsitzender des europäischen Autohersteller-Verbandes Acea nicht mehr tragbar. Der Fiat-Boss hatte wegen der eingebrochenen Nachfrage in Italien deutlich gemacht, eines der vier Fiat-Werke im Land könnte gefährdet sein, falls sich an der desolaten Absatzlage nichts ändere.

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