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Der Trainingswissenschaftler arbeitet für BSD und DSV

Fietkau macht die Bahnsportler schnell

Berchtesgaden – Seit neun Jahren arbeitet Ulrich Fietkau für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) sowie für den Deutschen Skiverband (DSV) als Trainingswissenschaftler. Im Gegensatz zu den Sportlern und Trainern, die ständig im Rampenlicht der Medien und Zuschauer stehen, wirkt der Berchtesgadener ausschließlich im Hintergrund. Gleichwohl ist seine Arbeit für die Leistungsfähigkeit der Sportler eminent wichtig. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem 48-Jährigen über seinen Beruf.

Wie viele Funktionäre im Hochleistungssport, verbringt auch Trainingswissenschaftler Ulrich Fietkau viel Zeit am PC. (Foto: Wechslinger)

Herr Fietkau, welche Aufgaben umfasst die Arbeit des Trainingswissenschaftlers für die Kufensportarten und wo liegen die Schwerpunkte?

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Ulrich Fietkau: Ich bin für die drei Bahnsportarten Bob, Rodel und Skeleton sowie Ski alpin und nordisch zuständig. Speziell im Sommer geht es darum, konditionelle Grundlagen zu verbessern. Dies betrifft Kraft ebenso wie Ausdauer und Beweglichkeit. Ebenso überprüfe ich mit verschiedenen Messinstrumenten, wie sich die Sportler am Start verbessern können.

Wie lässt sich das so exakt messen?

Fietkau: Am schwierigsten sind die Messungen beim Skeleton, weil das Sportgerät keine gerade Linie fährt, sondern links und rechts sowie rauf und runter. Ich peile da mit einem Laser mit einem Fadenkreuz hinterher und so ist Skeleton für mich die schwierigste Geschichte. Beim Bob schaue ich nicht so auf die Athleten, sondern wie sich das Sportgerät bewegt. Da habe ich eine große Haube, auf die ich genau zielen kann. Am einfachsten ist Rennrodeln zu analysieren, weil ich da von hinten genau die Lendenwirbelsäule sehe und auf den fixen Punkt zielen kann.

Beim Rennrodelstart kommt es ja auch auf die Schnellkraft der Sportler und auf die richtigen Handschuhe an.

Fietkau: Ich prüfe auch, ob die Technik der Handschuhe funktioniert. Die Anzahl der Krallen und deren Länge sind ja reglementiert. Entscheidend dabei ist jedoch auch die Schärfe der Krallen.

Sind Sie auch bei Windkanalmessungen dabei?

Fietkau: Da bin ich eingebunden, wenn wir neue Anzüge testen. Da kann ich einiges aus den Messungen sehen, wenn sich die Anzüge aufblähen.

Wie kann man sich die Videoanalysen vorstellen?

Fietkau: Das geschieht im Verbund mit Trainern und Sportlern, wenngleich ich auch mit gewissen Sportlern alleine spreche. Ich versuche dabei, den Aktiven die beste Linie zu zeigen. Patric Leitner macht Videoaufzeichnungen vom Start, ich auf der Strecke. Wir kommen danach zusammen und besprechen das im Hinblick auf den Start und die Bahnlinie gemeinsam.

Haben andere Nationen eine ähnlich funktionierende Trainingswissenschaft wie Deutschland?

Fietkau: Natürlich, wenn auch nicht mit unserer Konsequenz. Aber ich tausche mich freilich auch mit Kollegen von anderen Nationen aus, die sind da recht offen und stecken eine Menge Manpower in die Sache. Vielen fehlt da jedoch die nötige Konsequenz. Ich arbeite schon seit über zehn Jahren nach einem gewissen System.

Befolgen die Aktiven Ihre Korrekturen und Vorschläge?

Fietkau: Ich versuche den Athleten die schnellste Linie aufzuzeigen, aber wie sie es umsetzen, ist deren Sache. Ich kann nur Vorschläge machen wie sie schneller werden.

Kann man den Anteil der Trainingswissenschaft in Prozenten zu Technik, Material und Sportler setzen?

Fietkau: Natürlich hat die Trainingswissenschaft ihren Stellenwert, den man jedoch nicht in Prozenten wiedergeben kann. Ich bekomme ja die Sportler unter meine Hände, die ohnehin schon sehr gut ausgebildet sind. Ich bin in erster Linie dazu da, die Defizite aufzuzeigen. cw