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Filigrandosen erfordern Fingerspitzengefühl

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Schönauer beherrscht Berchtesgadener Kunstholzhandwerk für Filigrandosen
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Der »Weiherer«, Hans Brandner, verkauft die Filigrandosen in seinem Standl auf dem Christkindlmarkt. (Foto: Christa Münzner)

Schönau am Königssee – Hans Brandner ist der letzte Schönauer Holzhandwerker, der noch die Kunst der Filigrandosen-Herstellung beherrscht. Auf dem »Berchtesgadener Advent«, der am Donnerstag, 28. November, beginnt, zeigt er, wie sie hergestellt werden.


Zu der aus früherer Zeit stammenden Kollektivbezeichnung »Berchtesgadener Kunstholzhandwerker« gehören die Schachtelmacher, die Schnitzer von Trücherln, Rössln, Löffeln, die Feinschnitzer und die Dreher von Pfeifen und Trompeten sowie von Büchsen und Körbchen.

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Ende des 18. Jahrhunderts versuchte ein Drechsler aus der Schönau, in den Holzrohling einer Dose mit einem speziell dafür von ihm gefertigten Metalleisen bis zu einer Tiefe von einem bis 1,2 mm ein Muster einzustanzen und diesen Rohling anschließend vorsichtig so fein auszuhöhlen, dass eine durchbrochene Dose entstand.

Die winzigen ausgestanzten Teilchen fielen fast alle heraus, die restlichen beseitigte er vorsichtig mit einem Nagel – die Filigrandose war damit geboren. Die Filigrandosenschnitzer wurden bald als solche vom Stift als neue Zunft bestätigt und dabei gleichzeitig festgelegt, dass nur die jeweiligen männlichen Nachkommen dieser Dreher sie herstellen und vertreiben durften. Die Methode der Herstellung vererbte sich so von Generation zu Generation.

Verwendet wird dafür nur astreines Ahornholz von feiner Textur und gleichförmiger, möglichst reiner Färbung. Die Drehbank wurde damals noch durch Treten mit dem rechten Fuß in Rotation gebracht, ein mühsames und recht kräftezehrendes Unterfangen. Waren es früher noch an die 15 Familien in Schönau am Königssee, die diese Kunst beherrschten, so gibt es jetzt dafür nur noch Hans Brandner. Sein Großvater kaufte um 1925 seine erste elektrische Drehbank in München, die dann mit einem Pferdefuhrwerk von dort nach Berchtesgaden geliefert wurde.

Mittlerweile hat Brandner selbst auch entsprechende Stanzmaschinen gebaut, eine technische Meisterleistung. Die Herstellung gelingt damit viel zügiger, benötigt wird aber immer noch großes Fingerspitzengefühl und allerhöchste Konzentration. Seine Filigrandosen und Filigrankörberl werden nun heute in einem Geschäft der Berchtesgadener Heimatkunst in die ganze Welt verkauft.

Seinen Enkel hat er schon vor Jahren in diese Kunst eingeweiht. Der mittlerweile junge Mann studiert allerdings derzeit an der Universität in München und wird später vermutlich seinen Unterhalt nicht mit der Herstellung dieser einzigartigen Dosen verdienen – dementsprechend groß ist die Befürchtung, dass dies das Ende der kleinen Kunstwerke bedeutet.

Auf dem alljährlichen Berchtesgadener Advent im Zentrum des Marktes Berchtesgaden ist übrigens die letzte Stufe des Entstehens dieser Dosen noch zu sehen. Hans Brandner demonstriert in einem der Standl mit einer kleinen Maschine, wie er die bereits vorgestanzten kleinen Dosen ausfräst.

Christa Münzner