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Filmreife Flucht: 30-Jähriger bekommt Bewährungsstrafe

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Der Angeklagte hängte seine Verfolger auf der Bundesstraße 20 ab. (Symbolfoto: pixabay)

Freilassing/Laufen – Dreimal war der 30-jährige Pole auf der österreichischen A 1 als Geisterfahrer in die falsche Richtung gefahren. Verfolgt von österreichischen Beamten flüchtete der in Dresden lebende Familienvater dann auf der Kreisstraße nach Laufen und auf der B 20 zurück nach Freilassing. Auf der Bundesstraße rammte sein Opel den VW-Bus der bayerischen Polizei, er selbst flüchtete dann zu Fuß. Am Laufener Amtsgericht kam der Mann mit einer Bewährungsstrafe davon.


Ein nicht funktionierendes Navi soll der Grund seiner Irrfahrt in Österreich gewesen sein. Dabei war ihm ein 26-jähriger Beamter der Polizeiinspektion Traunstein auf einer Privatfahrt entgegengekommen, der sofort die Kollegen beiderseits der Grenze informierte. Später dann will sich der Angeklagte um seine Weiterfahrt gesorgt haben, da sein Wagen keine gültige TÜV-Bescheinigung mehr hatte. Auf bayerischer Seite raste der 30-Jährige dann auf der Kreisstraße BGL 3 über Saaldorf in Richtung Laufen, im VW-Bus verfolgt von zwei Beamten der Polizeiinspektion Freilassing.

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Ständiger Spurwechsel

Dabei soll der Opel mehrfach stark abgebremst und wieder beschleunigt haben. Den Versuch der beiden Beamten, das Fahrzeug zu überholen, verhinderte der Angeklagte mit dem ständigen Spurwechsel. Bei Steinbrünning schien es zu gelingen, doch der 30-Jährige zog seinen Wagen erneut nach links, um den Polizeibus zum Abbremsen zu zwingen.

Nach übereinstimmender Aussage der 22-jährigen Beifahrerin sowie des 24-jährigen Kollegen am Steuer fuhr der Verfolgte sowohl durch Saaldorf als auch durch Laufen mit 80 bis 90 Stundenkilometern. Auf der B 20 nach Freilassing hängte der Mann seine Verfolger mit 180 Stundenkilometern den Polizeibus ab, stoppte aber kurz vor Freilassing als ihm Blaulicht von vorne entgegenkam. Seine Verfolger stellten sich schräg vor den Opel, waren noch nicht ausgestiegen, als es »gerumst« hatte, wie es die beiden Beamten im Zeugenstand beschrieben. Anschließend flüchtete der Pole zu Fuß in die dunkle Nacht. Den Schaden am Polizeibus bezifferte die Anklage mit 3.660 Euro. Eine wesentliche Frage im Gericht: Hatte der Angeklagte den Polizeiwagen absichtlich gerammt?

Das »Herbeiführen eines Unfalls« würde Richter Christian Daubner als Verbrechenstatbestand an das Schöffengericht verweisen. Sehr wahrscheinlich aber hatte der Angeklagte seinen Automatik-Opel mit laufendem Motor verlassen und die Schaltstellung »Drive« hatte den Wagen in den VW-Bus stoßen lassen. »Die Ziffer 2 der Anklage ist wackelig, eine fahrlässige Sachbeschädigung ist nicht strafbar«, stellte Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer dazu fest, worauf dieser Teil wegbeschränkt wurde.

Rücksichtsloses Fahren

Für Richter Daubner kam andererseits auch eine Verurteilung wegen eines verbotenen Autorennens in Frage. »Rücksichtsloses verkehrsgefährdendes Verfahren«, attestierte Staatsanwältin Lisa Oesterle dem Angeklagten. In dessen Fahrweise sah sie einen tätlichen Angriff und beantragte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Verteidiger Schwarzer mochte dagegen lediglich eine Nötigung erkennen und erachtete daher eine Geldstrafe für ausreichend. Weil der Führerschein seit 13 Monaten weg ist, sei es an der Zeit, den jetzt herauszugeben.

Christian Daubner entschied auf acht Monate wegen Nötigung, tätlichen Angriffs und verbotenen Kfz-Rennens. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Daneben hat der Angeklagte 1.000 Euro an die Staatskasse zu zahlen. Seinen Führerschein wird er nach fünf weiteren Monaten wieder erhalten. »Ich möchte mich bei allen entschuldigen«, erklärte der 30-Jährige in seinem Schlusswort, »ganz besonders bei den Polizisten. Ich verspreche, das passiert nie wieder«.

Hannes Höfer

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