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»Barocknacht« der Universität Mozarteum mit viel Musik von Telemann

Flaschen, mit Champagner gefüllt

Ein »bisschen gewühlt« habe er, sagt Reinhard Goebel mit dem ihm eigenen Understatement. Wo genau er wühlte, hat er in der Barocknacht der Universität Mozarteum nicht verraten, aber der Titel des Blockflötenkonzerts macht es klar: Als »Harrach-Konzert« haben es Dorothee Oberlinger und Reinhard Goebel schon auf CD eingespielt.

In der Privatsammlung der Familie Harrach fand sich das Manuskript. Es sei sofort eine Echtheitsdebatte losgegangen, so Goebel: »Die, die's nicht gefunden haben, waren der Meinung, es sei nicht von Telemann.« Egal, Hauptsache feine Musik, im pizzikato-begleiteten langsamen Satz vor allem, wo die Blockflöte immer wieder neue Wendungen und Winkelzüge provoziert. Das steht so in den Noten und Dorothee Oberlinger hat erfindungsreich mit raffinierter Verzierungskunst den kleinen Überraschungen nachgeholfen.

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Es war der Abschluss der »Barocknacht«, der gut eingeführten Leistungsschau des Departments für Alte Musik an der Universität Mozarteum. Reinhard Goebel, der diesen sechseinhalbstündigen Marathon konzipiert und weder unlaunig noch uneitel moderiert hat, brachte dazu auch ganz tolle Studenten aus Köln mit, wo er auch unterrichtet. So haben diese vielen Konzertstunden letztlich weniger über den Stand der Dinge in Salzburg ausgesagt als darüber, auf welch fulminantem Niveau die Musikausbildung in Sachen Alter Musik überhaupt steht und gegen welche Konkurrenz sie sich behaupten muss. Da durften die Zuhörer Stück um Stück (derer waren es viele) nur staunen.

Eigentlich mutig, in sechs jeweils fast einstündigen Programmblöcken ausschließlich Telemann zu spielen. Bachs Musik würde das auch verkraften, jene von Händel vielleicht schon nicht. Er war also ein wirklich guter Komponist, dieser Telemann. Eines der Konzerte, das im Solitär erklang, war jenes Concerto »a sei« für zwei Violinen solo, Streicher und Basso continuo, dessen Noten einst Bach und Pisendel eigenhändig abgeschrieben haben. Die beiden wussten, wofür man sinnvollerweise Zeit aufwendet.

Die Konzerte machten deutlich, wie experimentell Telemann Gattungen und Besetzungen durchmischt hat. Was »Konzert« heißt, ist nicht selten ein verkapptes Concerto grosso und als solches auch pikant durchgearbeitete Kammermusik. Und selbst bescheidenere Musik – etwa die Sammlung »Der getreue Musikmeister« – ist nur auf den ersten Blick damaligen Amateuren in die Finger geschrieben. Auch die »schulmeisterlichen« Werke Telemanns sind fordernd und gewinnen bei wirklich professioneller Interpretation. »Telemanns Musik darf auch von Flaschen gespielt werden, vorausgesetzt sie sind mit Champagner gefüllt«, meint Goebel dazu.

In der Kollegienkirche ließen die vier Geiger aus Goebels Kölner elitegeschmiedetem »Echo di Rheno«, die ohne Continuo antraten, ihre Zuhörer staunen ob der technischen Brillanz und dem zugespitzten Zusammenspiel. Hochinteressant aber auch, wie Telemann Gamben für den »empfindsamen Stil« dienstbar machte und mit der Traversflöte dialogisieren ließ.

Das »Harrach-Konzert« von Telemann ist bei dhm/Sony auf CD erschienen, mit Dorothee Oberlinger, dem Ensemble 1700 und Reinhard Goebel. Die »Barocknacht« ist aufgezeichnet worden – einen Stream gibt es im Internet unter www.moz.ac.at Reinhard Kriechbaum